Kaum ein technisches Thema wird im Autoland Deutschland seit einigen Monaten so intensiv wie kontrovers diskutiert wie der Wandel beim Antrieb von Kraftfahrzeugen aller Art. Besonderes Augenmerk liegt dabei wenig überraschenderweise auf dem Personenkraftwagen als des „Deutschen liebstes Kind“.

 

Dabei ist es schwierig, sachliche Argumente aus einer äußerst emotional geführten Debatte herauszufiltern. Hinzu kommt, dass insbesondere die deutschen Autobauer, welche zusammen mit der dazugehörigen Zulieferer- und Entwicklerkette zu den Stützen der deutschen Industrie gehören, bis vor Kurzem von diesem Thema zumindest offiziell wenig wissen wollten und stattdessen Jahr für Jahr auf den großen Messen dem Kundengeschmack entsprechend SUVs und andere große Fahrzeuge mit wenig schmeichelhaftem Kraftstoffverbrauch präsentiert wurden. Zumindest kurzfristig gegen die Verkaufszahlen bei Neuwagen den Herstellern auch Recht. Wenig deutet hierzulande auf den Beginn der vierten verkehrlichen Revolution hin. Seit einigen Monaten kommt aber spürbar Bewegung in die Sache. Entrepreneure wie Elon Musk aus den USA mit seinem Unternehmen „TESLA“ werden von den Granden der traditionsreichen PKW-Marken nicht mehr belächelt, sondern zunehmend als ernsthafte Konkurrenten auf dem weitgehend gesättigten Automobilmarkt der westlichen Industrienationen wahrgenommen. Auch die Politik stellt nun öffentlichkeitswirksam die Weichen für einen sukzessiven Umstieg auf Elektroautos. Vor kurzem wurde sogar mit dem Jahr 2030 ein Endtermin für die Neuzulassung von Kfz mit herkömmlichem Verbrennungsmotor ausgegeben. Ob dies angesichts der starken Lobbys sowohl der Autohersteller, als auch der öl- und gasexportierenden Länder und deren multilateraler Organisationen realistisch sind, wird sich zeigen. Dennoch ist dies ein starkes Signal an die ganze Mobilitätsbranche, nun den Umstieg von Benzin und Diesel auf Elektroantrieb zu forcieren.

 

Zunächst ist es aber nötig, Blockaden in den Köpfen aller Markteilnehmer zu lösen. Über die Jahre hat sich ein ganzes Bündel an Legenden zu diesem wegweisenden Thema gesponnen. Hier muss erstmal Klarheit geschaffen werden:

 

Beispiel: Diskussion um den Schadstoffausstoß

Es ist nach mittlerweile drei großen Klimakonferenzen der UNO eine allgemein anerkannte Tatsache, dass wir zur Bewahrung einer für Mensch, Flora und Fauna lebenswerten Erde die Klimaerwärmung bremsen müssen und dazu die Reduktion der Schademissionen deutlich und rasch ausfallen muss. Die Mobilität unabhängig vom Verkehrsmittel ist weltweit zu 14% am Schadstoffausstoß durch den Menschen verantwortlich. Die teils unabhängig davon debattierte Energiewende könnte in der Endausbaustufe den gesamten Ausstoß im Vergleich zum Jahr 2010 um fast die Hälfte reduzieren. Somit ist der Faktor Mobilität also nur ein Teilaspekt der ganzen Wendediskussion, aber dennoch einer der wichtigsten Bestandteile, zumal jeder Mensch unmittelbar davon betroffen sein wird. Entscheidend für ein Gelingen der drastischen Reduzierung des Schadstoffausstoßes wird neben dem Umstand, dass Elektroautos das Straßenbild weltweit dominieren, sein, dass die dezentralisierte Stromerzeugung parallel dazu flächendeckend in Angriff genommen wird. Hierzu besteht aber noch nicht mal in der EU Einigkeit über die Strategie, von Nordamerika ganz zu schweigen. Der Nutzen des Elektroautos als emissionsfreier Mobilitätsfaktor ist nur dann gegeben, wenn der Strom für den Betrieb beispielsweise nicht mittels Kohle- und Gaskraftwerken gewonnen wird. Hier hätte man lediglich eine Verlagerung der Emission im Vergleich zum Verbrennungsmotor.

