Jeder trifft tagtäglich unzählige Entscheidungen. Die meisten davon sind klein und unbewusst, wie die Frage welcher Socken nun zuerst angezogen wird, oder welches Müsli heute zum Frühstück vertilgt wird. Aber es gibt auch größere, wie die Frage, ob man den Job wechselt oder eben nicht. Ohne die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen, wären der Alltag schlicht nicht zu bewältigen.

Während die schlimmste Folge einer Unfähigkeit, sich zwischen Cappuccino und Latte Macchiato zu entscheiden der Unmut der hinter einem in der Schlange wartenden sein dürfte, kann das Verschleppen oder vielleicht ganz vermeiden von Entscheidungen im Berufsleben viel Geld und Ansehen kosten.

Es gibt mehrere Gründe, weshalb die sog. Entscheidungsparalyse eintreten kann:

Unklare Zielsetzung

Man will jetzt auch ein Auto kaufen, auch wenn man im Moment noch nicht so genau weiß, wie es letztendlich verwendet würde. Wie viele Sitze muss das Ding haben, würde meist in der Stadt gefahren, oder eher Autobahn, würde viel Gepäck und andere Lasten transportiert, und wie oft würde ganz allgemein gefahren werden? Wer keine halbwegs solide Vorstellung hat, wie die Nutzung nach dem Kauf in etwa aussehen wird, wird es schwer haben, sich zumindest für eine Fahrzeugklasse zu entscheiden, ob nun SUV, Kleinbus, Kombi, oder anderes. Letztendlich ist man dann mit der Wahl zwischen allen verfügbaren Modellen jeder Marke konfrontiert, von den verschiedenen Ausstattungen mal ganz zu schweigen. Dass es dann ziemlich unmöglich wird, den „richtigen“ auszuwählen ist in diesem Beispiel wohl leicht einsichtig.

Die offensichtliche Strategie, um dieses Problem zu vermeiden ist, sich im Vorfeld bereits Gedanken zu machen, was nun wofür gebraucht wird, bevor man sich die möglichen Alternativen ansieht.

Keine oder nur geringe Unterschiege zwischen den Optionen

Dies ist ein Aspekt, auf den man auf den ersten Blick nicht viel Einfluss hat. Wenn alle im Voraus festgelegten  Kriterien von den einzelnen Optionen gleich gut erfüllt werden, kann man entweder den Zufall entscheiden lassen, oder sekundäre Merkmale heranziehen. Wenn also nun die Palette angebotenen Käses im Supermarkt auf dieselbe Weise mit Milch von glücklichen Kühen und auch sonst und mit identischen Zutaten hergestellt ist, ist es durchaus in Ordnung einfach den mit der Verpackung in der Lieblingsfarbe der Tochter zu wählen. Oder eben die Augen zu schließen und den zu nehmen der gerade in Reichweite liegt.

Der Kern der Aussage: Man sollte nicht Energie darauf verschwenden, weitere Unterscheidungsmerkmale zu suche, die sowieso nicht wichtig sind.

Zu viele Optionen

Wir denken im Allgemeinen, dass mehr Wahlmöglichkeiten zu mehr Zufriedenheit führen. Solange die Anzahl der Alternativen gering ist, trifft das auch zu.  Verschiedene Studien haben allerdings ergeben, dass sich der Effekt mit steigender Auswahl irgendwann umkehrt. Menschen, die mit einer großen Masse an Wahlmöglichkeiten konfrontiert werden neigen dazu, fast genauso unzufrieden mit ihrer Wahl zu sein wie jene, die gar keine Auswahl hatten. Einfach ausgedrückt, fangen sie an darüber zu grübeln, was für tolle Möglichkeiten Ihnen durch die Lappen ging, als sie sich für die gewählte Option entschieden haben.

Zu viele Informationen

Es gibt eigentlich von allem einen Punkt wo „zu viel des guten” erreicht ist. Einige aussagekräftige Eigenschaften, die es erlauben verschiedene Optionen zu vergleichen, sind hilfreich. Besonders wenn es um technische Details geht, sind viele Menschen mit der Bewertung aber schnell überfordert. Wer weiß denn wirklich ob das neueste Techspielzeug mit dem „Dreifachen Kompendiator“  dem mit dem „Doppelten Potenziator“ nun wirklich überlegen ist? Oftmals hilft da nicht einmal ausgiebiger Research, da viele solche Begriffe Markeneigenes Jargon  und damit nicht direkt vergleichbar sind. Das Ergebnis ist häufig genug die Kapitulation, wo dann eben keine Entscheidung getroffen wird, um eine potenziell falsche zu vermeiden.

Perfektionismus

Dieser Punkt hat so ziemlich den größten Einfluss, wobei die anderen genannten Gründe diesen meist schlicht verstärken: der Wunsch, die eine perfekte Entscheidung zu treffen, auch wenn die perfekte Lösung vielleicht gar nicht gibt. Es gibt nicht DAS beste Auto, nur das im Moment am besten geeignete, Abhängig von der Person, den Ansprüchen und Vorlieben, dem Budget, und anderen Einflüssen. Und die verändern sich oft. Der Kleinbus, der wie ein Geschenk der Götter wirkt wenn die Kinder samt Freunden zum Park gefahren werden müssen erscheint vielleicht gleich weniger so, wenn es an die Parkplatzsuche geht. Nun ist es unwahrscheinlich dass jemand die angebotenen Modelle links liegen lässt auf der Suche nach einem zusammenklappbaren kleinen Auto mit zehn sitzen, dem bei Stau Flügel wachsen, aber oftmals, natürlich in anderen Zusammenhängen, wenn der Fall weniger offensichtlich ist, passiert genau das.

Was kann man tun?

Falls Sie sich ein einer der oben genannten Szenarien wiedererkannt haben wissen Sie bereits, dass man da etwas getan werden sollte. Nur etwas bewusste Disziplin im Entscheidungsprozess kann die diese Probleme vermeiden:

Bedarf Analysieren ..

Machen Sie eine Liste der notwendigen Eigenschaften, und eventuell noch eine separate mit den wünschenswerten. Etwas Research ist an dieser Stelle in Ordnung, um im Rahmen des Möglichen zu bleiben, aber es sollte sich in engen Grenzen halten.

Suche starten..

.. und beenden sobald die Lösung oder das Produkt gefunden wurde, das den vorgegebenen Eigenschaften entspricht.

Wirklich, bitte nicht mehr umsehen! Sie haben Ihre Lösung und allen Grund, damit zufrieden zu sein.

Hören Sie jetzt endlich auf „kurz nachzusehen“, was die anderen Modelle so zu bieten haben? Es tut auch nichts zur Sache, dass jetzt eine besondere Aktion mit Preisnachlässen läuft. Vielleicht schafft das neuere Modell sogar 200 km/h statt Ihrer 180 km/h, aber nachdem es nur für Innenstadtverkehr verwendet wird, macht es doch keinen Unterschied.

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