Alte Hasen oder altes Eisen? Viel wird über den Einsatz sogenannter älterer Arbeitnehmer diskutiert, vor allem seitdem klar ist, dass sich die Lebensarbeitszeit im Hinblick auf das Rentenniveau verlängern muss. Aber wie es sieht es mit den Verdienstmöglichkeiten aus?

Wenig überraschend entscheidet bei dieser Frage ganz wesentlich der konkrete Bildungsabschluss und ob eine Führungsposition bekleidet wird. Im letzteren Fall zählt die Berufserfahrung ganz wesentlich bei der Erzielung eines entsprechenden Einkommens.

Generell auf das gesamte Erwerbsleben gerechnet verdient ein Akademiker im Schnitt ca. 1,25 Millionen Euro mehr als ein Arbeitnehmer, der angelernte Tätigkeiten verrichtet. Diese Schere wird nicht nur nicht zusammengehen, sondern vielmehr größer werden. Dabei ist es auch egal, dass Arbeitnehmer mit niedriger Qualifikation im Schnitt sieben Jahre länger arbeiten als Studierte. Entscheidend ist hier der schul- und studienbedingte spätere Start ins Berufsleben bei den Hochqualifizierten. Wobei auf Grund des achtstufigen Gymnasiums sowie der Zweiteilung der Studienabschlüsse in Bachelor und Master seit einigen Jahren den Berufsstart für die High Potentials um etliche Jahre nach vorne verlagert. Dies betrifft aber die jetzige Alterskohorte von 50 bis 65 Lebensjahren noch nicht und muss daher für die spezifische Betrachtung nicht berücksichtigt werden. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) bietet an Hand der jüngsten Studie zum Thema aber andere interessante Erkenntnisse.

Vor allem im letzten Drittel der Erwerbsbiographie können Berufstätige oftmals erfolgreich die Früchte von Studium, Aus- und Fortbildungen ernten. Dies gilt insbesondere dann, wenn relativ zeitig eine Führungsposition erlangt wurde. Die Basis für die Studie stellen Datensätze von knapp 35.000 Arbeitnehmern über 50 Jahre dar. Eine Führungskraft mit Hochschulabschluss erzielt demnach rund 126.000 Euro Bruttogehalt pro Jahr, fehlt die Personalverantwortung, so reduziert sich das Durchschnittseinkommen aber um fast die Hälfte auf knapp68.780 Euro p.a. Diese Durchschnittswerte quer durch alle Branchen und Art der Qualifikationen sind dennoch beachtlich, auch wenn die Datenbasis nicht ganz repräsentativ im wissenschaftlichen Sinn ist. Dennoch gewährt die Statistik einen guten Einblick.

An erster Stelle bei den am besten vergüteten Berufen steht nach wie vor ein alter Bekannter: der niedergelassene Arzt. Als Inhaber einer eigenen Praxis verdient dieser durchschnittlich fast 200.000 Euro pro Jahr. Dies bezieht sich auf sein eigenes kalkulatorisches Einkommen, die Kosten für den Praxisbetrieb einschließlich Personal und Gerätschaften sind hiervon bereits abgezogen. Dicht gefolgt wird der Unternehmensberater auf den zweiten Rang mit mehr als 185.000 Euro pro Jahr genannt. Geschäftsführer mit ca. 160.000 Euro, Vertriebsleiter mit rund 140.000 Euro und Kaufmännische Leiter mit immerhin noch rund 136.000 Euro Durchschnittsbruttoeinkommen bilden zusammen mit den beiden Spitzenreitern die Top-5.

Abseits der Führungskräfte stehen Spezialisten im Bereich Business Development an der Spitze derer, die keine Personalverantwortung tragen. Hier wurde ein Durchschnittsverdienst von ca. 105.000 Euro pro Jahr errechnet. Immerhin nach nahe an der “Schallmauer” zum sechsstelligen Einkommen befinden sich in dieser Rangfolge Experten im Bereich der technischen Forschung und Entwicklung mit mehr als 90.000 Euro Jahresverdienst. IT-Berater liegen nur ganz knapp dahinter auf dem dritten Platz. Die Plätze 4 und 5 belegen Produktmanager als z.B. Ingenieure im Vertrieb sowie angestellte Fachärzte in Kliniken. Selten, dass jemand in diesen Berufsgruppen unter 85.000 Euro pro Jahr verdient. Bemerkenswert beim Vergleich mit den Führungskräften ist aber, dass über das ganze Berufsleben betrachtet die möglichen und üblichen Gehaltssteigerungen im Vergleich zu den Einstiegsgehältern nicht in dem Maße ausgeprägt sind. Der Hebel ist also ganz klar die Personalführung sowie Budgetverantwortung. Dies wird auch beim Vergleich im nichtakademischen Bereich sehr deutlich: Führungskräfte ohne Hochschulabschluss verdienen im Alter ab 50 Lebensjahren durchschnittlich etwas mehr als die genannten Vertriebsingenieure oder Fachärzte. Zudem wird durch diese Führungskräfte im Mittel mehr als doppelt so viel verdient, als dies den meisten Spezialisten ohne Führungsverantwortung und zugleich ohne akademischen Hintergrund möglich ist. Letztere kommen laut der Untersuchung jährlich nur auf etwas mehr als 40.000 Euro.

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