Noch vor wenigen Wochen äußerten Arbeitsmarktexperten ihre Befürchtung, dass die drohende globale Konjunkturabkühlung auch die Lage auf den Arbeitsmärkten vor allem in Südeuropa verschärfen könnte, ohne dass die vorherige Krise bereits ausgestanden wäre. Aktuelle Zahlen aus der ersten Jahreshälfte 2019 zeigen aber ein anderes Bild. Der Abbau der Arbeitslosigkeit, vor allem auch bei den jungen Erwachsenen, schreitet verstetigt voran. Und dies nicht nur in starken Volkswirtschaften wie Deutschland, sondern auch an der sogenannten Euro-Peripherie am Mittelmeer und Atlantik.

Wie geht es den Krisenstaaten?

In Griechenland beispielsweise ist die Quote auf unter 20 % gesunken. Damit bleibt die Lage zwar objektiv immer noch desolat, wenn man aber bedenkt, dass auf dem Höhepunkt der sogenannten Eurokrise vor 5 Jahren mehr als ein Drittel der arbeitsfähigen Griechen keinen Job hatten, ist dies eine Verbesserung. Auch Portugal kann mit rund 6 % Erwerbslosenquote wieder an die Zeiten vor den Rettungsschirmen anknüpfen. Dazu passt auch, dass dieses Land seit geraumer Zeit seine Schulden gegenüber den EZB-Konstrukten ESMF und ESM langsam aber sicher tilgt. Sorgenkinder in verschiedener Weise sind Spanien und Frankreich. Während die Iberer auch wegen dauernder Regierungskrisen und Neuwahlen keine griffige Gegenstrategie bisher entwickeln konnten, kommen die von Präsident Macron in Frankreich angekündigten tiefgreifenden Reformen nicht voran. Bezeichnend dafür sind Straßenproteste der sogenannten Gelbwesten sowie der immer noch starken Gewerkschaften.

Arbeitszeitkonten werden sukzessive abgebaut

Der Umstand, dass in allen 19 Euro-Ländern die jeweilige Arbeitslosenquote durch die Bank auf den tiefsten Stand seit August 2018 (also vor der Lehmanpleite) zurückgegangen ist, darf aber nicht über einen kritischen Frühindikator hinwegtäuschen. Die gemessenen und teils stark gesunkenen Werte zur Mehrarbeit deuten vor allem in den starken Wirtschaftsstandorten wie Deutschland, BeNeLux und Österreich darauf hin, dass sich das Konjunkturbarometer abkühlt. Weil in den letzten Jahren flächendeckend die Arbeitszeit- und Urlaubskonten aufgebaut wurden, führt der nun seit einem Jahr zu beobachtende sukzessive Abbau dieser „Guthaben“ zwar nicht zu Entlassungen. Im Gegenteil investieren viele Branchen weiterhin neue Jobs, aber die Dynamik hat deutlich nachgelassen.

Vielfach branchenspezifischer Handlungsbedarf

Jene Branchen, die in letzter Zeit selbstverschuldet oder angesichts des industriellen Wandels bereits in schweres Fahrwasser geraten sind, denken bereits laut über größeren Stellenabbau nach. Die Frage wird zu beantworten sein, ob dies sozialverträglich mittels Auslaufen von Beschäftigungsverhältnissen durch Verrentung, freiwilliger Aufhebung oder Nichtverlängerung von Zeitverträgen zu bewerkstelligen sein wird.

Mit Blick auf die eher schwächeren Euroländer besteht auch die Gefahr, dass das zarte Pflänzchen des mittlerweile nachhaltigen Beschäftigungsaufbaus nicht wieder erdrückt wird.

Kann ein solidarischer Krisenfonds der EU vorbeugen?

Das Ungleichgewicht im Euroraum besteht weiterhin, weshalb verschiedene Institute erneut die Idee eines EU-Krisenfonds aufgreifen.

Je nach Fortgang der Konjunktur könnten sich vor allem im Süden und Westen der EU die alten Probleme weitgehend wiederholen. Ein Konzept jenseits der Rettung von Privatbanken durch die EZB und den IMF gibt es bis heute nicht.  Dass sich der Konjunkturmotor bereits langsamer dreht, ist bereits messbar. Verschiedene Institutionen gegen für Deutschland noch von einem Jahreswachstum mit nur 0,5 % aus, für Österreich ermittelt man im Schnitt 1,1 %, für die gesamte Eurozone 1,7 %, wobei dieser Durchschnittswert nicht repräsentativ ist. Zu unterschiedlich sind die Basisbedingungen der einzelnen Länder. Hier soll ein Hilfsfonds der EU helfen um Verwerfungen abzufedern. Die Frage ist nur, ob die EU momentan in der Lage ist, sich mit dem Thema zu befassen, nachdem die EU-Parlamentswahlen kein eindeutiges Ergebnis erbracht haben und die genaue Zusammensetzung der EU-Kommission, die für ein solches Vorhaben zuständig wäre, wohl erst im Spätherbst 2019 klar sein dürfte.

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