Aktuell ist in deutschen Unternehmen der klassische Büroalltag noch Standard. Oftmals herrscht Anwesenheitspflicht, und es gibt immer noch Fälle, wo die Leistung über die im Büro verbrachte Zeit ermittelt wird. Telearbeit und die flexiblen Arbeitszeiten, die insbesondere gerne erwähnt werden wenn es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht, sind nach wie vor selten.

Nach und nach ändert sich aber das Bild. Auch wenn die Wirklichkeit noch hinterherhinkt, sieht die große Mehrheit an Managern und Personalleitern laut einer Umfrage die Telearbeit in Zukunft viel mehr Raum einnehmen als bisher.

Neben eingefahrenen Gewohnheiten, die eine schnelle Ausweitung des Home Office verhindern, gibt es natürlich auch eine Reihe handfester Nachteile. Synergien gehen verloren, wenn Mitarbeiter nicht mehr gemeinsam in einem Gebäude arbeiten, sondern Kilometer voneinander entfernt, nur durch Computer und Telefon miteinander verbunden.

Die Kommunikation im Allgemeinen wird komplizierter, der Austausch von Informationen somit verlangsamt und meist strikt auf das nötigste reduziert. Synergien gehen verloren wenn Mitarbeiter sich nicht mehr einfach und ungezwungen austauschen können. Es sind ja oft die auf den ersten Blick unbedeutenden informellen Gespräche, in denen neue Ideen entstehen. Der Schwatz an der Kaffeemaschine ist als Innovationsmotor nicht zu unterschätzen.

Auch empfinden viele Manager nach wie vor die fehlende Kontrolle als Nachteil, ebenso wie die nicht ständige Erreichbarkeit der Mitarbeiter – auch wenn dies durch Telefonumleitung und andere technische Hilfsmittel gut in den Griff zu bekommen ist.

Ohne Zweifel, der Ausbau der Telearbeit für die eigenen Mitarbeiter erfordert Vertrauen, aber dieses Vertrauen wird belohnt, denn selbstverständlich bringt sie auch einige Vorteile für das Unternehmen:

Meist wird sich das Home Office in einer vertrauten, ruhigen Umgebung befinden, in der sich der Mitarbeiter oft besser konzentrieren kann als in einem Büro, wo durch Telefon und Kollegen, es doch ständig zu größeren und kleineren Störungen kommt.

Auch die Befürchtung, der Mitarbeiter könnte während der Arbeitszeit auf der faulen Haut liegen, hat sich in der Praxis als unhaltbar erwiesen. Wie die Erfahrung zeigt, sind Mitarbeiter im Home Office produktiver sind und arbeiten im Endeffekt (auch durch die fehlenden Unterbrechungen) mehr als im Büro.

Außerdem wird die Flexibilität von den Mitarbeitern sehr geschätzt, ebenso wie die Zeitersparnis wenn man sich nicht durch den morgendlichen Pendelverkehr kämpfen muss. Hier kann es gut sein, dass das Angebot für Arbeit im Home Office den Ausschlag gibt, ob jemand bei einem Unternehmen unterschreibt und nicht ein anderes Angebot annimmt. Eventuell ist dabei sogar ein kleiner Verzicht im Gehalt möglich.

In der Praxis wird es fast immer Mischformen geben. Das komplett virtuelle Büro ist ebenso eine Illusion wie die Vorstellung, Mitarbeiter in der modernen Arbeitswelt täglich von 9 bis 17:00 an einen bestimmten Schreibtisch zu ketten. Selbstverständlich kommt es dabei auch auf den Arbeitsplatz selber an. Reine Schreibtischarbeit bietet sich für Telearbeit an, die eines Lagerarbeiters eher nicht. Zumindest teilweise eignen sich aber überraschend viele.

Aus Sicht der Beschäftigten ergibt sich ein ähnliches Bild. Die meisten schätzen die Flexibilität und insbesondere den Wegfall der Fahrzeit, ein Faktor der bei steigender Pendlerentfernung immer stärker ins Gewicht fällt.

Allerdings sind die notwendige Selbstdisziplin und Eigenmotivation nicht für jedermann, und insbesondere extrovertierten Menschen fehlt sehr schnell die direkte Anbindung ans Team, und das eingebunden sein in die Gemeinschaft, die ein Unternehmen ja darstellt.

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