Wie sich die Rekrutierung von Oberen Führungskräften mittels der sozialen Netzwerke verändert hat

Wer in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Sprossen der Karriereleiter erklimmen konnte und nun in der zweiten „Halbzeit“ seines Berufslebens zurückblickt, wird sich meist an Stellenmarktseiten der Zeitungen im Umfang von Büchern, oder aber auch an die klassisch telefonische Direktansprache von Head-Huntern erinnern. Letztere kommen beim Rückblick auf die 1980er bis 200er-Jahre auch gerne ins Schwärmen, hatten sie doch ihren Kandidatenpool – meist in Form von Bewerbungsmappen oder als papierenes Telefonbuch – zur persönlichen Schatzkiste erklärt und über die Jahre mittels aktiver Begleitung dieser Kandidaten mehrfach bei Jobwechseln verdient.

Kurz nach der Jahrtausendwende, der weltweite Absturz aller elektronischen Systeme am Millenniumstag blieb uns erspart, gewann das Internet dank Einführung der DSL-Technik und der damit verbundenen großen Bandbreiten zu günstigen Preisen auch beim Recruiting sukzessive an Bedeutung. So gründete sich im deutschsprachigen Raum „OpenBC“ (das heutige „XING“), in den USA das vor allem international ausgerichtete Netzwerk „LinkedIn“. Beide Netzwerke sind mittlerweile auf ihren Schwerpunktmärkten Onlinegiganten und nahezu kein noch im Berufsleben stehender Manager kann es sich mehr leisten, dort kein Profil zu unterhalten. Personalentscheider sowohl bei den Arbeitgebern direkt, als auch der Personalberatungsbranche, nutzen diese elektronischen Netzwerke für ihr „active sourcing“. Damit ist die zielgerichtete Recherche nach geeigneten Kandidaten auf aktuelle Vakanzen gemeint.

Dies hat aus Sicht der Personalsuchenden aller Couleur den Charme, dass es einerseits preiswerter als eine Stellenanzeigenkampagne ist, zum anderen kann man als Arbeitgeber mit seiner Vakanz vor dem Berg halten, man macht sich selbst nicht mittels einer Ausschreibung öffentlich. Letzteres ist besonders brisant für die Personalberater, denn nach wie vor ist es mitunter heikel, eine hochangesiedelte Schlüsselposition mittels Stellenofferte print und/oder online auszuschreiben. Die Gründe sind vielfältig: die Position ist noch mit einem zu kündigenden Manager besetzt, oder der Weggang eines strategisch wichtigen Mitarbeiters schwächt das Unternehmen an seinem Markt und durch die Veröffentlichung bekommt dies die gesammelte Konkurrenz mit. Lange Jahrzehnte war die verdeckte Anzeige, welche die Personalberatungen für ihre Klienten schaltete, das Nonplusultra zur Umschiffung dieser unangenehmen Umstände. Die Beratungen ließen sich dies auch mitunter fürstlich vergüten.

Die Rekrutierung zumindest auf den Ebenen der akademischen Fachspezialisten, wie auch des Mittleren Managements hat sich insoweit verändert, als dass die Arbeitgeber oftmals eigene HR Recruiter (gerne auch Talent Acquisition Seeker u.a. genannt) eingestellt, deren Aufgabenfeld mit dem des Personalreferenten nicht mehr viel zu tun haben. Als HR Business Partner für einen bestimmten Teilbereich oder einer hierarchischen Ebene im Unternehmen sind diese Recruiter für die direkte Identifizierung und Ansprache geeigneter Bewerber zuständig. Dies kann auf Grund einer konkreten Vakanz, oder auch allgemein zur Einrichtung eines spezifischen Talent-Pools erfolgen. Hier kollidiert die neue Strategie mit dem Kerngeschäft der Head-Hunter. Zumindest theoretisch, denn viele Arbeitgeber stellen nun fest, dass Sie auf diese Weise – anders als ansonsten zwischenschaltete Personalberatungen – mit offenem Visier an die Kandidaten herantreten und sehr viel Staub beim Wettbewerb aufwühlen können. Besonders in Berufsfeldern wie Informatik oder Batterie-/Elektromobilität und Luftfahrt/Raumfahrt, wo wenig echte Spezialisten auf rasch wachsende Bedarfe bei Unternehmen kommen, kann das unangenehm werden. Daher sehen Branchenexperten mehrheitlich keine substantiellen Probleme […]

