Viel wird über Künstliche Intelligenz und weitergehende Automatisierung gesprochen. Manche Debattenteilnehmer malen diesbezüglich düstere Zukunftsprognosen für die Arbeitnehmer. Angeblich werden diese Trends zu Massenarbeitslosigkeit führen. Aber auch Gegenteiliges kann man vernehmen, zumal die Arbeitswelt mit Beginn der Industrialisierung einem stetigen Wandel unterliegt, dies ist also nichts grundsätzlich Neues. Richtig ist, dass einige Berufe sukzessive verschwinden. Ende 2018 wurde die letzte Steinkohlezeche in Deutschland im Beisein des Bundespräsidenten und zahlreicher anderer Prominenter geschlossen. Hier ging eine Ära zu Ende, gleichzeitig entsteht aber viel Neues.

Tatsache ist auch, dass die Unternehmer für ihre Produkte und Dienstleistungen Abnehmer benötigen. Am Ende stehen immer die Verbraucher und diese benötigen Einkommen, damit sie kaufen können. Wir werden einen Blick auf neue oder aufgewertete Berufsbilder, die Zukunft haben. Eine kleine Auswahl:

Customer Experience Manager

Längst vorbei sind die Zeiten des Tante-Emma-Ladens um die Ecke und angesichts der Produktvielfalt reicht es auch längst nicht mehr, nur mit Schnäppchen die Kunden in die Läden bzw. Onlineshops zu locken. Hier setzt das Berufsbild des Customer Experience Managers an. Als ein Zwitterberuf zwischen Vertrieb und Marketing befasst er sich mit der Analyse und Optimierung des Kauferlebnisses sowohl von „analogen“ Geschäften als auch von Online-Shops. Hierzu führt er Kundenbefragungen durch, entwickelt innovative Shop-Konzepte und trägt so im Idealfall zur Steigerung der Verkaufszahlen bei. Ein Customer Experience Manager kann mit ca. 47.500 Euro Jahreseinkommen rechnen.

Nicht neu, aber sehr gefragt: der Elektroniker

Fachkräftemangel im Handwerk und Industrie sind längst keine Breaking News mehr. Insbesondere aber der vielseitige Beruf des Elektronikers kann zu den Zukunftsfesten hierzulande gezählt werden. Besonders hier fehlt es an Nachwuchs, wie auch die jährlich offengelegten Ausbildungsstatistiken belegen. Die Auftragsbücher der Betriebe in diesem Umfeld füllen sich stetig, Termine sind oft erst Monate später zu haben, wenn überhaupt. Diese Verknappung führt zudem zu einer stetigen Verteuerung des Angebots. Im Schnitt erzielt ein Elektroniker mit qualifiziertem Abschluss und laufender Weiterbildung 41.600 Euro jährlich.

Neuer Ausbildungsberuf: Kaufmann im E-Commerce

Die schon erwähnten Online-Shops wachsen kontinuierlich, dank neuer IT-Techniken steigen die Möglichkeiten und auch die Benutzerfreundlichkeit rasant. Zwischenzeitlich werden hunderte Milliarden Dollar jährlich durch Onlineeinzelhandel belegt. Der reichste Mann der Welt ist der Gründer der Internetplattform „Amazon“, der Inhaber der chinesischen Variante „Alibaba“ holt stetig auf. Neben klassischen Informatikern wird weiteres spezifisch qualifiziertes Personal dringend gesucht und mittlerweile durch die IHK im Rahmen des dualen Systems auch ausgebildet. Die Nachfrage nach diesem neuen Angebot ist groß: zum September 2018 haben bundesweit 1.400 junge Leute mit dieser Ausbildung begonnen. Mittlere Reife oder Abitur werden vorausgesetzt. Einmal ausgelernt, wird der neue Kaufmann mit ca. 32.500 Euro ins Berufsleben starten können.

Unterstützung für Ärzte: der Physician Assistant (PA)

Immer mehr Papierkram, aber auch klassische Managementprozesse bestimmen den beruflichen Alltag von Ärzten. Der klassische „Onkel Doktor“ ist längst Geschichte. Unabhängig davon, dass das Medizinstudium, wenn nur rudimentär organisatorische Fachkenntnisse vermittelt, klagen Ärzte zu Recht darüber, dass sie ihrer eigentlichen Aufgabe, Menschen zu heilen oder gesund zu erhalten, immer schwieriger nachkommen können. Nachtschichten am Schreibtisch, Überforderung und Ausgebranntheit sind oftmals die Folge. Zu leiden haben Mediziner und Patienten darunter gleichermaßen. Physician Assistants (PA) sollen hier wirksame Abhilfe schaffen, denn diese müssen komplexe Dokumentations- und Managementprozesse sowie organisatorische Verfahren begleiten, können diese aber auch im Auftrag der ärztlichen Leitung mit entwickeln. Dies wird vor allem im immer mehr kostengetriebenen Klinikbetrieb stärker nachgefragt. Die Einkommen sind schon auf Grund der akuten Nachfrage im gesamten Gesundheitssystem ansehnlich. So können PAs mit ca. 55.000 Euro pro Jahr rechnen.

