Wo Langzeitarbeitslosen am besten der berufliche Wiedereinstieg gelingt

Mit Beginn des Frühjahrs waren in Deutschland knapp 2,4 Millionen Menschen ohne Arbeit, was wiederum weniger war als ein Jahr zuvor. Dies ist grundsätzlich erfreulich, zumal der generelle Trend nun schon fast acht Jahre anhält und die Arbeitslosenzahlen jeden Monat meist gesunken sind; von wenigen Ausreißern abgesehen, was oft auch mit der Jahreszeit zusammenhängt. So werden viele Arbeitnehmer in sogenannten Außenberufen mit Einsetzen der nasskalten Witterung Jahr um Jahr arbeitslos, kommen aber nach wenigen Monaten wieder in Beschäftigung. Oftmals sogar beim selben Arbeitgeber. Betroffen sind u.a. Bauarbeiter, aber auch gastronomische Servicekräfte in Biergärten oder in touristisch erschlossenen Regionen. Der Wehrmutstropfen bei diesen Statistiken sind aber die Langzeitarbeitslosen, die mit 800.000 Personen fast ein Drittel aller Arbeitslosen ausmachen. So bezeichnet man Menschen im erwerbsfähigen Alter, die ein Jahr oder länger arbeitslos sind. Die meisten dieser Menschen beziehen das Arbeitslosengeld II, das meist als Hartz4 bezeichnet wird. Eine genauere Statistik zeigt nun, in welchen Berufen und Sparten der Wiedereinstieg auch nach längerer Zwangspause am ehesten realisiert werden kann.

 

Wenig überraschend trifft eine lange Bezugsdauer von Transferleistungen vor allem Menschen, die entweder schlecht ausgebildet sind, über gar keinen Berufsabschluss verfügen oder in strukturschwachen Regionen leben. Allerdings konnten sich im vergangenen Jahr 2017 rund 160.000,00 Langzeitarbeitslose aus diesem Status mittels Annahme einer Beschäftigung befreien. Mit Einkommen zwischen EUR 23.000,00 und EUR 32.000,00 pro Jahr sind die meisten dieser Wiederarbeitnehmer sogar in der Lage, ganz ohne „Aufstocken“ oder anderer sozialer Hilfen ihren Alltag finanziell zu bestreiten. Auf der oberen Einkommensskala liegen z.B. Gebäudetechniker. Beim fast schon klischeehaft typischen Job als Lagerhelfer landete man im unteren Meridian bei ca. EUR 23.500,00. Dies betraf ca. 8 % der Langzeitarbeitslosen. Daneben gelang anderen Personen aber der Einstieg in weit über 500 verschiedenen Berufen, davon mehrheitlich im gewerblichen Bereich und in Dienstleistungsprofilen, wie etwa als Reinigungskraft (7 % aller Wiedereinsteiger). Gerne werden auch Tätigkeiten im Objektschutz angenommen, weil man hierfür keine klassische Ausbildung vorweisen muss. Ein „sauberes“ polizeiliches Führungszeugnis und gute körperliche Verfassung reichen in der Regel aus. Nicht nur die zahlreichen Wach- und Schließdienste, sondern auch Konzerne wie die Deutsche Bahn suchen hier laufend Verstärkung. Allerdings halten sich die Verdienstmöglichkeiten in Grenzen: ca. EUR 24.000,00 brutto pro Jahr lassen sich am Anfang verdienen.

 

Bei der Betrachtung der Gehaltshöhe zeigt sich Folgendes: Der Beruf des Gebäudetechnikers ist nicht nur ein beliebter Einstiegsjob unter Langzeitarbeitslosen, sondern auch ein verhältnismäßig lukrativer. In diesem Beruf verdienen Beschäftigte mit rund 31.500 Euro das höchste Gehalt im Berufsvergleich. Auch als Fahrzeugführer im Straßenverkehr können Langzeitarbeitslose knapp über 30.000 Euro jährlich verdienen und bewegen sich damit im Bereich der Küchenhilfen.

 

Ist aber der Wiedereinstieg erstmal geschafft, können Geringqualifizierte mittels Fort- und Weiterbildungen in ihrem spezifischen Bereich sukzessive vorankommen. Wie in jedem beruf gilt die eiserne Regel, dass jene Arbeitnehmer, die sich für ihr berufliches Weiterkommen engagieren, auf Sicht auch Aufstiegschancen erhalten. Sei es, dass man eine Teamleitung übertragen bekommt, oder aus der Schiene einer Hilfskraft ausbrechen kann. Wenn der erste und schwierigste Schritt aus der Arbeitslosigkeit erstmal geschafft ist, bieten sich so zahlreiche Möglichkeiten einer dauerhaften und auch etwas besser bezahlten Beschäftigung. Dann sind Gehaltssprünge von jährlich mehreren tausend Euro machbar und man wird nicht so schnell erneut arbeitslos. Hier gilt die alte Regel, wonach die am geringsten Qualifizierten bei wirtschaftlichen Schieflagen als erstes ihre Jobs verlieren. Jeder Arbeitnehmer kann dem ein Stück weit vorbeugen.

Von |2018-06-12T09:00:46+00:00Juni 12th, 2018|All Entries|0 Kommentare