Digitalisierung verändert die menschliche Arbeitswelt auch zum Positiven

Mehrfach berichteten wir an dieser Stelle über die teils gravierenden Veränderungen der Arbeitswelten in den Industriestaaten durch Digitalisierung und Automatisierung. Bis zum Ende dieses Jahrzehnts werden 1,4 Millionen neue Industrieroboter weltweit ihre Arbeit aufnehmen. Die latente Furcht vor dem massiven Verlust von Arbeitskräften besteht noch immer. Eine aktuelle Studie zeigt nun, dass sich die Digitalisierung der vergangenen Jahre jedoch durchaus positiv auf den Arbeitsmarkt ausgewirkt haben.

 

Unter dem Schlagwort Industrie 4.0 verbindet man auf der einen Seite Innovation und Fortschritt, auf der anderen Seite aber die Angst vor dem Jobverlust sowie vor Hackerangriffen auf Unternehmen und staatliche Institutionen. Im Bereich der Automation in der Produktion gehört die EU immer noch zu den Vorreitern. Wie der neue „World Robotics Report 2016“ zeigt, befinden sich 65 Prozent der Länder, die eine überdurchschnittlich hohe Anzahl an Industrierobotern pro 10.000 Angestellten haben, in der Europäischen Union. 14 EU-Länder zählen dazu – zusätzlich die Schweiz, vier asiatische Länder, die USA, Kanada und Australien.

 

Die Zahl der neuen Roboter und die um sich greifende Vernetzung der Maschinen muss aber nicht, wie häufig postuliert, dazu führen, dass die Zahl der Arbeitsplätze abnimmt. Vielmehr bringt die Digitalisierung auch Chancen für den Arbeitsmarkt mit sich, wie eine Studie des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zusammen mit der niederländischen Universität Utrecht zeigt.

In der Studie werden erstmals langfristige Effekte der Digitalisierung untersucht. Die Wissenschaftler prüften die Auswirkungen des technologischen Wandels zwischen 1999 und 2010 auf die Arbeitsnachfrage im gleichen Zeitraum. 238 unterschiedliche europäische Regionen in 27 EU-Ländern wurden dabei genauer betrachtet.

 

Tatsächlich stellte sich heraus, dass der technologische Wandel durchaus positive Effekte auf die Nachfrage nach Arbeitskräften hatte. Die Digitalisierung führte vermehrt zu sinkenden Produktionskosten und sinkenden Angebotspreisen. Das wiederum hatte zu einer erhöhten Produktnachfrage geführt, die gleichsam auf Seiten der Unternehmen zu einem Anstieg der Arbeitsnachfrage führte. Natürlich wurde vor allem menschliche Arbeitskraft in der Fertigung durch Maschinen ersetzt und dies hat die Arbeitsnachfrage in diesem spezifischen Bereich verringert. Allerdings hat die gestiegene Produktnachfrage in einem noch größeren Umfang die Arbeitsnachfrage erhöht. Wie groß die positiven Arbeitsnachfrageeffekte der Automatisierung ausfallen, hängt jedoch zentral von der Gewinnverteilung des technologischen Wandels ab.

 

Bei der Annahme, dass alle Einkommensarten in der regionalen Wirtschaft in den Konsum geflossen sind, ist ein Arbeitsnachfrageeffekt von 11,6 Millionen Jobs in dem genannten Zeitraum aufgetreten. Geht man von einer niedrigeren Annahme aus, nämlich, dass nur die Lohneinkommen lokal für den Konsum und die übrigen Einkommensarten außerhalb der EU ausgegeben wurden, hätte sich ein Arbeitsnachfrageeffekt von 1,9 Millionen Jobs ergeben.

 

Kurz- und mittelfristige Anpassungskosten infolge von Verschiebungen zwischen Berufen, Sektoren oder Regionen erschweren eine genaue Beurteilung der Effekte der Umsetzung in die Anzahl neuer Arbeitsplätze, so sinngemäß Ulrich Zierahn, Wissenschaftler am ZEW und Mitautor der Studie. Vielmehr ließen die Ergebnisse erahnen, dass Ängsten über mögliche technologische Arbeitslosigkeit in der langen Frist möglicherweise ein zu großer Raum gegeben wird. Vielmehr kann eine Konfrontation „Mensch vs. Maschine“ nicht beobachtet werden, eher ist es ein Nebeneinander, welches mit Anpassungen der menschlichen Arbeit einhergeht. Zwar werden dadurch Tätigkeiten wegfallen, doch mit der Digitalisierung öffnen sich andere neuartige Aufgabenfelder. Hier sind vor allem die Bildungseinrichtungen gefragt. In jeder Schulart muss stärker auf die Digitalisierung in der Gesellschaft und in der Arbeitswelt reagiert werden. Das fängt schon damit an, dass Lehrpersonal für EDV-basierte Systeme fit gemacht werden müssen und den Schülern entsprechende Technik zur Verfügung gestellt wird. Hier gibt es vor allem in Deutschland noch großen Nachholbedarf.

Von | 2017-02-07T09:00:32+00:00 Februar 7th, 2017|All Entries, Deutsch, Neue Arbeitswelt, News|0 Kommentare