Was bei einer Kündigung in Abwesenheit dringend zu beachten ist

Das Bundesarbeitsgericht hatte vor Kurzem einen kniffligen Fall zur Verhandlung (Aktenzeichen 2 AZR 493/17). Ein Chefarzt, der im arabischen Emirat Qatar tätig war, aber in Deutschland ein Haus besitzt, welches er untervermietet, sollte gekündigt werden. Pikant ist, dass die Kündigung an die deutsche Adresse in Abwesenheit des Arztes zugestellt wurde. Eine Kündigungsklage muss aber zwingend innerhalb von drei Wochen ab Zugang der Kündigung eingereicht werden. Daher war zu klären, was ein zumutbarer Zugang sein kann bzw. muss, bzw. ob sich die Frist zur Kündigungsklage dadurch verlängert.

In der Regel wird ein Arbeitgeber schon aus Eigeninteresse die Kündigung, sofern diese nicht persönlich erfolgt, an eine Adresse senden, bei der ausgegangen werden kann, dass der zu kündigende Arbeitnehmer entweder dort wohnt oder aber in zumutbarer Weise von der dortigen Eingangspost Kenntnis erlangen kann. Regelmäßig handelt es sich um die Adresse, die im Arbeitsvertrag dokumentiert ist nach Umzug die Adresse, welche dem Lohnabrechnungsbüro vorliegt. In diesen Fällen hat der Arbeitnehmer stets ausreichend Vorsorge für die Bearbeitung der Post zu tragen. Wenn er nicht selbst vor Ort ist, kann z.B. ein Familienangehöriger, ein Hausangestellter oder ein Nachbar eine Postvollmacht erhalten und den Adressaten zeitnah über eingehende Post informieren. Die Holschuld ist hier also klar beim Arbeitnehmer, eine Verlängerung der genannten Dreiwochenfrist zur Kündigungsschutzklage liegt also nicht an und allein durch das Fristversäumnis würde eine solche Kündigung wirksam.

 

Wie verhält es sich in diesem konkreten Fall?

Die Vorgeschichte zur Arbeitgeberkündigung belegt, dass es zwischen dem Krankenhausträger und dem dort beschäftigten Chefarzt schon seit geraumer Zeit Probleme gegeben hatte. So wurden mehrfach Schriftstücke ausgetauscht, ab einem bestimmten Zeitpunkt an den Anwalt des Arztes, der dem Klinikbetreiber bei Vorlage einer entsprechenden Vollmacht aufforderte, die Korrespondenz ausschließlich über ihn laufen zu lassen. Dies ignorierte der Arbeitgebervertreter und sandte eine erste Kündigung direkt an die deutsche Adresse des Chefarztes. Er selbst war dauerhaft in Qatar, sein Wohnhaus in Deutschland hatte er vermietet, aber seinen Namen am Postkasten belassen, sodass der Postbote weiterhin Briefe einwarf.

Mit dem Mieter hatte der Chefarzt vor seiner Abreise vereinbart, dass dieser einmal im Monat den Hausbriefkasten leeren und ihn mittels Smartphone-Messanger über z.B. Behördenpost, Einschreiben etc. informieren, diese sofort nach Qatar weitersenden solle.

Die Kündigung aber wurde durch den Krankenhausträger nicht besonders versendet oder gekennzeichnet, sondern in einem normalen Kuvert verschickt, sodass der Mieter davon keine besondere Notiz nahm. Dass der Brief durch einen privaten Boten eingeworfen wurde, konnte der Mieter nicht wissen. Dieser Botendienst hatte aber das Einwurfdatum ähnlich wie bei einem Einschreiben für den Auftraggeber dokumentiert. Von der Kündigung erlangte der betroffene Chefarzt auf Grund dieser unglücklichen Verkettung der Umstände erst zwei Tage nach Ablauf einer Klagefrist während eines Heimatbesuchs in Deutschland Kenntnis.

