Mitte März äußerte sich die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. (vbw) zu einem brandaktuellen Thema. Im Zuge der zunehmenden Digitalisierung ist klar, dass sich die Arbeitswelt in fast allen Bereichen massiv verändern wird. Dieser Prozess liegt zudem nicht in der Zukunft, sondern hat längst begonnen. Vielfach gehen nicht nur auf Arbeitnehmer-, sondern auch auf Arbeitgeberseite Ängste und Sorgen mit dieser Entwicklung einher. Dies ist aber weitgehend unbegründet. Schon heute ist Vokabular wie etwa Homeoffice, Work-Life-Balance und Sabbatical alltäglich und findet vielfach Anwendung. Neu ist aber die Philosophie von sinnhafter Arbeit. Dies bedeutet nichts anderes als eine Revolution des Arbeitens an sich. Seit Menschengedenken ist Arbeit als streng weisungsgebundene, hierarchisch geprägte Tätigkeit zum Zwecke des wirtschaftlichen Ertrags auf Unternehmerseite, sowie der Finanzierung des eigenen Lebensunterhalts auf Arbeitnehmerseite definiert. Die neuen Arbeitswelten, welche durch technischen Fortschritt erst ermöglicht werden, bieten erstmals neue Aspekte, welche vor allem für Arbeitnehmer deutliche Verbesserungen bringen werden. Eigeninitiative, selbständiges Denken oder Kreativität waren bislang bei den meisten Berufsbildern wenn überhaupt nur nebensächlich. Im Zuge des Übergangs von der klassischen Industrie- zur Wissensgesellschaft ist nun ein Paradigmenwechsel deutlich spürbar. Verstärkt wird dies durch Änderungen innerhalb der westlich geprägten Gesellschaften weg von einem reinen Konsumentendasein, hin (oder zurück) zu immateriellen Werten. Der moderne Mensch strebt nicht mehr nur nach immer mehr Möglichkeiten des Konsums oder ausschließlich nach persönlichem Luxus, Sozialforscher stellen eine immer stärkere Sehnsucht nach Sinnhaftigkeit des gesamten Lebens, vor allem bei den beruflichen Aspekten fest. Um Mitarbeiter der Wissensgesellschaft für sich zu gewinnen und an sich zu binden, müssen Unternehmen ihre Kulturen und Führungsstrukturen verändern. Gleichzeitig wünschen sie sich Mitarbeiter, die sich durch Kreativität, Empathie und die Fähigkeit des ganzheitlichen Denkens auszeichnen.

 

Die bisherigen hierarchischen Strukturen in den meisten Unternehmen sind im Hinblick auf den tiefgreifenden Umbau der Arbeitswelt nicht nur nicht notwendig, sondern sogar hinderlich. Das Schlagwort von der lernenden Organisation trifft den Kern ganz gut. Es geht hier um Wissens- und Kompetenzaustausch, der mit den englischen Fachbegriffen Collaboration, Co-Creation, Crowdsourcing umrissen wird. Schwarmwissen ist auch ein Aspekt, den viele Internetnutzer von Hilfeforen bereits gut kennen. Die bestmögliche Nutzung der vorhandenen Ressourcen innerhalb eines Unternehmens kann nur dann funktionieren, wenn schrankenloser Wissens- und Ideenaustausch gewährleistet ist. Sicherlich müssen viele Unternehmen daher ihre vorhandenen Strukturen auf den Kopf stellen. Aber es lohnt sich, zumal die Mitarbeiter auch ein neues Gefühl der Wertigkeit erfahren können. Dies muss zudem nicht immer rein immaterieller Natur sein. Viele Unternehmen zeichnen Mitarbeiter, die mit Ideen zur besseren Wertschöpfung beitragen, mit finanziell dotierten Preisen aus.

 

Damit die neue Unternehmenskultur erfolgreich sein kann, müssen aber Strukturen mit reichlich Freiräumen geschaffen werden, damit Vernetzung gewährleistet und Innovationen hervorgebracht werden können. Die sehr platte Parole von der „Ressource Wissen“ bekommt nun endlich greifbaren Inhalt und Wertigkeit.

 

Wichtig ist aber auch, dass die Unternehmenskultur 4.0 flexible und mobile Arbeitsformen beinhaltet. In vielen Unternehmen entstehen moderne Raumkonzepte, die produktives Arbeiten und eine kreative Atmosphäre verbinden. Allerdings soll an dieser Stelle nicht das Risiko einer zunehmenden Überwachung und gefühlten Bevormundung verschwiegen werden. Mobile internetfähige Geräte, die Möglichkeit sich weltweit in eine Cloud o.ä. einzuloggen und somit von überall aus arbeiten zu können, bedarf einer neuen Form der Disziplin sowohl auf Seite der Arbeitnehmer, als auch vor allem der Arbeitgeber. Andererseits sind viele gesetzliche Regelungen zu Arbeitshöchstzeiten, Ruhezeiten etc. auf den Prüfstand zu stellen. Wenn man abends nach Erreichen der Tagesarbeitszeit nicht einmal mehr eine berufliche SMS beantworten dürfte, sollte der Gesetzgeber hier flexiblere Rahmenbedingungen schaffen. Dies fordert auch der Hauptgeschäftsführer der vbw, Herr Bertram Brossardt in einer Pressemittelung vom 15.03.2017.

 

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