Seit Jahren schon begleitet uns das Problem, dass trotz rund 2,5 Millionen Arbeitslosen auf der anderen Seite eine sechsstellige Zahl an Jobs in Deutschland unbesetzt bleibt. Im Sommer 2018 stieg diese Zahl auf 1,2 Millionen an, Tendenz steigend.

Trotz einiger Fragezeichen im Hinblick auf die Weltkonjunktur auf Grund mehrerer schwelender Konflikte wie etwa den Handelsstreitigkeiten zwischen den USA einerseits und den anderen großen Playern EU, China und Russland andererseits sowie dem wiederauflebenden Atomkonflikt mit dem Iran existieren derzeit keine Anzeichen einer signifikanten Abkühlung der deutschen Konjunktur. Die Nachfrage sowohl im Inland, als auch im EU-Binnenmarkt ist ungebrochen stark, sodass der Arbeitsmarkt insgesamt trotz einer insgesamt leichten Abkühlung noch nicht tangiert ist. Der Arbeitsplatzaufbau geht weiter, wenn auch etwas langsamer als in den letzten drei Jahren.

Was nun aber verstärkt zu Tage tritt, ist das bereits lange bekannte und gefürchtete Phänomen, dass geburtenstarke Jahrgänge des ersten Nachkriegsjahrzehnts sukzessive in den Ruhestand gehen und zu wenige jüngere Fach- und Führungskräfte nachrücken. Daher mangelt es schlicht an Bewerbern auf die Ausschreibungen. Im 2. Quartal 2018 stieg die absolute Zahl dieser nicht oder schwer zu schließenden Vakanzen um 25.000, im Vorjahresvergleich sogar um 115.000. Mittlerweile kommen auf 100.000 sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse fast 3 unbesetzte Stellen, somit knapp 3 %. Dies ist fast ein Prozent mehr als noch im Jahr 2012.

Das alte Westdeutschland weist erwartungsgemäß die meisten offenen Positionen auf, 940.000 Vakanzen waren es zu Ende Juni 2018. Im Osten können 270.000 Stellen nicht besetzt werden. Dies betrifft sowohl Nachbesetzungen, als auch neu geschaffene Stellen, letztere vor allem im boomenden Dienstleistungsbereich. Das Problem in den neuen Bundesländern ist weiterhin, dass die Unternehmen ein klar niedrigeres Lohnniveau anbieten, als im alten Westen. Damit sind viele interessante Arbeitgeber im bundesweiten Wettbewerb um Fachkräfte weniger konkurrenzfähig. Niedrigere Lebenshaltungskosten und eine schöne Lebensumgebung machen diesen Umstand nicht immer wett. Der stetige Wegzug junger Menschen aus dem Osten in den Westen, der seit der Wende mit unterschiedlicher Intensität anhält, tut sein Übriges zur teils prekären Lage. Insbesondere kleinere Betriebe mit bis zu 9 Beschäftigten ohne Rang und Namen in der Öffentlichkeit haben es sehr schwer. Darüber hinaus leidet die Gesundheitsbranche und das Baugewerbe überdurchschnittlich. Hinzu kommt eine große Zahl an nicht ausreichend qualifizierten Kandidaten. Hieraus ergibt sich eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, das vorhandene Arbeitskräftepotential durch fundierte Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen optimal auszuschöpfen.

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