Wer einen Blick in den Arbeitgeberatlas bei XING wirft stellt schnell fest, dass es große regionale Unterschiede gibt, was die Bewertung der Arbeitsbedingungen angeht. Gut, ein großer Teil liegt sicher auch einfach beim individuellen Unternehmen, dem Gehaltgefüge, den Karrierechancen intern, Flexibilität und Arbeitszeiten etc. Ein sehr wichtiger Punkt, der uns auch im alltäglichen Beratungsgeschäft immer wieder auffällt, ist aber schlicht der Standort des Unternehmens.

Ich spreche hier nicht von Leuten, heimatlich verwurzelt sind, ein Haus haben, Ihre Netzwerke lieben und dementsprechend schlicht nicht mobil sind. Auch Kandidaten die Grundsätzlich für einen Umzug offen sind, sagen bei manchen Regionen von vornherein nein, ohne ich auch nur für das Unternehmen selbst zu interessieren.

Was heißt das konkret?

Er heißt, dass bei der Standortauswahl möglichst nicht nur Dinge wie der Grundstückspreis oder die Höhe der Gewerbesteuer und eventuelle Fördergelder eine Rolle spielen sollten, sondern auch die Verfügbarkeit von Arbeitskräften. Und wenn die nicht sowieso an die Tür klopfen sollte der Standort in Sachen Infrastruktur und Lebensqualität zumindest attraktiv genug sein, dass sich neue Mitarbeiter, und insbesondere Ihre Familien, dort auch wohlfühlen können. Was bei Expats oft zum Stolperstein wird, ist auch bei Jobwechseln innerhalb Deutschlands nicht zu unterschätzen.

Nun kann eine Firma, die einmal an einem Ort ansässig ist selten einfach die Koffer packen und in eine attraktivere Gegend ziehen. Ein wenig Bewusstsein für das Problem kann aber auch hier nicht schaden. Eventuell müssen dann Maßnahmen ergriffen werden, wie die Fima selbst so attraktiv machen, dass der Standort im tieften Niemandsland nicht ganz so ins Gewicht fällt.

Betriebskitas gleichen mangelnde Kinderbetreuungsmöglichkeiten in der Gemeinde leicht aus, bei Schulen wird es schon schwieriger, aber auch Hilfe bei der Organisation des Alltags Abhilfe schaffen. Schlechte Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel kann durch einen eigenen Shuttleservice teilweise ausgeglichen werden, insbesondere wenn flexible Arbeitszeiten und die Möglichkeit des Home Office, den Mitarbeitern ermöglicht sich lange Pendelzeiten hin und wieder zu sparen.

Für den allgemeinen Wohlfühlfaktor gibt es dann noch Freizeitangebote, und natürlich die Annehmlichkeiten, die man sich mit einem hohen Gehalt leisten kann, die die Lebensqualität in der Region für die Belegschaft etwas heben können.

Selbstverständlich kostet das alles – womit wir wieder beim Ausgangsthema wären. Letztendlich muss bei der Standortwahl abgewägt werden zwischen vorhandener Infrastruktur, Grund- und Baukosten, Steuern, Fördermittel und etlichen andere Faktoren. Nur sollte man die Mitarbeiter nicht vergessen. Ansonsten hat man im schlimmsten Fall ein tolles Werk, in dem keiner arbeiten will, der nicht ganz verzweifelt ist.

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