Roboter & Co.: die Arbeitswelt steht vor großen Herausforderungen. Aber keine Panik!

Mit den teils tiefgreifenden Veränderungen der bisher bekannten Arbeitswelt durch Automatisierung und Digitalisierung, zunehmend mittels künstlicher Intelligenz haben wir uns an dieser Stelle schon öfters beschäftigt. Nun liegt eine neue Erhebung der International Federation of Robotics (IFR) vor, die aber den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern auch Mut macht.

 

Lange bekannt ist, dass vor allem einfache, sich laufend wiederholende Tätigkeiten vor allem in der Produktion zunehmend von Maschinen erledigt werden. Dieser Prozess ist nicht neu, er setzte in den 1970er Jahren ein. Damals bekam es die erfolgsverwöhnte westdeutsche Bundesrepublik erstmals mit einer signifikant steigenden Arbeitslosenrate zu tun, da man viele anlernbare Aufgaben bereits damals an die ersten Maschinen, die man als Roboter bezeichnen kann, übertrug. Dadurch veränderten sich die Werkshallen in den Industrienationen nachhaltig: ging es in den Fabriken vorher zu wie in einem Ameisenhaufen, sieht man heutzutage nur noch vereinzelt Spezialisten, die für den reibungslosen Ablauf der Fertigungsprozesse und deren Qualität verantwortlich sind. Neben den Meistern als Schichtführer und Ingenieuren zur Qualitätssicherung sind dies weiterhin Einsteller und ähnliche gewerbliche Berufe. Angelernte Kräfte sieht man dort nur noch selten. Dennoch sind im wiedervereinigten Deutschland 2017 so viele Menschen in Beschäftigung, wie noch nie.

 

Währenddessen haben die Experten der IFR ermittelt, dass Deutschland den weltweit fünftgrößten Robotermarkt nach Südkorea, Singapur, den USA und Japan vorweisen kann. Dass asiatische Nationen hier vorne liegen, dürfte Kenner der Branche nicht überraschen. Dass Deutschland innerhalb der Europäer an Platz 1 steht, dagegen unter Umständen schon. Statistisch betrachtet kommen momentan 309 Roboter auf ungefähr 10.000 Mitarbeiter in der deutschen Industrie. In Südkorea beträgt die Quote 630 Roboter auf 10.000 Arbeiter. Die International Federation of Robotics (IFR) rechnet derzeit mit einer Wachstumsrate von ca. 12 % beim Ausbau der Robotik in der nächsten Zeit pro Jahr.

 

Zunehmend geraten auch Büroberufe und der in der jüngeren Vergangenheit rasant gewachsene Dienstleistungssektor ins Visier der Automatisierer. Es ist bereits beschlossene Sache, dass dieser tiefgreifenden Umwälzung zahlreiche Jobs zum Opfer fallen werden. Dies ist aber nur die halbe Wahrheit. Führende Wirtschaftsforscher glauben unisono nicht, dass dieser Prozess zur Massenarbeitslosigkeit führen wird. Schließlich haben insbesondere die vergangenen beiden Jahrzehnte gezeigt, dass durch neue Branchen auch laufend neue Berufsbilder entstehen. Notwendig ist daher aber eine konsequente und nachhaltige Weiterbildungspolitik.

 

Die Experten malen aber die Zukunft für menschliche Arbeit nicht schwarz. Sicherlich wird die künstliche Intelligenz in der nächsten Zeit weiterentwickelt werden, damit monotone Tätigkeiten künftig automatisiert ablaufen können. Beispielsweise ist es denkbar, dass Eingangsrechnungen nicht mehr von Buchhaltern auf Richtigkeit überprüft und von Hand in das EDV-System gebucht werden, sondern dass dies ein Roboter in Form eines Scanners mit Schnittstelle zur elektronischen Buchführung erledigt. Dadurch braucht ein Unternehmen auf Sicht weniger klassische Buchhalter, die letztlich als Datentypisten im Großen und Ganzen immer wiederkehrende Arbeiten verrichten. Dennoch wird man nicht gänzlich auf eine Rechnungskontrolle verzichten können. Sei es, dass man stichprobenartig die Arbeitsqualität des neuen „Kollegen“ kontrolliert, sei es, dass manche Daten auf Belegen schlicht nicht erfasst werden können. Menschliche Eingriffe werden auch weiterhin notwendig sein, damit der Betriebsablauf korrekt vonstattengehen kann.