Daraufhin klagte der Arzt auf nachträgliche Zulassung einer Kündigungsschutzklage.

Das Bundesarbeitsgericht folgte der Argumentation des Arztes allerdings nicht. Vielmehr stolperte der Gekündigte über seine eigene Sorgfaltspflicht, wie eingangs erwähnt. Die Vereinbarung mit seinem Mieter kann keinesfalls als ausreichend im Sinne der zumutbaren Sorgfalt gesehen werden. Insbesondere der Umstand, […]

Wann man einen Zweitjob vom Hauptarbeitgeber genehmigen lassen muss

Jüngste Statistiken beleben, dass der Anteil der Arbeitnehmer, die sogenannten Nebenverdiensten nachgehen, laufend ansteigt. Meist handelt es sich um geringfügige Beschäftigungsverhältnisse auf der rechtlichen Basis der Minijobs. Aber unabhängig von der sozialversicherungsrechtlichen Regelung ist in der Regel eine vorherige Zustimmung des Arbeitgebers im Hauptberuf notwendig, Arbeitsverträge sehen diese Zustimmungsverpflichtung fast immer vor. Aber es gibt, wie so oft, Ausnahmen von der Regel.

Einfach ist es bei Beamten. Diese müssen auf jeden Fall eine vorherige Genehmigung ihres Dienstgebers einholen, es gibt keine Ausnahmen. Dies hat mit dem speziellen Treueverhältnis zwischen Staat und Staatsdiener zu tun. Für die Angestellten und Arbeiter im öffentlichen Dienst existiert dagegen nur eine reine Meldepflicht.

Privatwirtschaftlich ist, wie schon erwähnt, vor allem der Arbeitsvertrag maßgeblich. Allerdings kann der Arbeitgeber Nebenjobs seiner Beschäftigten nicht pauschal untersagen. Ein generelles Verbot ist in jedem Fall unwirksam. Ein Widerspruch muss durch den Arbeitgeber begründet werden. Hierfür sind normalerweise betriebliche Interessen oder die Gefahr der Verletzung arbeitsvertraglicher Pflichten anzuführen. So ist die Mitarbeit bei einem Wettbewerber des Arbeitgebers eigentlich immer tabu. Bei Vollzeitbeschäftigten kann ein Nebenjob in Nachtschicht problematisch sein, weil dann die Erholungsphasen deutlich kürzer ausfallen. Unproblematisch ist es aber in der Regel, wenn Frühaufsteher gerne die morgendliche Joggingrunde mit Zeitungsaustragen verbinden möchten.

Wer bereits einen Minijob ausübt und die derzeit EUR 450,00 pro Monat schon voll ausreizt, fällt sozialversicherungsrechtlich und auch steuerlich mindestens in die Spanne der Midijobs, ggf. ganz in die reguläre Lohnverrechnung mitsamt der Steuerklasse VI und weiteren Nachteilen, die den Nettoanteil deutlich reduzieren. Auch hier hat der Arbeitgeber ein Vetorecht, weil die Geringfügigkeitsgrenze des Nebenjobs überschritten wird. Wenn also beispielsweise Haupt- und Nebenjob zusammen mehr Stunden ergeben, als nach dem Arbeitszeitgesetz erlaubt ist. Dies sind täglich (vertraglich) acht Stunden, in begründeten Ausnahmefällen 10 Stunden.

Wer gegen den rechtlich bindenden Willen des Arbeitgebers handelt, riskiert Abmahnung und sogar Kündigung.

Die Arbeitszeit muss neu verteilt werden

Im Zuge der vielfach diskutierten und auch an dieser Stelle bereits öfter skizzierten Thematik der Automatisierung und Digitalisierung der Arbeitswelt kommt eine Idee auf, die eigentlich schon ad acta gelegt schien: die Neudefinition der Vollzeitarbeitsstelle mittels genereller Verkürzung.

