Wie oft sollte man den Job wechseln? Personalberater geben Karrieretipps

Wie oft sollte man innerhalb eines durchschnittlich 40jährigen Berufslebens den Arbeitgeber wechseln? Hieran scheiden sich im Detail die Geister. Einig sind sich führende Personalberater in Deutschland, so auch wir selbst, dass die sogenannten „Kaminkarrieren“, das heißt die lebenslange Treue zu einem Arbeitgeber, nicht mehr zeitgemäß sind. Nahezu alle Arbeitgeber erwarten, dass Kandidaten im ersten Teil ihres Berufslebens Erfahrungen mit unterschiedlichen Unternehmenskulturen sammeln. Dies ist freilich eine Gratwanderung, denn zu sprunghaft sollte der Lebenslauf auch nicht wirken.

Flexibilität ist ein nicht mehr wegzudenkender Soft-Skill. Darunter versteht man aber nicht nur die Fähigkeit, innerhalb der Strukturen des aktuellen Arbeitgebers ohne Scheuklappen zu denken und zu arbeiten, sondern schließt mittlerweile auch die persönliche Kenntnis verschiedener Strukturen und Kulturen mit ein. Je nach Position und Beruf versteht man darunter auch Internationalität. Waren die meisten Arbeitnehmer früher eher aus Gründen der persönlichen Unzufriedenheit mit ihrem aktuellen Job aktiv auf der Suche, sollte man also heutzutage seinen Werdegang bewusst so gestalten, als dass man sich von Mitbewerbern an wichtigen Stellen abhebt.

Soweit die Übereinstimmung aller HR Spezialisten. Aber welche Wechselintervalle werden empfohlen. Hieran scheiden sich die Geister und bei Gesprächen mit Beratern und Personalverantwortlichen bei den Arbeitgebern kristallisiert sich schnell heraus, dass es keinen Königsweg für alle gibt. Vieles hängt von der Branche, dem konkreten Beruf und natürlich von den persönlichen Zielen ab. In schnelllebigen Branchen wie der IT etwa werden Wechselintervalle von 3 bis 4 Jahren nahegelegt. Ein Verharren an der gleichen Position über sehr viele Jahre kann zum echten Karrierekiller werden. Die Konkurrenz, in diesem Fall andere Bewerber, schläft auch hier nicht. Zudem steigt mit zunehmender Beschäftigungsdauer die gegenseitige Abhängigkeit von Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Weiterhin verbinden viele HR Entscheider eine lange Beschäftigungsdauer bei einem Arbeitgeber mit Trägheit des Bewerbers. Ob dies zutrifft oder nicht, lässt sich an Hand der Durchsicht von Lebensläufen und Zeugnissen nicht feststellen und schnell fällt man durch das berüchtigte Raster, obwohl man eigentlich ein dynamischer Typ ist. Leider hat man dann keine Möglichkeit, dies persönlich bei einem Vorstellungstermin unter Beweis zu stellen bzw. mit diesem Vorurteil aufzuräumen.

Daher gilt allgemein die Regel, dass man mit einem stringenten, aber zugleich vielseitigen Lebenslauf eher Karriere machen kann. Man findet auf jeden Fall leichter eine neue Stelle. Auch gilt es in der heutigen schnelllebigen Zeit, das Risiko eines Jobverlustes wegen Fusionen, Insolvenzen oder betrieblichen Sozialplänen nicht aus den Augen zu verlieren. Die Arbeitswelt ändert sich derzeit so drastisch wie seit Beginn der Industrialisierung nicht mehr, darüber berichten wir regelmäßig in unseren Blogs. Man sollte seinen aktuellen Arbeitsplatz generell nicht mit einem Ruhekissen verwechseln.

Wovor die Experten aber zugleich warnen, sind impulsive Wechsel. Einfach aus Frust hinschmeißen und etwas Neues probieren ist mit der Empfehlung nicht gemeint! Jobwechsel wollen geplant sein, damit der Lebenslauf nachvollzieh- und erklärbar bleibt.

Denn so sehr Arbeitgeber eine breitgefächerte Erfahrung schätzen, ist Sprunghaftigkeit weiterhin ein No-Go. Denn wer zu früh wieder wechselt, dem sagt man gerne mangelndes Durchhaltevermögen oder zu wenig Ambitionen nach.

Ein wesentliches Kriterium ist auch der Abschnitt, in dem man sich gemessen am gesamten Berufsleben befindet. Im ersten Drittel bis ca. Anfang 40 sollte man so viel Erfahrung wie möglich sammeln um dann im zweiten Drittel bis Mitte 50 sich eine gefestigte Position zu erarbeiten. Für den letzten Abschnitt bis zum Ruhestand empfiehlt es sich, eine gehobene Stellung mit langer Perspektive zu wählen. Zum einen wird es ab dann schwieriger, sich gegen Konkurrenten durchzusetzen und zum anderen werden natürlich generell weniger „Häuptlinge“ gebraucht, sodass die Stellenangebote auch quantitativ abnehmen. Vielfach kommt man dann an Personalberatern nicht mehr vorbei. Die meisten Senior Manager wissen die dort gebotene Ansprache und Betreuung auch sehr zu schätzen.

Betrachten wir aber abschließend noch die andere Seite der Medaille. Schließlich werden Loyalität als Ausdruck einer tiefen Identifikation mit dem Arbeitgeber von diesem weiterhin sehr geschätzt. Vor allem in fluktuativen Branchen lassen sich Chefs alles Mögliche einfallen um ihre Mitarbeiter zu halten. Seien es geldwerte Vorteile, Freizeitaktivitäten oder der Betriebshort für die Kinder junger Eltern. Die Entscheidung zu einem Wechsel ist immer individuell und muss auch zur privaten Lebenssituation passen. Wer sich verbiegt und alles nur auf den fixierten Werdegang konzentriert, wird zum einen nicht glücklich und wirkt zum anderen oftmals nicht glaubwürdig. Wie bereits erwähnt, wird Beständigkeit in der zweiten Hälfte des Berufslebens zunehmend zu einem wichtigen Wert. Wer also in jungen Jahren viel unterschiedliche Arbeitgebererfahrung sammeln konnte, wird sich bei der Definition seiner eigenen Ziele und Erwartungen an die berufliche Zukunft leichter tun. Hier kann man im Idealfall eine Win-Win-Situation für sich selbst sowie für einen neuen Arbeitgeber herstellen und dann seine Ausdauer beweisen.