Der technische Fortschritt sorgt seit jeher dafür, dass ganze Branchen immer wieder vor gewaltigen Veränderungen stehen und sich diesen stellen müssen. In der Automobilindustrie sind dies gegenwärtig Elektromobilität und digitale Vernetzung. Vor zwanzig Jahren noch als Utopien und Spielereien verspottet, gelangen immer mehr Bauteile zur Serienreife. Sogar das lange Zeit hemmende Problem der Energieeinspeisung und -speicherung bei Elektroantrieben könnte kurzfristig gelöst werden. Hieran arbeiten Fachspezialisten, deren Berufsbilder aus der Nische gekommen waren und nun aber die ganze Sparte umkrempeln.

 

Da die klassischen Antriebe mittels Benzin- und Dieseltreibstoffen parallel ebenfalls weiterentwickelt werden, sehen wir keinen Austausch der Beschäftigung, sondern einen kontinuierlichen Aufbau. Dies bringt mit sich, dass derzeit nach dem Einschnitt um das Jahr 2009 herum nun wieder so viele Menschen im Automotive arbeiten, wie vor 10 Jahren. Rund 785 000 Beschäftigte sind für mehrere hundert Betriebe in Deutschland tätig. Dies betrifft arbeitgeberseitig sowohl die namhaften Konzerne, als auch den klassischen Mittelstand sowie Spezialanbieter. Der Stellenaufbau im Jahr 2014 betrug knapp 4 %. Damit war die Automobilindustrie der Jobmotor schlechthin in einem eher durchwachsenen Wirtschaftsjahr.

 

Und diese Dynamik hält weiter an. Dies ist nicht verwunderlich, zumal die Unternehmen dieses Segments regelmäßig zu den gesuchten Top-Arbeitgebern zählen. Nicht nur bei inländischen Bewerbern, sondern auch bei Kandidaten aus dem Ausland. Daher kann man sich im Gegensatz zu anderen Branchen seine neuen Beschäftigten gut aussuchen, was für steigende Qualität und Rentabilität sowie Innovationskraft sorgt. Alles in allem die wesentlichen Wachstumsfaktoren neben der ungebremst starken Nachfrage nach Neufahrzeugen, insbesondere in den asiatischen und nordamerikanischen Märkten. Umgekehrt bieten diese Unternehmen ihren Mitarbeitern neben sehr guten Einkommen auch Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Schon vor geraumer Zeit waren v.a. die Konzerne ganz vorne bei der Entwicklung ausgeklügelter Auswahlprozesse, damit die besten Talente identifiziert und gewonnen werden können. Trotzdem ist die immer weitere Verschlankung auch der Fertigungsprozesse ein weiterhin großes Thema. Es werden zwar tendenziell weniger Beschäftigte bei trotzdem höherer Produktionsrate benötigt, diese müssen aber über immer tiefer gehende Qualifikationen verfügen. Dies macht es nicht leichter.

 

Anders bei Forschung und Entwicklung. Hier liegt die Ursache für das Jobwachstum, sprichwörtlich der Motor. Alleine beim Thema Elektromobilität werden Experten für Hochvolttechnik, Leichtbau oder auch Autoelektronik händeringend gesucht, während die entsprechenden Studiengänge noch jung sind, es somit erst wenige Absolventen gibt. Auch die Überschneidungen vor allem in den IT-Berufsfeldern bringt es mit sich, dass die Automobilbranche mit ganz anderen Segmenten in direkter Konkurrenz beim Recruitment steht. Außerdem erweitern die Autokonzerne ständig ihr Produktangebot in die Breite. Neben verschiedenen Fahrzeugbauarten variieren die Ausstattungsmerkmale so stark wie noch nie seit Erfindung des Automobils. Dies ist im Hinblick auf die preisliche Entwicklung nur mittels einer größtmöglichen Automatisierung machbar. Diese Entwicklungsarbeit für noch effizientere Produktionsmethoden findet erfreulicherweise hauptsächlich in Deutschland, also den Konzernzentralen der deutschen Hersteller statt; unabhängig davon, wo die Technologie auf der Welt später eingesetzt werden soll.

 

Die Produktion allerdings wurde schon vor geraumer Zeit dezentralisiert und findet daher meistens nah an den Absatzmärkten statt. Daher wird gewissermaßen auch das Jobwunder nach Asien, Südamerika und andere Schwellenlandregionen exportiert. Denn die Qualitätsversprechen von „Made in Germany“ gelten global gleich.

Interdisziplinäre Fachkräfte – jene Spezialisten also, die anders als die typischen Fachidioten komplex um die Ecke denken können, haben besonders große Chancen, am Wachstum auch persönlich teilhaben, bzw. davon profitieren zu können. Ein IT-Experte, der sich aber auch im Motorenbau auskennt, kann sich den Arbeitgeber aussuchen. Dies auch vor dem Hintergrund, dass die angewandte Mechanik bei den Markenfahrzeugen immer ähnlicher wird. Große Unterschiede können nur mehr über die Software/Elektronik erzeugt werden. Dazu kommt die verstärkte Anbindung der Wagen an das Internet und dies nicht nur für die Infotainmentprodukte.

 

Fahrzeuge sollen bald in der Lage sein, untereinander zu kommunizieren, aber auch mit Verkehrsschildern, Parkhäusern oder Ampeln Informationen austauschen. Schon bald werden vernetzte Wagen zu einem freien Parkplatz lotsen, sich auf Befehl selbst im Parkhaus abstellen oder vor dem Stauende in einer Kurve warnen. Das Ziel dabei ist es neben der Erhöhung der Fahrgastsicherheit eine entspanntere Fahrt mit nahezu selbstfahrenden Autos bei weiter steigendem Verkehrsaufkommen v.a. in Europa, Nordamerika und Süd-Ost-Asien.

 

Bewerber sollten aber nicht nur die großen Konzerne im Blick haben. Längst erfolgt die Entwicklung und Produktion der meisten Bauteile bei den Zulieferern. Auch jenseits der TIER-1 Unternehmen bieten kleinere Zulieferer interessante Möglichkeiten gerade auch für Hochschulabsolventen oder bei Lehrberufen.

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