 

Zudem existieren zahlreiche Berufsbilder, die im Hinblick auf eine gewisse Intimität und Vertraulichkeit nicht vollständig durch Maschinen zu ersetzen sein werden. Dies betrifft insbesondere das weite Feld der Pflege und Krankenfürsorge. Aber genauso auch der Vertrieb erklärungsbedürftiger Produkte, die man nicht „von der Stange“ kauft. Bei einfachen Wirtschaftsgütern wie etwa Fahrkarten und Flugtickets haben wir uns längst daran gewöhnt, dass wir entweder an einem Automaten oder im Internet kaufen, ohne mit einem anderen Menschen in Kontakt zu treten. Auch diese Automaten sind gewissermaßen Roboter. Oder man denke an die zunehmende Verbreitung der Selbstbedienungskassen in Möbelhäusern und auch Supermärkten. Momentan sind viele Kunden noch etwas unbeholfen mit der Handhabe und es wird noch Personal für Erläuterungen und Unterstützung benötigt. In Skandinavien laufen derweil bereits Feldversuche, bei denen ähnlich wie bei der Sicherheitsschleuse an den Flughafen der gesamte Einkauf im Wagen unter einen großen Scanner geschoben wird. Der Wagen mit der Ware wird freigegeben, sobald der Kunde den angezeigten Preis, vorzugsweise mit Bank- oder Kreditkarte bezahlt hat. Andere Versuche beschäftigen sich mit der automatisierten Befüllung der Regale. Bereits heute sind Warenwirtschaftssysteme in der Lage, verkaufte Ware beim Handelsdepot nachzubestellen, ohne dass ein Filialleiter o.ä. die Regale abschreiten und nachzählen muss.

 

Daher kann man mit Recht sagen, dass die Automatisierung und Digitalisierung keine Zukunftsmusik ist, weiterhin handelt es sich um einen schleichenden Prozess. Einen „big-bang“ wird es nicht geben. Dabei sind die Entwickler und Implementierer solcher Technologien gefordert, diese Technik nur dort zum Einsatz zu bringen, wo ein wirtschaftlicher Nutzen entsteht. Nicht in allen Berufsfeldern ist die Herangehensweise, Menschen durch Maschinen zu ersetzen, zielführend. Viele Ideen werden es daher von der experimentellen Ebene nicht in die Praxis schaffen, weil die Flexibilität des Menschen trotz der immer besser werdenden künstlichen Intelligenz auf mittlere Sicht unschlagbar sein wird.

 

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat ebenso vor Kurzem eine Studie vorgestellt, die die Veränderungen in Zahlen wiedergibt. Der daran beteiligte Wirtschaftsforscher Prof. Enzo Weber erklärt dazu, dass die fortschreitende Digitalisierung keinesfalls zu Massenentlassungen oder einem Stopp bei den Neueinstellungen führen wird. Er skizziert vielmehr eine Transformation weg von den Fertigungsprozessen durch Menschen, hin zu kreativen, beratungsintensiven oder auch pflegeintensiven Berufsbildern. Schon in den letzten Jahrzehnten kamen zahlreiche neue Berufe auf, die in Betrieben und Berufsschulen gelehrt werden. Es kommt darauf an, die bereits ausgebildeten und/oder studierten Berufstätigen rechtzeitig mittels Weiterbildungsangeboten auf die neue Arbeitswelt vorzubereiten. Die Arbeit wird nicht ausgehen, sich nur sukzessive verändern. Schon bisher ist das Beschäftigungsniveau nicht gesunken, sondern zumindest in den meisten Industrie- und Schwellenländern eher gestiegen. Nur eben nicht in jedem Berufsumfeld. Am bemerkenswertesten zur Zeit ist sicherlich der Wandel in China von der „Werkbank der Welt“ hin zu einem Innovationsschrittmacher. Es wird sich zeigen, ob die jüngsten Beschlüsse der Staatspartei KPCh auch dergestalt in die Praxis umzusetzen sein werden. Interessante Ansätze sind allemal vorhanden und Europa wird sich ebenso wie Nordamerika dem Wettbewerb mit den Asiaten um die Zukunft der Arbeitswelt stellen müssen.

Dass der Mensch durch die Maschinen in nächster Zeit überflüssig gemacht wird, glaubt der Forscher hingegen nicht: „Die Welt ist voll von ungelösten Problemen und Arbeit. Diese Arbeit muss nur richtig organisiert werden“, lautet sein Fazit.

Von | 2017-12-19T09:00:34+00:00 Dezember 19th, 2017|All Entries, Deutsch, Neue Arbeitswelt, News|0 Kommentare