„So prüfe, wer sich ewig bindet!“ Dieses Zitat des großen Literaten Friedrich Schiller bezieht man meistens auf Brautleute vor der Hochzeit, hat aber natürlich auch seinen berechtigten Platz beim Zusammenfinden zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer vor Unterschrift unter einen Arbeitsvertrag. Auch wenn hier von vorneherein klar ist, dass es nicht für „ewig“, meist heutzutage auch nicht mehr bis zum Renteneintritt sein wird, so gehen beide Seiten zumindest mit guten Vorsätzen davon aus, dass man einige Jahre vertrauensvoll und erfolgreich zusammenarbeiten möchte.

Eine gute Analyse des Gegenübers ist für Personalabteilungen schon immer selbstverständlich. Neben dem klassischen Vorstellungsgespräch ist oftmals auch ein Assessment Center vorgesehen. Zudem durchsuchen viele Personalisten das Internet schon bei der Vorauswahl der Bewerbungseingänge nach Einträgen grundsätzlich interessanter Kandidaten in sozialen Netzwerken u.a.

 

 

Heute wollen wir aber mal die andere Seite in Augenschein nehmen. Auch Bewerber sollten schon vor dem Absenden einer Bewerbung einige Alarmsignale erkennen, damit sich die neue Stellung hinterher nicht als Albtraum entpuppt:

Finden Sie im Rahmen einer länger andauernden Bewerbungsphase eine Stellenausschreibung eines bestimmten Unternehmens immer wieder erneut in den Stellenbörsen, so kann dies mehrere Ursachen haben: das Unternehmen tut sich schwer, geeignete Kandidaten zu finden und muss daher die Anzeige immer wieder erneut schalten. Oder ein zunächst eingestellter Bewerber ging von selbst nach kurzer Zeit wieder, bzw. bestand die Probezeit nicht. Oder aber das Unternehmen hat die angebotene Position akut gar nicht zu besetzen und möchte nur Daten sammeln, um auf diese zu einem späteren Zeitpunkt konkret zuzugehen. Dies alles muss nicht zwangsläufig negativ sein und einen Bewerber auch nicht grundsätzlich von einer Bewerbung abhalten. Stutzig werden sollte man aber schon.

Auch ist es stets ratsam, sich über ein Unternehmen im Internet vorab zu informieren. Neben der Eigendarstellung über Produkte, Dienstleistungen, Standorte oder verbundene Unternehmen bekommt man hier leicht einen Einblick über die im Unternehmen gelebte Kultur: handelt es sich nur um einen kleinen Auftritt mit den allernotwendigsten Informationen, oder bietet der Webauftritt ein Presseportal, gibt es Verlinkungen zu Auftritten in sozialen Netzwerken, ist das Unternehmen in irgendeiner Weise sozial engagiert und vieles andere mehr? Hieraus lässt sich ersehen, ob und inwiefern die Unternehmensführung mit dem Medium Internet umgeht und ob eine gewisse Transparenz gelebt wird. Wer als Bewerber Wert auf solche Philosophien legt, sollte sich Stellenanzeigen von solchen Unternehmen besonders gut ansehen.

Bewerber, die es in die erste Runde geschafft haben, sollten darauf achten, ob sie im Vorfeld ausschließlich mit standardisierten Serienbriefen angeschrieben werden, oder ob die erhaltenen Zeilen, sei es per Brief oder immer öfter per E-Mail, von Menschen formuliert wurden. Schnell bekommt man ein Gefühl dafür, ob es sich um individuelle Korrespondenz oder um eine Aneinanderreihung von Textbausteinen handelt. Leider gehen immer mehr, v.a. große Konzerne dazu über, den Bewerbungsprozess EDV-gestützt „lean“ zu halten. Auch dies muss nicht zwingend ein Qualitätsmerkmal für einen Arbeitgeber sein, viele stören sich aber an einer weitgehend maschinellen Rekrutierung.

 

Beim Bewerbungsgespräch selbst ist aber weiterhin das persönliche Bauchgefühl entscheidend, sofern das Matching der harten Fakten erfolgreich war. Wurde mein Termin im Vorfeld öfters verschoben? Musste ich lange bis zum Bewerbungsgespräch warten? Wurde ich dann freundlich empfangen? War die Gesprächsatmosphäre auch zwischen den Teilnehmern auf Arbeitgeberseite angenehm, oder kam ich mir eher vor, wie in einem Streitgespräch bzw. auf dem „heißen Stuhl“? Hier kann es natürlicherweise keine Ratschläge geben, denn es hängt auch von der spezifischen Stelle und die damit verbundene spätere Verantwortung ab, in welcher Weise Kandidaten „abgeklopft“ werden. Letztlich sollte man immer beherzigen, dass man einen Großteil seiner Lebenszeit im Beruf verbringt und es daher keinesfalls ausreichend ist, verschiedene Jobangebote rein nach der angebotenen Vergütung alleine zu beurteilen und dann eine Entscheidung für oder gegen eine Stellung zu treffen.

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