Auch wenn das Geschlechterverhältnis vor allem auf den Führungsetagen noch lange nicht ausgeglichen ist, erreichen immer mehr gut ausgebildete Frauen Führungspositionen, auch in klassischen Industriebranchen oder auch in den Kammerberufen als Rechtsanwältinnen, Steuerberaterinnen etc. Meistens tun sich Frauen aber schwerer mit dem Erklimmen der Karriereleiter, oder es dauert wesentlich länger. Vielfach ist dies auf weibliche Zurückhaltung zurückzuführen. Wer darauf wartet, „entdeckt“ zu werden, wird von meist männlichen Kollegen mit gleicher oder sogar geringerer Qualifikation nicht selten überholt. Dass Männer eine aktive Vernetzung für den Karriereturbo pflegen, ist kein Geheimnis mehr. Erfahrungen zeigen aber, dass Frauen, die diese Methode adaptieren, damit ebenso Erfolg haben. Gemeinsam erreicht man eben mehr als alleine.

 

Wesentlich für erfolgreiches Networking scheint aber dennoch zu sein, dass die Frauen unter sich bleiben. Denn in diesem Umfeld fällt es frau eben leichter, sich im Selfmarketing und im Knüpfen neuer Kontakte zu üben. So gibt es in vielen größeren Städten teils bereits auf der Hochschulebene regelmäßige Frauen-Foren statt. Diese dienen nicht nur dem gegenseitigen Kennenlernen, sondern sollen im Rahmen eines Coachings auch Hilfestellung für die geschicktere Eigenvermarktung geben. Der Nachholbedarf bei Frauen ist nachwievor enorm. Noch immer werden Kinder ihrem angeborenen Geschlecht entsprechend sozialisiert. Während Buben sich schon früh im „Wettbewerb“ mit anderen Jungs messen und dies von den Eltern, nicht selten speziell von den Müttern, gefördert wird, erwartet man von den Töchtern das typische brav sein. Das Bild wandelt sich langsam, hat aber natürlich jene Generationen, die in den 1980ern und 1990ern Kinder waren, seinerzeit nicht erreicht. Dies ist ein Nachteil im Karrierewettbewerb. Eine Frau, die nicht auffallen oder anecken will, sammelt im Team sicherlich viele Beliebtheitspunkte, wird sich aber bei frei werdenden Führungspositionen nicht durchsetzen können. Die männliche Konkurrenz wendet dabei ihre sozial erlernten Methoden an, frau gibt dann meistens auf oder versucht es gar nicht erst, eine begehrte Managementaufgabe zu erlangen. Ein Dilemma, das sich unabhängig von diesem Thema auch bei Gehaltsverhandlungen widerspiegelt und oft als ein wesentlicher Grund für das Gender-Pay-Gap angeführt wird.

 

Workshops oder auch genossenschaftlich organisierte Vereine, wie die seit mehr als 30 Jahren gegründete „WeiberWirtschaft“ in Berlin bringen Frauen mit beruflichen Ambitionen zusammen und so sucht man gemeinsam nach praktikablen Lösungen und Techniken. Natürlich ist auch die Korrelation zwischen Karriere- und Kinderwunsch ein großes Thema. Gerade für Unternehmerinnen in der Anfangsphase, das heißt in jenen Jahren, in denen eine Frau meist auch Mutter werden kann und will, ist der Spagat nicht einfach. Wenn man dann noch in einer männlich dominierten Branche tätig ist und einem daher wenig bis kein Verständnis für Frauenspezifika entgegenschlägt, wird es sehr schwierig. Hier setzen diese Initiativen an. Getreu dem Motto der Musketiere „Eine(r) für alle – alle für eine(n)“ gibt man sich gegenseitig Unterstützung und bewältigt Herausforderungen gemeinsam.

 

Dabei wollen sich diese Frauennetzwerke nicht vollständig abgrenzen. Es geht nicht gegen Männer an sich, die allgemeinen, auf fachliche Themen fokussierten Netzwerke sind richtig und wichtig. Je breiter man vernetzt ist, umso besser für das eigene berufliche Fortkommen. Aber in den rein weiblichen Communities können Frauen lernen, untereinander solidarisch zu sein. Dies ist ein laufender, nicht endender Prozess und dies generationenübergreifend.

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