Was wir vor wenigen Wochen prognostiziert haben, wurde nun vom Bundesarbeitsministerium schwarz auf weiß bestätigt. Der jahrelang anhaltende Beschäftigungsaufbau ist zumindest in der bisherigen Breite vorbei. Die statistische Arbeitslosenquote stagniert bei 4,9 %, was rund 2,2 Millionen Arbeitslosen entspricht. Überdies denken angesichts der abkühlenden Konjunktur immer mehr Unternehmen über Kurzarbeit nach, bereits seit einigen Monaten werden Arbeitszeit- und Urlaubskonten abgebaut.

 

Am generellen Fachkräftemangel, auch angesichts der demographischen Entwicklung, ändert dies freilich nichts, aber es droht eine Zweiteilung des Arbeitsmarkts.

Bereits seit Mitte 2018 verfinstert sich der Konjunkturhimmel. Zu einem Crash wie 2008/2009 kam es bisher nicht, aber die Zeichen stehen auch Restrukturierung und weitere Verschlankung. Dies auch, weil parallel dazu die Wertschöpfung in deutschen Betrieben sinkt. Die Politik hat die günstigen Zeiten nicht für Steuer- oder Abgabensenkungen genutzt, vermehrte Administration durch staatlich verordnete Dokumentationspflichten trugen das ihre dazu bei.

 

Unterm Strich fanden zum Ende des 2. Quartals 2019 nur noch 1.000 Menschen eine neue Beschäftigung. Selbst vorsichtige Volkswirte hatten hier im Vorfeld einen besseren Wert erwartet. Auch die absolute Zahl der Beschäftigten liegt mit mehr als 45 Millionen Menschen zwar weiterhin auf Rekordwert, ist aber in den vergangenen Monaten nicht mehr angewachsen.

Ursachen für diesen Trend kann man viele aufzählen, wir beschrieben vor kurzem den Handelskonflikt zwischen den USA und China, das Damoklesschwert über den sogenannten Atomdeal mit dem Iran, Stillstand bei der Korea- und Ukrainefrage. Hinzugekommen ist noch die Hängepartie bei der Besetzung der Top-Posten in der EU nach den Parlamentswahlen. Nun haben die Entscheider in den Unternehmen seit geraumer Zeit begonnen, ihre Unternehmen und Konzerne „wetterfest“ zu machen. Quer durch alle Branchen melden namhafte Unternehmen einen kurzfristigen Stellenabbau in der Größenordnung zwischen 5.000 und 15.000 Beschäftigten. Egal ob Banken, Versicherungen, Pharma, Automobilindustrie, Industriechemie und andere mehr: nahezu keine Branche kann sich dem Trend entziehen.

 

Während die Weltkonzerne nonchalant die Personalkürzungen als Pressemitteilungen herausgeben, bereitet sich auch der Mittelstand auf eine Stagnation, im schlimmsten Fall eine Rezession vor. Man merkt dies am gesunkenen Stellenanzeigenvolumen, welches bereits seit Herbst 2018 kontinuierlich zurückgeht.

Hinzu kommt noch eine Zahl vom Verbrauchermarkt. Der Einzelhandel meldete für das 2. Quartal 2019 lediglich verhaltendes Wachstum deutlich unter 1 % pro Monat. Dank der Preissteigerungen erhöhten sich die Umsätze leicht, die Erträge stagnieren aber, was auch mit einer seit Längerem nicht mehr gekannten Vorsicht der Konsumenten zu tun. Man spart wieder mehr um auf schlechtere Zeiten, evtl. einen Jobverlust vorbereitet zu sein.

 

Wobei das gegenwärtige Szenario für Arbeitnehmer nicht zwingend Jobverluste bedeuten muss. Möglicherweise aber Einkommensreduktionen z.B. durch Kurzarbeit, Streichung von Zulagen wie Weihnachtsgeld, Prämien und ähnliches. Unternehmen lassen sich seit einiger Zeit verstärkt von Arbeitsagenturen aber auch Branchenverbänden und IHKs dahingehend beraten. Man möchte schließlich nicht wieder kalt erwischt werden, wie vor rund 10 Jahren, als viele nach dem Platzen der Immobilienblase und der Pleite der „Lehman Brothers“ beschwichtigten, dass alles nicht so schlimm kommen würde. Insbesondere zyklische Branchen wie Automotive und Maschinenbau steuern nun rechtzeitig um. Neben den weltwirtschaftlichen Themen kommen hier noch die Energie- und Verkehrswende als unabsehbare Herausforderungen hinzu.

 

Die genannte Zweiteilung des Arbeitsmarkts wird, wie schon länger prognostiziert, vor allem Geringqualifizierte treffen. Darunter sind viele Schulabbrecher und das gros der Migranten der vergangenen Jahre. Auf Grund eines Überangebots auf Arbeitnehmerseite ist vor allem der Lohndruck hier besonders groß.

Umgekehrt sieht es bei den Fachexperten aus. Wer das Wissen und die Erfahrung für Technologien der Zukunft mitbringt oder ein Handwerksgeselle bzw. –meister ist, hat weiterhin gute Chancen auf eine stringente Karriere. Ist der Stellenaufbau in absoluten Zahlen zwar gesunken, so haben sich die Stellenangebote in Handwerks- oder MINT-Berufen nicht reduziert, im Gegenteil!

Dennoch wird die Jobsuche generell schwieriger, als in der langen Phase der Hochkonjunktur zwischen den Jahren 2013 und 2018. Auch wenn in der Breite keine Entlassungswelle droht, sind die Angebote insbesondere im Hinblick auf neue Stellen dünner gesät. Im Vergleich zwischen den ersten Halbjahren 2018 und 2019 wurden 70.000 neue Stellen weniger geschaffen. Andererseits werden vor allem Helferstellen in der kränkelnden Logistik- und Exportbranche abgebaut und dank Automatisierung wohl auch nicht mehr in Gänze erneut aufgebaut, wenn das Konjunkturbarometer wieder nach oben zeigt.

 

Diese gegenwärtige Schwächephase dürfte bis ins neue Jahrzehnt anhalten. Neben der Lösung der zahlreichen weltpolitischen Probleme wird viel auch von der Robustheit der deutschen Binnenkonjunktur sowie der Entwicklung des Euroraumes abhängen.

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