Halbzeit im laufenden Kalenderjahr. Das ist für viele Institute der Zeitpunkt um die Aussichten für die Beschäftigung in Deutschland für die zweite Jahreshälfte zu prognostizieren. Das „Barometer“ des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) lag in der jüngeren Vergangenheit meistens nah an der Realität.

 

Auf den ersten Blick sind die Aussichten leicht gedämpft. Grundlage dafür ist der Jobindikator, welcher im Mai 2016 um 0,1 Punkte leicht gefallen ist. Entscheidender dürfte aber sein, dass dieser Indikator mit 102,3 Punkten weiterhin klar im positiven Bereich liegt. Kritisch wird es bei Werten unter 100. Daher sind die Beschäftigungsaussichten für das restliche Jahr immer noch hervorragend und es steht zu vermuten, dass die Beschäftigungsaussichten hierzulande weiterhin optimal sind. Dazu passt übrigens auch, dass mittelständische Wirtschaftsverbände Mitte Juni angekündigt haben, noch in diesem Jahr mehr als 300.000 neue Jobs zu schaffen. Es lohnt sich grundsätzlich, sich diese Zahlenwerke genauer anzusehen:

 

Insbesondere die Teilkomponente für die Entwicklung der Arbeitslosigkeit lässt angesichts der prognostizierten Gesamtentwicklung auf den ersten Blick staunen. Hier liegt der Indikator nämlich mit 99,3 Punkten im neutralen bis leicht negativen Bereich, 0,1 Punkte niedriger als im April. Dies passt auch so gar nicht zu den monatlich durch die Bundesarbeitsagentur in Nürnberg gemeldeten Zahlen. Von dort heißt es seit geraumer Zeit, dass sich die saisonbereinigte Arbeitslosigkeit stets günstig entwickelt hat. Die Annahme einer leichten Zunahme hat auch etwas mit einem Erfolg an anderer Stelle zu tun. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) meldete nämlich jüngst, dass man sowohl die sogenannten Altfälle von vor August 2015, als auch die im Zuge der Grenzöffnungen im Herbst 2015 nach Deutschland gekommenen Asylanträge nun zeitnah endbearbeiten wird. Dies hat dann rechtlich zur Folge, dass anerkannte Asylanten und Geduldete erstmals eine Arbeit aufnehmen können und dies nach Möglichkeit auch sollen. Daher fließen diese Menschen erstmals in die Arbeitslosenstatistik ein, denn realistisch ist ein Großteil schon in Ermangelung von deutschen Sprachkenntnissen nicht sofort in den ersten Arbeitsmarkt vermittelbar. Nicht unerwähnt bleiben soll an dieser Stelle, dass von allen staatlichen Ebenen und vielfach auch auf private Initiativen hin zahlreiche Maßnahmen zur Integration auf den deutschen Arbeitsmarkt eingeleitet wurden und diese Angebote auch von einer Mehrheit der Migranten angenommen werden. Dennoch könnte daher die Arbeitslosigkeit im Laufe des Jahres ansteigen, obwohl die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung weiter wachsen wird. Das Paradoxon lässt sich aber wie beschrieben dadurch auflösen, als dass das Angebot auf Arbeitnehmerseite schneller steigt als das Arbeitsangebot. Mit einem Wachstum des BIP von ca. 2 % in diesem Jahr und den damit verbundenen Mehreinnahmen bei Fiskus und Sozialkassen sollte dieser Effekt aber mittelfristig zumindest finanziell zu bewältigen sein.

 

Anderseits trägt die unzweifelhaft hohe Einwanderung aber auch dazu bei, das die Beschäftigungsentwicklung in manchen Branchen steigt. Die Beschäftigungskomponente des IAB-Arbeitsmarktbarometers liegt mit 105,3 Punkten weit im positiven Bereich. Allerdings gab es gegenüber dem Vormonat einen Rückgang um 0,2 Punkte, seit Jahresbeginn sogar um 1,5 Punkte. Die außerordentlich starke Beschäftigungsentwicklung dürfte damit etwas gedämpft werden. Neben den Einwanderern beteiligten sich auch bereits hier lebende Frauen und Menschen der Alterskohorte  „Ü50“ stärker am Arbeitsmarkt. Dadurch trifft ein zusätzliches Angebot an Arbeitskräften auf einen stetig steigenden Fachkräftebedarf in zahlreichen Branchen und Berufsbildern. Schon lange wird vorhergesagt, dass die Zeiten der flächendeckenden Frühverrentungen vorbei sind. Unsere Volkswirtschaft kann es sich schlicht nicht leisten, auf die Kompetenzen und das Engagement der Älteren zu verzichten.

 

Wir sind gespannt, wie die Zahlen im Frühherbst aussehen werden. Einige Marktbeobachter rechnen mit einem erneuten Beschäftigungsrekord in Deutschland. Nicht unwahrscheinlich, dass die 44-Millionen-Marke zum Jahresende geknackt wird. Schon heute kann sich der Bundesfinanzminister über Mehreinnahmen für seinen Haushalt von ca. 6,5 % aufs Jahr gerechnet freuen (Stand 13.06.16). Dies resultiert neben den Konsum- und Unternehmenssteuern eben vor allem auf die Einnahmen bei der Lohn- und Einkommenssteuer der Arbeitnehmer und Selbstständigen in unserem Land.

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