In Deutschland gilt seit fast 100 Jahren die 40-Stunden-Woche und ist gesetzlich geregelt. Überstunden jenseits dessen sind entweder zu vergüten oder können als Freizeitausgleich genommen werden. Zudem ist seit der Frühzeit der Bundesrepublik die 5-Tage-Woche etabliert. Kurz gesagt ist dadurch garantiert, dass Arbeitnehmer bezogen auf eine Woche (sieben Tage) zwei Tage zur Erholung frei bekommen. Regelmäßig soll dies an zwei zusammenhängenden Tagen möglich sein. Soweit der Status quo per Gesetz.

Manche Branchen haben bereits vor Jahrzehnten eine kürzere Vollzeit definiert. So konnte die IG Metall in den 1980er Jahren für das damalige Westdeutschland die 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich aushandeln. Ein Versuch dieser Gewerkschaft, die Regelung auch für die neuen Bundesländer auszuhandeln, scheitere 2003, also mitten im Umbau durch die sogenannte Agendapolitik des Bundeskanzlers Schröder.

Danach wurde es still um Arbeitszeitverkürzungen. Während die Arbeitnehmervertreter in den schwierigen 2000er-Jahren zumindest in Deutschland Zurückhaltung übten, fokussierten sie sich mit Beginn des gegenwärtig anhaltenden Aufschwungs seit dem Jahr 2010 meist auf deutliche Lohnerhöhungen und konnten diese in der Regel weitgehend durchsetzen. Zugleich stiegen aber auch die Arbeitszeitkonten rapide an. Kumuliert waren es 2016 mehr als 1,7 Milliarden Mehrstunden, davon vielfach nicht bezahlt. Studien zeigen zudem, dass mehr Arbeit auch die Krankheitskurven ansteigen lassen. So stiegen im ersten Halbjahr 2018 erstmals seit längerem die Ausfalltage durch Krankmeldungen der Arbeitnehmer wieder deutlich an. Immer mehr Befunde zeigen auf psychische Belastungssyndrome, welche oftmals zu längeren Arbeitsausfällen führen.

Ungeachtet dessen möchte fast die Hälfte aller in Deutschland Beschäftigten gerne Arbeitsstunden abgeben. Die meisten sind bereit, dafür auch Gehaltseinbußen hinzunehmen. Betriebsräte und Gewerkschaften haben vor Kurzem darauf reagiert und in den jüngsten Tarifverhandlungen Arbeitszeitmodelle durchgesetzt, die den bisherigen Tunnelblick auf stets nur mehr Lohn aufgehoben haben. Natürlich können Arbeitnehmer nach Abschluss dieser neuen tariflichen Vereinbarungen weiterhin die Gehaltserhöhung wählen. Andererseits besteht aber sowohl in der Metall- und Elektroindustrie, als auch bei den Eisenbahnern die Möglichkeit, sich für eine Reduzierung der Arbeitszeit bei Verzicht auf die Lohnerhöhung zu entscheiden, ohne formal in einen Teilzeitjob zu wechseln.

Angesichts der hervorragenden Auftragslage in unserem Land klingen solche Überlegungen zunächst paradox. Zur Steigerung des Bruttosozialprodukts hat man schließlich ordentlich in die Hände zu spucken, wie es in einem bekannten Schlager aus den 1980er Jahren heißt. Diese analoge Herangehensweise an die Herausforderung der Arbeitswelt scheint aber vielfach überholt zu sein und dies hat einen handfesten Grund.

