Eigentlich hat der Jobtitel den Zweck, sowohl Kollegen als auch Geschäftspartnern anderer Unternehmen deutlich zu machen, mit welchem Aufgabengebiet jemand befasst ist bzw. welche Verantwortlichkeiten und Kompetenzen damit verbunden sind.

 

Seit ungefähr zwei Jahrzehnten aber hält der Trend zu fantasievollen englischen Stellentiteln an. Dies mindert zunächst mal den Wert der Visitenkarte, weil der Adressat rätseln muss, was der betroffene Mitarbeiter eigentlich im Unternehmen macht.

Die Möglichkeiten sind nahezu grenzenlos. Ob Success Consultant, Data Scientist, Feel Good Manager oder Chief Evangelist. Es gibt keine allgemeinverbindlichen Regeln jenseits der gesetzlich vorgeschriebenen Positionen wie etwa Vorstand einer AG, Geschäftsführer einer GmbH oder Prokurist. Vor allem in der IT-Branche sind Arbeitsfelder entstanden, die wenig bis nichts mit althergebrachten Berufsbildern gemein haben. Dies macht es zusätzlich schwierig, die Kuriositäten zu entschlüsseln.

Natürlich sind die englischen Bezeichnungen hauptsächlich der Globalisierung geschuldet. Für viele klassische Aufgabengebiete und Hierarchieebenen haben sich bestimmte Bezeichnungen durchgesetzt, die auch verstanden werden. Die „Officers“, z.B. CEO, CTO, COO oder CFO bezeichnen die verschiedenen Vorstandsbereiche, meist in Aktiengesellschaften. Der Chairman ist immer der Aufsichtsrats- oder Verwaltungsratsvorsitzende. Je nach Rechtsform und Land. Auch dass die Personalabteilung nun das Human Resources Management ist und die Buchhaltung als Accounting bezeichnet wird, ist nicht mehr neu und wird weitgehend verstanden. Auch beim Key Account Manager ist jedem klar, dass hier ein vertriebsaffiner Mitarbeiter sich um die Schlüsselkunden eines Unternehmens kümmert.

Oftmals werden Jobs auf den unteren Ebenen aber bewusst durch klangvolle Begriffe aufgehübscht. Wenn sich der Hausmeister als Facility Manager vorstellt, hat man einen solchen Fall. Hier wird also in gewisser Weise Kosmetik betrieben, meist auch um den Titelträger symbolisch aufzuwerten.

Anders sieht es aber in neuen Branchen aus. Meist getrieben von Innovationen aus den USA oder China, oftmals aber auch von Global Playern aus Europa sind vor allem seit den 1990er Jahren zahlreiche neue Berufsbilder entstanden. Man kann diesen Wandel auch gut an Hand der Novellen bei Ausbildungsberufen und Studiengängen beobachten. Die mit der Digitalisierung einhergehende dritte industrielle Revolution lässt alte Berufe verschwinden und Neue entstehen. Andere Jobs verlagern den Schwerpunkt oder werden ergänzt. Vielfach existieren für einige Berufsbild schlicht keine nicht-englischen Bezeichnungen. Das alte Sprichwort „Die Welt ist ein Dorf“ ist in den meisten Branchen längst Realität geworden und Englisch die aktuelle Lingua Franca. So können Geschäftspartner aus China, Russland, Mexico oder Frankreich gleichermaßen erkennen, welche Kompetenz das Gegenüber hat. Dies ist besonders vor dem Hintergrund wichtig, dass sich althergebrachte hierarchische Ebenen zunehmend auflösen und das abteilungsübergreifende, projektbezogene Arbeiten immer wichtiger wird. Dies gilt besonders für international aufgestellte größere Unternehmen, da multikulturelle Teams immer wieder neu zusammengestellt werden, bis eine bestimmte Challenge erfolgreich bewerkstelligt wurde. Vielfach werden Kompetenzen auch ganzheitlich, also das ganze Unternehmen betreffend, verliehen und dies eben nicht nur auf der oberen Führungsebene. Letztere ist meist noch klassisch bestückt. Den bereits erwähnten „Officers“ folgenden „(Senior) Vice Presidents“ als Ressortleiter, gefolgt vom „Head of…“, der in der Regel ein bestimmtes Segment mit Personal- und Budgetverantwortung leistet. Der sogenannte Manager folgt dann meist als klassischer Abteilungsleiter. Je nach Berufserfahrung oder Verantwortungsumfang wird ein „Senior“ bzw. „Junior“ vorangestellt.

Der spezialisierte Sachbearbeiter ohne Führungsverantwortung wird auch außerhalb von Wirtschaftsprüfungs- oder Anwaltskanzleien als „Associate“ bezeichnet. Idealerweise ergänzt um seine konkrete Aufgabe.

Nicht immer ist aber gleich auf den ersten Blick erkennbar, ob das Gegenüber auf der operativen oder strategischen Ebene tätig ist. So kann ein „Innovation Manager“ ein Entwicklungsingenieur sein, oder aber an Langfriststrategien für das Unternehmen arbeiten. Ähnlich ist es bei „New Business Managern“. Diese können sich z.B. direkt mit der Umsetzung einer Digitalisierungsrichtlinie beschäftigen, gerne auch Hands-on, oder aber eine solche Strategie für ihr Unternehmen erst entwerfen. Wer sich vorkommt, wie im Wald, sollte sich daher nicht scheuen, nachzufragen. Dies ist keinesfalls peinlich, im Gegenteil! Zum einen wird der Angesprochene öfters mit ratlosen Gesprächspartnern zu tun haben, zum anderen zeigt man dem Gegenüber, dass man sich für seine Themen interessiert. Wer als Expat nach Asien gesendet wird und dementsprechend vorher einen kulturellen Crash-Kurs absolviert, bekommt seit jeher eingebläut, erhaltene Visitenkarten nicht achtlos einzustecken, sondern genau zu betrachten und ggf. Fragen zu stellen oder Komplimente zu machen. Diese spezielle Kultur sollte man angesichts der sich rasch verändernden Berufsbilder übernehmen, da mit der Klärung allfälliger Fragen auch eine Wertschätzung einhergeht. Außerdem kann man so einen leichten Einstieg in das Gespräch finden, der Anfang ist gemacht, man spart sich Bemerkungen über das Wetter etc., was doch eher hilflos wirkt.

Eine andere Möglichkeit für Unternehmen ist, die Visitenkarten auf Vorder- und Rückseite bedrucken zu lassen. Einmal auf Englisch, die Rückseite in der Unternehmenssprache, z.B. Deutsch oder Spanisch. Dies ist auch auf internationalen Messen praktisch.

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