Am Anfang der KI steht der Mensch: Entwickler für künstliche Intelligenz (KI)

Klar sind hier zwei Dinge: die KI wird sich durchsetzen und das Leben maßgeblich beeinflussen. Dies wird aber nicht so bald umfassend geschehen, das Thema steht noch ganz am Anfang. Bevor Maschinen den Menschen auf diese Weise dienlich sein können, müssen zunächst Wege gefunden werden, wie das humane Wissen und aber auch Tätigkeitsabläufe für Maschinen kompatibel und dann im letzten Schritt in der Praxis umsetzbar gemacht werden können. Schon Berufsanfänger beginnen mit gut 60.000 Euro pro Jahr Gehalt, die Steigerungen hängen von der allgemeinen Entwicklung und Nachfrage ab. Es sollte aber auf Sicht nicht wundern, wenn diese Spezialisten in Einkommenssphären von mittelständischen Geschäftsführern vorstoßen werden.

3D-Druck-Experte

Ebenso wie die KI ist der 3D-Druck eine epochale Innovation. Komplizierte Objekte können bei richtig angewandter Technik und entsprechender Materialien relativ einfach reproduziert werden. Was mit Kaffeetassen im letzten Jahrzehnt begann, hat sich mittlerweile zu kleinen Häusern weiterentwickelt. Diese können als Massenprodukt zum Beispiel die Lebensqualität der Menschen in den Slums und Favelas der dritten Welt maßgeblich zu relativ geringen Kosten verbessern. Aber auch und gerade in den Industrienationen ergeben sich Einsatzbereiche in Hülle und Fülle, beinahe grenzenlos. Wer hier entsprechende Qualifikation und Innovationskraft vorweisen kann, steigt mir rund 52.000 Euro ein, Tendenz auch hier stark ansteigend, vor allem im medizintechnischen Bereich im Hinblick auf Prothesen und „Organdesign“.

Spezialisten für Datenschutz

Zu den großen Ärgernissen des letzten Jahres gehört vor allem für viele kleine und mittlere Unternehmen die Europäische Datenschutzgrundverordnung (EU-DSGVO), Diese hat aber aufgezeigt, welche Bedeutung der Schutz der persönlichen Daten in einer grenzenlosen Internetwelt mittlerweile hat. Ungeachtet der Wichtigkeit ist der damit verbundene Aufwand mit steigender Tendenz enorm. Nicht selten entschließen sich Entscheider in den Unternehmen dazu, die Stelle des Datenschutzbeauftragten in Vollzeit auszuschreiben. Zu hoch ist das Risiko einer existenzbedrohenden Ordnungsstrafe oder eines zivilrechtlich erstrittenen Schadensersatzes. Die Zeiten, in denen der IT-Administrator den Datenschutz nebenbei mitverantworten konnte, sind spätestens seit 2018 vorbei. Fachkräfte mit einschlägiger technischer wie juristischer Expertise können gut und gerne 46.000 Euro pro Jahr verdienen.

Kryptologen

Zum weiten Feld des Datenschutzes in Netzwerken und im Internet gehört die valide Verschlüsselung von Passwörtern, PINs oder Kreditkarteninformationen, um nur einige gegehrte Informationen zu nennen, die von den lautlosen Cyberkriminellen heiß begehrt werden. Bei diesem Berufsbild geht es nicht nur darum, sichere Zugangsdaten zu generieren, sondern auch um eine möglichst lückenlose Verfolgung der Datenströme und deren Verschlüsselung End-to-End. Ein endloser Wettlauf zwischen Gut und Böse. Meist kommen Mathematiker mit umfangreichen IT-Kenntnissen zum Einsatz. Der Mangel an geeignetem Personal treibt dementsprechend auch die Gehälter nach oben. Mit ca. 75.000,00 pro Jahr kann ein Spezialist rechnen. Auch sind signifikante Gehaltssteigerungen erwartbar.

Zudem werden noch viele weitere neue Berufsbilder entstehen. Die Arbeit wird dem Menschen nicht ausgehen. Allerdings ist auch klar, dass sogenannte Anlernjobs immer seltener angeboten werden. Der Trend zeigt in die Richtung, dass alle einfachen Tätigkeiten schon aus Kostengründen sukzessive an Maschinen übertragen werden.

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