Hartnäckig hält sich das Ideal vom geradlinigen und damit lückenlosen Lebenslauf. Von der Schule bis zum Rentenalter sollte eine Vita leicht nachvollziehbar sein und dabei obendrein eine Karrieresteigerung vorweisen. Längst hat das mit der Realität aber vielfach nichts mehr zu tun.

Zum einen hat es die Globalisierung bis zum Mittelstand mit sich gebracht, dass wegen Fusionen, Unternehmenssplittings oder auch Insolvenz wegen mangelnder Wettbewerbsfähigkeit die Zeiten der „aktiven Arbeitssuche“ bei vielen Kandidaten zugenommen haben. Zum anderen können die Absolventen der 2000er Jahre leider zu Recht als Generation Praktikum bezeichnet werden: von der Jahrhundertwende bis zum Beginn des gegenwärtigen Booms im Jahre 2010 hatten es viele Studienabgänger trotz guter Noten schwer, den Einstieg in reguläre Beschäftigung zu finden. Diese Situation hat sich zwar in den meisten Berufsbildern gedreht, was dauerhaft bleibt sind aber die entsprechenden Einträge in den Lebensläufen. Dies wird die betroffenen Beschäftigten bis zur Verrentung begleiten.

Obendrein kommt ein neues Thema hinzu: die Gesellschaft wird immer älter und damit steigt die Zahl der Pflegebedürftigen. Wer seine Eltern oder Großeltern nicht in einem Heim abgeben möchte, sondern in deren gewohnter Umgebung Unterstützung angedeihen lassen möchte, nimmt sich dazu eine berufliche Auszeit mittels durch die Pflegekasse ausgeglichenen Langzeiturlaub oder geht in befristet Teilzeit. Diese Angebote werden durch die Politik in diesen Tagen noch attraktiver gemacht und werden daher sicherlich in vielen Bewerberprofilen ihren Eintrag finden.

Zu guter Letzt warten viele Menschen mit einer Weltreise nicht bis zum Ruhestand, sondern wollen dieses Erlebnis, sofern finanzierbar, bereits in jüngeren und damit körperlich fitteren Jahren realisieren. Top-Manager sind oft so ausgebrannt, dass sie zwischen zwei Jobs einen sogenannten Sabbatical zur persönlichen Regeneration nutzen, dadurch wieder neue Kraft schöpfen. Unabhängig von der Frage, ob man sich das individuell leisten kann, wirft es oftmals Fragezeichen beim Bewerbungsprozess auf. Nun ist eine Auszeit nicht mehr automatisch ein Absagegrund für Arbeitgeber, dies vor allem in Zeiten des Fachkräftemangels und gesteigerter Sensibilität im Hinblick auf die sogenannte Work-Life-Balance, die man besser als Work-Private-Balance bezeichnen sollte, denn Arbeit gehört zum Leben schließlich dazu.

Welche Möglichkeiten aber gibt es um solche vermeintlichen Lücken stichhaltig zu erklären?

Ein positives Bild macht man vor allem dann bei Personalentscheidern, wenn die Auszeit sinnvoll verbracht wurde. Wer sich auf Weltreise begibt, schult damit automatisch seine interkulturelle und sprachliche Kompetenz. Zumindest der englischen Sprache sollte man mächtig sein, wenn man sich an ferne Ziele, weit ab von den pauschal buchbaren Hotelburgen begibt. Auch lernt man Land und Leute kennen, was man mit wenigen Worten beim entsprechenden Eintrag im Lebenslauf schlüssig beschreiben kann.

Abhängig vom eigenen Berufsbild können aber sogar Zeiten des Nichtstuns dem Menschen gut tun, vor allem wenn er in einem kreativen Beruf arbeitet. Grafiker, Programmierer oder Marketingspezialisten nutzen solche „schwarzen Löcher“ gerne um ihren Kopf freizubekommen und dann wieder richtig durchzustarten. Inspiration bekommt man nicht, wenn man sich fühlt wie der Hamster im Laufrad.

Auch beim Beispiel mit der häuslichen Pflege sollten Kandidaten kein Blatt vor den Mund nehmen. Dies gehört eben zum ganzheitlichen Lebenslauf dazu und schärft zudem die soziale Kompetenz. Soft-Skills, die neben der fachlichen Qualifikation immer mehr gefragt sind.

Einzig die Dauer der individuellen Auszeit könnte ein Haken sein, denn in vielen Berufen ist ständiges Dazulernen notwendig um den Anschluss nicht zu verpassen. Dies wird bei Lücken von bis zu einem Jahr nicht relevant sein. Wer aber länger pflegt oder schlichtweg nach einer Arbeitgeberkündigung den neuen beruflichen Anschluss über einen längeren Zeitraum sucht, könnte Probleme bekommen. Hier bieten sich bereits im Vorfeld Weiterbildungsmaßnahmen an. Vielfach werden diese von den Arbeitsagenturen angeboten und von öffentlicher Hand finanziell großzügig gefördert. Wer als Anlage entsprechende Zertifikate vorlegen kann, wird bei seiner Bewerbung Bedenken entkräften können.

Auf gar keinen Fall sollte man sich als Bewerber aber dazu verleiten lassen, seinen Lebenslauf wider besseres eigenes Wissen zu schönen. Spätestens im Gespräch kommt man so nämlich in Erklärungsnöte, die eventuell das K.O. bedeuten können. Besser also gleich ehrlich sein und keine unangenehmen Fragen aufkommen lassen!

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