Job-Tipps für eher introvertierte Menschen

Vielfach kann man beobachten, dass Kollegen bei einem kleinen Umtrunk oder auch Meetings faktisch oder gefühlt am Rand stehen, sich nicht aktiv beteiligen. Was oftmals als Desinteresse missinterpretiert wird, hat meistens eine ganz einfache Ursache. Diese Menschen sind einfach keine Plaudertaschen, wollen auch ganz bewusst nicht im Mittelpunkt stehen. Welche Auswirkungen hat das auf die Karriere? Generell kann man das nicht einschätzen, aber es gibt genügend Berufe für Menschen, die eher in sich gekehrt sind.

 

Nur teamfähig sollte man dennoch sein, sonst wächst sich das zu einem echten Problem aus. Das klassische Einzelkämpfertum ist schon lange out, wirkt es doch in einer zunehmend von vernetzter Kommunikation geprägten Arbeitswelt als Hemmschuh und damit unproduktiv. Dies bedingt für jeden – übrigens bei weitem nicht nur im beruflichen Umfeld – dass man sich auf irgendeine Weise in Strukturen einfügen muss. Schließlich ist man immer Teil einer definierten Gruppe. Dazu gehört dann auch die Fähigkeit zu Kompromissen und der Eigenreflexion. Freilich kann niemand verlangen, dass man dafür seine eigene Persönlichkeit opfert, darum geht es auch nicht.

 

Es wäre nämlich ein Fehler, augenscheinlich eingeschränkte Kommunikation mit mangelnder Teamfähigkeit zu verwechseln. Wer gerne für sich arbeitet, muss sich nicht zwangsläufig von seinem Umfeld abkapseln. Diese Begriffe werden aber leider oftmals gekoppelt. Denn für viele sind die beiden Aspekte aneinandergeknüpft. Forscher haben herausgefunden, dass landläufig eine Definition von Teamfähigkeit vorherrscht, die man am besten mit der englischen Metapher des „everybody’s‘ Darling“ umschreiben kann. Unterordnung in dem Sinne, es in jedem Fall allen recht zu machen, ist nicht nur nicht teamfähig, sondern letztlich für sich selbst aber auch für die Sache kontraproduktiv. Man muss auch nicht allen Kollegen stets das beste Verhältnis haben, Streit darf und muss vorkommen, wenn sich alle Seiten weiterentwickeln wollen. Grundsätzlich sollte niemand genötigt sein, seine eigene Persönlichkeit umzukehren oder zu verstecken. Bei Teamfähigkeit im eigentlichen Sinne geht es mehr um Zuverlässigkeit, Anerkennen von gegebenen Hierarchien und fachlichen Kompetenzen der Kollegen. Letztlich auch um konstruktive Konflikt- und Kritikfähigkeit. Nur so kann man gemeinsam am eigentlichen Ziel, welches es im Berufsleben in wirtschaftlichen Zusammenhängen zu erreichen gilt, auch ankommen. Die Wege dorthin sind vielfältig. Nicht immer ist das quirlige Großraumbüro als Umgebung für eine Gruppenarbeit die erste Wahl. Wer wirklich teamfähig ist, kann seine Projektbeiträge sogar räumlich getrennt, z.B. aus einem Heimbüro beisteuern. Der Trend geht in einigen Berufsbereichen hin zu verstärkter Home-Office-Tätigkeit. Denn so kann oftmals eine Win-Win für Arbeitgeber und Arbeitnehmer hergestellt werden. Der eine spart sich teilweise Bürokosten, der andere spart sich mitunter lange Anfahrtswege in die Firma. Zumindest an manchen Tagen in der Woche. Moderne Softwaretools, Zugriffsmöglichkeiten auf elektronische Netzwerke u.a. ermöglichen es heutzutage meist ohne Reibungsverluste, als Teammitglied seinen Beitrag für den gemeinsamen Erfolg auch aus dem „stillen Kämmerlein“ heraus zu leisten. Zumindest zeitweise gelingt dies, was auch internationale Projektteams in vielen Konzernen täglich unter Beweis stellen. Umso wichtiger ist es dann aber, dass man seine Erkenntnisse und Ergebnisse mit dem Team teilt. Ein introvertiertes Naturell kann dabei sogar nützlich sein, denn diese Menschen sind meistens gar nicht oberflächlich und haben den Blick fürs große Ganze entwickelt.

 

Unabhängig davon gibt es aber andererseits Berufe, die solchen Menschen eher weniger liegen. Tätigkeiten im Vertrieb, im direkten Marketing, Messerepräsentanz oder auch die journalistischen Berufe sind für Menschen, die eher wortkarg sind und nicht so gerne auf fremde Menschen zugehen, meistens ungeeignet. Umgekehrt sind solche stillen Typen in vielen Bereichen der Finanzwelt sogar äußerst gefragt! Wer sich intensiv auf eine Problemstellung vertiefen kann, dies gerne bevorzugt alleine macht und nicht ständig Feedback zu Kleinigkeiten braucht, ist z.B. in der Wirtschaftsprüfung, im Controlling, oder aber auch als Beamter beim Finanzamt gut aufgehoben und kann jeweils hervorragende Ergebnisse und Erfolge erzielen. Neben diesem Bereich gibt es für „stille Wasser“ auch zahlreiche andere technische oder sogar kreative Berufe. Ein Media-Pitch, der voller Elan von einem Vertriebler vorgetragen wird, wurde oftmals von einem eher ruhigen Kreativen entworfen und strukturiert. Gleiches gilt für Konstrukteure und andere Entwickler im Maschinenbaubereich etwa. Diese müssen keine Autos verkaufen, sondern die Kollegen im Vertrieb in die Lage versetzen, ein ausgereiftes Produkt an den Mann oder die Frau zu bringen. In unserer arbeitsteiligen Gesellschaft existieren mannigfaltige Möglichkeiten, seinen Weg zu gehen.

 

Wichtig ist nur, dass man zu sich selbst und vor allem gegenüber einem (potentiellen) Arbeitgeber ehrlich ist. Man sollte sich grundsätzlich nie so darstellen, wie man eigentlich nicht ist. Das gilt für sämtliche Persönlichkeitsaspekte. Eher ist sogar die Flucht nach vorne zu empfehlen. Wer weiß, dass er gelegentlich Ruhe braucht um sich zu sortieren oder kreativ zu sein, sollte sich schon beim Vorstellungsgespräch nach entsprechenden Möglichkeiten erkundigen. Wenn dies dem Selbstverständnis des Unternehmens grundsätzlich widerspricht, sollte man am besten sich nach einem anderen Arbeitgeber umsehen, bevor man enttäuscht wird bzw. die Erwartungen anderer enttäuscht.

Von |2017-11-07T09:00:31+00:00November 7th, 2017|All Entries, Deutsch, Karriere, Neue Arbeitswelt, News|0 Kommentare