Nicht allgemeine „Faulheit“ der modernen Gesellschaft ist Ursache für ein um sich greifendes neues Bewusstsein für die Einteilung der Woche in Beruf und Freizeit/Familie, sondern die oftmals persönlich erlebten Erfahrungen mit einer mehr anwachsenden Erreichbarkeit auf Grund der mittels technischen Fortschritts immer mehr verschwimmenden Grenzen zwischen Arbeits- und Freizeit. Mobiltelefon, E-Mail, Skype und Home-Office verleiten nicht nur die Arbeitgeber, sondern vor allem die Arbeitnehmer selbst dazu, am Abend und an den Wochenenden […]

Höheres Wirtschaftswachstum dank künstlicher Intelligenz prognostiziert

Die Künstliche Intelligenz (KI) wird in naher Zukunft das deutsche Wachstum um bis zu 1,3 % erhöhen, so die international renommierte Unternehmensberatung McKinsey. Eine aktuelle Studie dieses Unternehmens zeigt eine interessante Entwicklung auf.

Die deutsche Wirtschaft wird überdurchschnittlich von der KI profitieren. Vor unserem Land liegen nur Schweden mit 1,7 % und die USA mit 1,5 %, China liegt gleichauf mit 1,3 %. Der Vergleich mit China hinkt aber in gewisser Weise, denn bekanntermaßen ist es für die etablierten Industrienationen generell schwieriger, neues Wachstum zu generieren als für Schwellenländer, zu denen China immer noch gehört.

Für die westliche Welt ist es daher unabdingbar, mögliche Wertschöpfungspotentiale zu haben, da andere Faktoren wie günstige Arbeitskraft nicht vorhanden sind. Innovation ist daher das Zauberwort, vor allem vor dem Hintergrund des demographischen Wandels. Es wird unabhängig von Einwanderungsdebatten und Migrationsbewegungen auf jeden Fall einen Knick hinsichtlich des Arbeitskräftepotentials in Europa und Nordamerika geben. Dies bereits im kommenden Jahrzehnt. Daher ist es sinnvoll, gewissermaßen aus der Not eine Tugend zu machen und im Zuge der Digitalisierung auch verstärkt auf die künstliche Intelligenz zu setzen.

Dieser Trend ist nicht nur in der klassischen Produktion, sondern längst auch in den Segmenten „Büro“ und Dienstleistungen zu beobachten. Selbstlernende, digitale Systeme können den Menschen nicht mehr nur einfache, wiederkehrende Tätigkeiten, sondern auch komplexere Aufgaben abnehmen, da die Systeme in der Lage sind, dazuzulernen. Eine Eigenschaft, die bisher nur hochentwickelten Lebewesen, vor allem den Menschen vorbehalten war. Vor dem bereits genannten Hintergrund der Demographie wird dies nicht, wie vielfach befürchtet, zu einem massiven Arbeitsplatzabbau führen, wohl aber zu Veränderungen bei zahlreichen Berufsbildern, bis hin zur Pflege und Kindererziehung.

Bis die KI tatsächlich gewinnbringend genutzt werden kann, ist aber noch einige Forschungsarbeit notwendig. Von alleine wird sich der tiefgreifende Wandel nicht einstellen.

Neue, spezifische Studiengänge für die digitalisierte Arbeitswelt

Kann man Digitalisierung studieren? Mittlerweile ja, denn zwischenzeitlich wurden mehrere Studiengänge etabliert bzw. bestehende, die sich um die Herausforderungen der nahen Zukunft drehen und den Absolventen glänzende Berufsaussichten nahezu garantieren dürfte. Wir stellen die wesentlichen akademischen Module kurz vor:

Betriebswirtschaftslehre – Digitale Wirtschaft (Bachelor of Science)

Als Klassiker kann das Studium der Betriebswirtschaftslehre gelten. In Berlin kann man seit drei Jahren diesen Studiengang mit dem Schwerpunkt Digitale Wirtschaft belegen. Die Beuth Hochschule für Technik bietet Wissensvermittlung über die normale BWL hinaus, indem Studenten lernen, wie z.B. Dienstleistungen über digitale Netze vertrieben werden können, oder auch wie die Lieferantenkette mittels digitaler Vernetzung optimiert werden kann. Hinzukommen Module wie die Grundlagen der digitalen Medien, Innovationsmanagement,  Projektmanagement, Produktentwicklung sowie Marketing mit Fokus auf Digitales.