 

Beispiel: Vergleichbarkeit der Antriebskraft

Durch den Wegfall der Notwendigkeit eines Getriebes bei elektrischen Induktionsmotoren kann die Antriebskraft unterbrechungsfrei und somit weitgehend ohne Energieverluste auf die Straße übertragen werden. Daraus ergibt sich nicht nur für die Insassen ein subjektiv angenehmeres Fahrgefühl, sondern es kommen knallharte physikalische Fakten zum Tragen.
Sowohl für Fahrten mit hoher Geschwindigkeit, als auch kurzen Bewegungen des Fahrzeugs wird wesentlich weniger Motorkraft und damit verbunden auch weniger Energie benötigt, als bei einem klassischen Motor mitsamt Getriebe.

 

Beispiel: Kosteneffizienz wird sich bald zu Gunsten der Elektroautos wenden

Die größte Hürde für den Durchbruch der Elektromobilität ist nicht so sehr die Verfügbarkeit von Ladestrom, sondern vielmehr der Preis für die Akkus als größten Kostenfaktor bei einem E-Auto. Es ist aber bereits heute abzusehen, dass hier in Kürze mit einem Durchbruch bei der Forschung und Entwicklung zu rechnen ist. Dabei geht es um die fünf Aspekte Herstellung, Laufzeit einer Ladung, Dauer des Ladevorgangs, Haltbarkeit sowie Wiederverwertbarkeit der Zellen. Wer an der Zukunftsmusik zweifelt, möge sich ein Mobiltelefon des Jahres 1990 und ein Smartphone der aktuellen Generation vergleichend betrachten. Gerade im Bereich des mobilen Telefonierens und Surfens angeht, wurde für die Elektromobilität wertvolle Vorarbeit geleistet. Sicherlich ist ein Autoakku schon auf Grund der spezifischen Anforderungen komplexer, als der Handyakku. Auch muss angesichts der Endlichkeit der Rohstoffe auf unserem Planeten darauf geachtet werden, dass die Akkus eine lange „Lebenszeit“ haben und danach möglichst ohne Verluste an sogenannten seltenen Erden wieder aufbereitet werden können. Geht nicht, gibt’s nicht und zahlreiche Unternehmen, die bisher gar nicht mit dem Automobil beschäftigt bzw. damit in Zusammenhang gebracht wurden, stellen sich nun auf und machen bisherigen Platzhirschen Konkurrenz. Das gilt unabhängig vom Akku übrigens für zahlreiche andere Bauteile. So werden folgende Komponenten des Autos mit Verbrennungsmotor im Elektroauto nicht mehr benötigt: Getriebe, Schaltung, Abgasanlage, Tankanlage, Verbrennungsmotor, Schmiermittel und anderes mehr. Hier wird sich also ein ganzer Industriezweig rasch umstellen müssen. Neben den großen Marken ist ein großer Teil des deutschen Mittelstands unmittelbar davon betroffen. Hinzu kommt noch der Umstand, dass innovative IT-Unternehmen aus den USA, die man eher mit klassischen Internetdiensten verbindet, bereits in Entwicklungen bei Elektronik, Bordnetz und anderen Themen, die im Elektroauto völlig anders als bisher gelöst werden müssen, eingebunden sind. Letztlich wird entsprechend der marktwirtschaftlichen Prinzipien nach Lösung der hier angesprochenen Herausforderungen der niedrigere Anschaffungspreis als auch attraktivere Unterhaltskosten dem Elektroantrieb zum Durchbruch verhelfen. Die Politik wird dies sicherlich mit Steuererleichterungen etc. noch beschleunigen.

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