Digitalisierung: wie viele Arbeitsplätze sind wo betroffen?

In unserem dritten und letzten Teil zum Wandel der Arbeitswelt durch Digitalisierung und Automatisierung versuchen wir an Hand von Umfragen und Studien die real möglichen Arbeitsplatzverluste in bisher üblichen Berufsfeldern zu quantifizieren. Dies berücksichtigt übrigens nicht den Umstand, dass durch den Wandel neue Berufe bereits entstanden sind oder noch entstehen werden. So wie bei der Verbreitung der Computer in den 1980er Jahren und der Erfindung des Internets in den 1990er Jahren ist davon auszugehen, dass die generelle Vielfalt der Berufsfelder in summa nicht abnehmen wird, dennoch sind Verschiebungen unvermeidbar. Der IT-Verband „Bitkom“ befragte kürzlich 500 deutsche Unternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten und dies branchenübergreifend zu einem mittelfristigen Ausblick zu diesem spezifischen Themenkomplex.

 

Generell kommen die Forscher zu dem Ergebnis, dass innerhalb der kommenden fünf Jahre mehr als 3 Millionen bisherige Arbeitsplätze der fortschreitenden digitalen Transformation anheimfallen können. Das wäre unterm Strich jede zehnte Stelle der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Arbeitnehmer. Für Überraschung sorgt, dass ca. 25 % der befragten Unternehmer die Existenz ihres Betriebs an sich bedroht sehen.

 

Vor allem dort, wo digitale Systeme den Schwerpunkt des Geschäfts bilden, z.B. in der Kommunikationsbranche, sind in den vergangenen 20 Jahren knapp 90 % der Beschäftigungsverhältnisse sukzessive abgebaut worden. Von ehemals 200.000 Stellen 1995 sind heute noch rund 20.000 Jobs übrig. Als nächstes wird es wohl den Bereich der Banken und Versicherungen treffen. Langfristig könnten um die Hälfte der bisherigen Berufsbilder entfallen, weil die damit verbundenen Tätigkeiten automatisiert werden. Aber ebenso stehen die Chemie- und Pharmabranche vor großen Herausforderungen.

 

Auch Bitkom mahnt die Politik, sich endlich dieser Themen anzunehmen. Sämtliche Felder des Arbeits- und Sozialbereichs wurden durch die führenden Parteien nicht unter Berücksichtigung dieser Änderungen besprochen. Egal, ob Rente, Gesundheitswesen oder Steuersenkungen. Bitkom-Präsident Achim Berg plädiert daher dringend, sich mit den Möglichkeiten eines bedingungslosen Grundeinkommens zu beschäftigen. Die Idee dahinter ist nicht neu. Bei Abschaffung der meisten bisherigen sozialen Transferleistungen wird ein Grundstock zum Leben von Arbeitsleistung entkoppelt. In kleinen Modellversuchen in Skandinavien und in anderen Teilen der Welt wurde dieses Modell bereits getestet. Die Teilnehmer an solchen Studien konnten nach einigen Monaten ihren Lebensstandard sogar erhöhen. Spannend ist, wie sich dies in der Fläche bei großen Volkswirtschaften wie Deutschland letztlich auswirkt. Hier stehen wir tatsächlich vor absolutem Neuland.

 

Herr Berg ist nicht der Erste, der solche Vorschläge unterbreitet. Weltweit wird über Grundeinkommen und die damit verbundene Entkoppelung von Arbeit und Einkommen diskutiert. Zu ähnlichen Ergebnissen kamen jüngst Experten der englischen Oxford Universität. Diese vermuten, dass branchenübergreifend bis zu 47 % der bisherigen Stellen entfallen könnten, weil Maschinen verschiedener Art die Aufgaben übernehmen. Es bleibt also bei der spannenden Frage, welche neuen Berufsbilder in nächster Zeit entstehen werden und wie die Gesellschaft den Wandel annimmt. Lebenslanges Lernen, vor allem im Job, ist nicht neu, wird sich aber einstweilen verstärken. 45 Jahre bis zur Rente mit den Kenntnissen aus der Lehre oder dem Studium arbeiten zu können, ist eine gern geglaubte Utopie, die mit der Praxis aber schon seit Jahrzehnten nichts zu tun hat.

Von |2018-03-13T09:00:32+00:00März 13th, 2018|All Entries|0 Kommentare