Automation und Industrie 4.0 (Bachelor of Engineering)

Für angehende Ingenieure empfiehlt sich in diesem Kontext der Studiengang der Hochschule Mittweida, welcher seit zwei Jahren angeboten wird und ohne Zulassungsbeschränkungen angeboten wird. Im Rahmen der üblichen 6 Semester für einen Bachelorstudiengang lernen die Studenten umfangreiche Kenntnisse über Fertigungsabläufe, Robotik und digitale Vernetzung. Eingesetzt werden können die Kenntnisse schwerpunktmäßig überall dort, wo Produktionsstandorte vernetzt werden sollen, vornehmlich in der Automobil- und Maschinenbauindustrie.

Gründung, Innovation, Führung (Bachelor of Arts)

Die Hochschule in Bremerhaven setzt den Schwerpunkt auf junge Leute, die vorhaben, ein Start-Up zu gründen. Gibt es solche Möglichkeiten bisher nur als Weiterbildung oder Aufbaustudiengang, handelt es sich hier um einen vollwertigen Erstabschluss als Bachelor. Die Studenten sind dabei aufgefordert, mit der Gründung schon während des Studiums zu beginnen, es handelt sich dennoch nicht um einen klassischen dualen Studiengang, da es um Selbstständigkeit geht. Bevorzugt sollen Kommilitonen ein Gründungsteam bilden. Das Kapital dafür sollen sich die jungen Erwachsenen selbst organisieren. Der Studienplan weicht dabei deutlich von den üblichen Vorlesungs-, Seminar- und Klausurintervallen ab. Start ist zum Wintersemester 2018/19, als Alternative zu den Prüfungsnachweisen sollen sogenannte Reflexionspapiere gelten.

E-Commerce und Digital Retail Management (Bachelor of Arts)

Die schon erwähnte Hochschule im sächsischen Mittweida hat noch einen weiteren Studiengang parat. E-Commerce meint vor allem den Einzelhandel im Internet, welcher zunehmend mobil über Apps und Gadgets steuerbar ist. Trotz der Marktbeherrschung durch die Onlinegiganten Amazon oder Zalando bieten sich noch zahlreiche Nischen für Entrepreneure, aber auch für bisher „offline“ agierende Händler um ihre Produkte im Web abzusetzen. In diesem ebenfalls sechssemestrigen Studienangebot werden die Grundlagen für E-Commerce vermittelt, aber auch Strategien für eine sich rasch ändernde Marktumgebung nähergebracht. Wer sich danach kein Start-Up zutraut, kann sich mit einigen Erfolgsaussichten im weiten Feld des Einzelhandels und der artverwandten Logistikbranche eine berufliche Herausforderung suchen.

Digital Transformation Management (Master of Arts)

Dieser neue Studiengang wird ab dem Sommersemester 2019 von der Rheinischen Hochschule Köln angeboten und richtet sich vor allem an Bachelorabsolventen der Wirtschaftswissenschaften. Der betriebswirtschaftliche Studienplan wird hierbei zielführend um Module zu den Themen Transformationsprozesse durch Digitalisierung (Führungs- und auch Fachkräfte betreffend) sowie Umgestaltung des Unternehmens in diesem Zusammenhang erweitert. Ergänzt um die Bereiche der Sozialpsychologie und der Organisationssoziologie werden auch IT-Kurse angeboten, damit die […]

Freistellungsverpflichtung bei ehrenamtlich tätigen Mitarbeitern? Nicht unbedingt!

Viele Arbeitnehmer engagieren sich neben dem Beruf und Familie im ehrenamtlichen Umfeld. Vielfältige Aufgaben in Staat und Gesellschaft lassen sich letztlich nur durch dieses bürgerschaftliche Engagement bewältigen. Manchmal lassen sich diese Aktivitäten nicht nach Feierabend oder am Wochenende in den Zeitplan einbauen. Sobald das Ehrenamt mit dem Job zeitlich kollidiert, muss man sich genau ansehen, um welche Tätigkeit es handelt.

