Ein wesentlicher Faktor bei der Schaffung neuer Arbeitsplatze bzw. deren Erhalt in den vergangenen Jahren sind inhaber- oder familiengeführte Unternehmen, vor allem im klassischen Mittelstand. Dabei geht es hier aber nicht um die ohnehin boomende  Handwerksbranche, wo seit Längerem händeringend Fachkräfte gesucht sind, sondern um namhafte Global Player.

Die größten 500 dieser in deutscher Familienhand befindlichen Unternehmen vergrößerten ihre Belegschaften in einem 10-Jahres-Zeitraum vom 2007 bis 2016 um fast ein Viertel. Ohne den Dämpfer während der Wirtschaftskrise 2009 wäre dieser Zuwachs wahrscheinlich noch größer ausgefallen. Auch die vergangenen beiden Jahre waren von einem weiteren Stellenaufbau geprägt. Trotz sich eintrübender Konjunkturaussichten 2019 geht der positive Trend weiter, wenn auch nicht mehr im großen Stil. Vor drei Jahren beschäftigten diese 500 Unternehmen und Verbünde fast 2,6 Millionen Menschen in Deutschland, Tendenz weiter steigend. Bemerkenswert ist, dass die 27 (von 30) im größten Aktienindex DAX gelisteten, nicht inhabergeführten Unternehmen bzw. Konzerne „nur“ rund 1,55 Millionen Menschen Arbeit geben.

Nicht nur an der Zunahme der Arbeitsplätze, auch an Hand des Ertragswachstums dieser Unternehmen ist deutlich zu erkennen, dass hier der Stabilitätsanker des Standorts Deutschland liegt. Denn auch beim Umsatzwachstum schlagen die Familienunternehmen die deutschen Konzerne mit reinem Streubesitz der Anteile mit 36 % zu 29 % in der jüngsten Erhebung. Insbesondere der Blick auf die Konjunkturdelle am Anfang dieses Jahrzehnts zeigt, dass man bei inhabergeführten Unternehmen auf nachhaltiges Wachstum setzt, zumal man nicht so quartalsergebnisgetrieben vorangehen muss, wie dies oft bei den Aktiengesellschaften im Streubesitz der Fall ist. Shareholder Value wird eben bei den Unternehmerfamilien nicht nur mit Ergebnisoptimierung gleichgesetzt. Was aber nicht heißen soll, dass man nicht gewinnorientiert arbeiten würde. Nur sind die Zeiträume für Meilensteine im Kreis der unternehmerisch engagierten Familien größer als bei den typischen Aktienkonzernen. Man achtet mehr auf Nachhaltigkeit der wirtschaftlichen Entwicklung und gerät so meist nicht in Versuchung, bei den ersten schwarzen Wolken am Konjunkturhorizont gleich Entlassungen in Betracht zu ziehen. Dies hat in der Vergangenheit auch regelmäßig dazu geführt, dass Massenarbeitslosigkeiten seit Gründung der Bundesrepublik vermieden werden konnten. Herausforderungen gab und gibt es zu genüge. Neben den normalen Zyklen des Auf und Ab sowohl der Binnen- als auch der Weltkonjunktur sind die Unternehmen allgemein mit dem Wandel der Industrie konfrontiert. Man spricht im Hinblick auf tiefgreifende Automatisierung und Digitalisierung bereits von der vierten industriellen Revolution. Hier sind entgegen der vielen Unkenrufe die deutschen Unternehmen und hier insbesondere der Mittelstand besser aufgestellt, als man vermuten möchte. Vom Verschlafen wichtiger Trends kann keine Rede sein, nur herrscht natürlich auch den Familienräten bzw. Stiftungsgemeinschaften teilweise Unsicherheit, wohin die Reise in der jeweiligen Branche hingeht. Ein Problem, vor dem aber alle Unternehmen, unabhängig von der Inhaberstruktur stehen. Das betrifft Große und Kleine gleichermaßen.

Die Analyse zeigt noch einen interessanten Aspekt auf: rund 86 % der deutschen Unternehmen werden von Inhabern geführt, insgesamt 90 % sind in Familienhand. Selbst im DAX befinden sich mit Beiersdorf, Henkel und Merck solche Unternehmen, die zumindest noch zum Großteil einer oder mehrerer Familien gehören.

Für die deutsche Politik wesentlich muss daher die Erhaltung eines positiven Umfelds für diese Unternehmen an oberster Stelle stehen. Leider führen übermäßige Regulierung, steigender Verwaltungsaufwand, relativ hohe Unternehmenssteuern im EU-Vergleich und unklare Subventionspolitik zu steigendem Unmut bei den Unternehmerinnen und Unternehmern. Bundeswirtschaftsminister Altmaier sah sich daher vor Ostern 2019 mit zahlreichen Vorwürfen konfrontiert. Insbesondere dessen Ideen zur „aktiven Industriepolitik“ mit dem Ziel der Schaffung europäischer und globaler Großverbünde stoßen weitgehend auf Ablehnung. Man solle nicht auf den chinesischen Zug aufspringen, weil die volkswirtschaftlichen Verhältnisse und Rahmenbedingungen nicht vergleichbar seien. Eine Planwirtschaft, wie von Peking immer noch weitgehend forciert, kann jedenfalls nicht die Lösung der anstehenden Herausforderungen sein. Besser, man besinnt sich auf die alten und erprobten Stärken, welche von der Politik an einigen Stellen sinnvoll flankiert werden sollten. An vorderster Stelle müssen dabei Deregulierung und eine Steuerreform sein, damit man die Positionen an den Weltmärkten halten kann und zudem für den laufenden Wandel gestärkt wird.

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