Mittlerweile ist es allgemein bekannt, dass die gesetzliche Rente allein den gewohnten Lebensstandard auch nach dem Ende der Erwerbstätigkeit nicht voll gewährleisten kann. Dies gilt längst nicht mehr für die oberen und unteren 10%, sondern für jeden Arbeitnehmer in Deutschland. Daher ist zunächst wichtig in Erfahrung zu bringen, wie groß die eigene Versorgungslücke sein wird, damit man dann im zweiten Schritt entsprechend über private Sparpläne o.ä. aufstocken kann. Der Erwerb der Rentenpunkte ist aber eine Wissenschaft für sich, weshalb es eigentlich ratsam ist, sich Unterstützung einzuholen. Die Stiftung Warentest hat kürzlich eine Evaluation durchgeführt. Mit wenig schmeichelhaften Ergebnissen.

 

Die Rente ist sicher – aber nicht ihre Höhe!

Frei nach Norbert Blüm ist die Rente sicher (Wahlkampf 1987). Allerdings nicht ihre tatsächliche Höhe. Unabhängig von der aktuellen Diskussion über eine gesetzliche Mindestrente oder das spezifische Thema der Leistungsanspräche der Arbeitnehmer der ehem. DDR ist jeder Versicherte in unterschiedlicher Weise betroffen. Schließlich endet mit Erlass des Rentenbescheids für den Rest des Lebens jede Möglichkeit, seinen Rentenanspruch weiter zu erhöhen. Lediglich jene, die im Rahmen der sogenannten Flexi-Rente weiterarbeiten und so den Beginn der Auszahlungen hinauszögern, können noch geringfügig nachjustieren.

Idealerweise verfügt man mit Eintritt in den Lebensabend über mehrere Alterseinkünfte. Dies können vermietete Immobilien ebenso wie ein Produkt mit dem Aufdruck „Riester“ oder „Rürup“ sein. Glücklich schätzen können sich alle, die eine Betriebsrente aus der 2. Säule der Altersversicherung beziehen. Manche bauen noch auf ihre alten Lebensversicherungsverträge.

Wie dem aber auch sei, in den meisten Fällen ist die gesetzliche Rente die Haupteinnahmequelle für das Leben im Ruhestand. Die Berechnung dessen, was man dann tatsächlich monatlich zur Verfügung hat, wird aber durch den regelrechten Flickenteppich an zusätzlicher privater oder betrieblicher Vorsorge noch verkompliziert.

 

Kostenlose Beratung durch die Deutsche Rentenversicherung

Vater Staat, bzw. die Deutsche Rentenversicherung (DRV) als Gesamtnachfolgerin der ehemaligen Behörden BfA sowie der LVAen hat die vertrackte Lage viele Arbeitnehmer erkannt und bietet eine kostenlose Beratung für alle ihre Versicherten an. Ziel ist es dabei, dass Versicherte die Möglichkeit bekommen, ihr Gesamtrenteneinkommen nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben einzuschätzen und Auskünfte erhalten, wie sie darüber hinaus offenbarte Versorgungslücken schließen können. Analysiert werden dabei sowohl die gesetzlichen, als auch die privaten Rentenanwartschaften.

 

„Finanztest“ fühlt der Beratung auf den Zahn

Die Zeitung Finanztest wollte die Qualität dieser Beratungen herausfinden und bewerten. Von den bestehenden 163 Beratungsstellen wurden insgesamt 80 Beratungen dieser Untersuchung unterzogen. Dabei ist das Ergebnis mehr als dürftig. Keine der Beratungsstellen erhielt eine bessere Note als „ausreichend“ (Schulnote 4). Das ist enttäuschend, wenn man  bedenkt, dass die DRV mehr als 55 Millionen Versicherte betreut und das Thema nahezu Jeden angeht.

Die Probleme fingen bereits vielfach bei der Terminierung der Beratung an. Für einen Teil der 80 Testkunden war es schwierig, einen festen Termin zu vereinbaren. Fehlende Bestätigungen und lange Wartezeiten am Servicetelefon waren keine Seltenheit. Moderne Dienstleistung, die sich alle staatlichen Ämter mittlerweile auf die Fahnen schreiben, sieht anders aus. Beim Termin selbst erhielt die Beratung hinsichtlich der gesetzlichen Rentenansprüche immerhin die Teilnote 3 „befriedigend“. Das Klassenziel gewissermaßen nicht erreicht wurde aber bei Fragen zur Rentenlücke im Hinblick auf das Gesamteinkommen aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Vorsorge. Der wesentliche Teilbereich der Untersuchung „Lösen des Beratungsanliegens“ wurde daher mit „mangelhaft“ bewertet.

Nun ist es aber nicht ratsam für Rentenversicherte, dieses Angebot gar nicht zu nutzen. Allerdings sollte sich jeder im Vorfeld stichhaltige Fragen überlegen und diese entsprechend vortragen. Darauf zu warten, dass man gewissermaßen automatisch mit Informationen berieselt wird, ist der falsche Ansatz, wie diese Studie eindrucksvoll zeigt. Auch ist es wichtig, alle relevanten Unterlagen mitzubringen. Am besten fragt man diese nochmals genau bei der Terminvereinbarung ab, damit nichts zu Hause vergessen wird.

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