Eine generelle Freistellung durch den Arbeitgeber gibt es nicht. Entscheidend ist in der Regel ein gesteigertes öffentliches Interesse an der Tätigkeit. Wer sich bei der Feuerwehr oder dem Technischen Hilfswerk, einer Rettungsorganisation wie dem Roten Kreuz, als Stadt- bzw. Gemeinderatsmitglied oder auch als Schöffe bei Gericht engagiert, kann auf staatlichen Schutz bauen. Beim Amt als Schöffe kann es sogar vorkommen, dass man behördlicherseits zur Ausübung innerhalb eines bestimmten Zeitraums dazu verdonnert wird, falls sich nicht genügend Freiwillige finden lassen. Dies kommt selten vor, aber es gibt grundsätzlich wenig Möglichkeiten, sich dieser Verpflichtung zu entziehen. Auf keinen Fall kann man seine Arbeitsstelle als Grund angeben. Der Chef ist zur Freistellung verpflichtet, damit der Angestellte Gerichtsverhandlungen wahrnehmen kann. Auch bei anderen Ehrenämtern, deren Ausübung dem Gemeinwohl verpflichtet ist, muss der Arbeitgeber deren Ausübung auch während der vertraglich vereinbarten Arbeitszeit ermöglichen, beispielsweise wenn das Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Bereitschaft hat und ein Brand während der üblichen Bürozeiten bekämpft werden muss. Übrigens hat der Mitarbeiter in diesen Fällen auch Anspruch auf Lohnfortzahlung und Erholung, vor allem beim Thema Feuerwehr oder THW. In den jeweiligen Gesetzen der Bundesländer ist geregelt, welche finanziellen Kompensationen die Arbeitgeber vom Staat erhalten können, damit die Belastung nicht zu einseitig ist.

Natürlich ist es unabhängig von einer gesetzlichen Freistellungsverpflichtung immer empfehlenswert, mit dem Vorgesetzten vorher die eigenen Aktivitäten in Bezug auf ein Ehrenamt zu besprechen. Meist finden sich Lösungen, wie dass der Mitarbeiter flexibel nacharbeiten kann oder aber Überstunden dadurch abbummelt. In der Regel wird ehrenamtliches Engagement positiv gesehen.

Ganz selten ist es für den Arbeitgeber möglich, ein Veto einzulegen, auch wenn es sich um eine Tätigkeit im öffentlichen Interesse handelt. Zum Beispiel dann, wenn der Arbeitnehmer eine Schlüsselfunktion im Unternehmen ausübt, viel auf internationalen Geschäftsreisen ist oder anderweitig an verschiedenen, weit entfernten Standorten tätig ist. Hier wäre der Eingriff in die betrieblichen Abläufe zu groß und daher nicht zumutbar. Es handelt sich stets um eine Einzelfallentscheidung.

Eines muss aber klar sein: ehrenamtlich tätige Mitarbeiter dürfen für diese Themen keine betrieblichen Mittel nutzen. Hier muss eine deutliche Trennung gemacht werden. Drucken Sie also keine Flyer über den Drucker im Büro aus, nutzen Sie auch nicht das Bürotelefon für Ihr Ehrenamt, auch als Poststelle sollte der Arbeitgeber nicht fungieren.

Schichtarbeit nimmt immer mehr zu. Welche rechtlichen Regeln gelten?

In immer mehr Berufsfeldern ruht die Arbeit nie. Längt sind davon nicht nur Industriebetriebe oder Krankenhäuser betroffen – nicht zu vergessen Polizei und Feuerwehr – auch sind viele Callcenter und andere Services rund um die Uhr besetzt. Dies bedingt natürlich immer Schichtarbeit. Bei 24 Stunden pro Tag wird meist das Modell des Drei-Schicht-Betriebs angewandt. Dabei zeigen Tendenzen auch im Produktions- und Logistikgewerbe, dass mittlerweile kein Schwerpunkt auf der Tagschicht deutlich erkennbar ist. Termindruck im Hinblick auf immer kürzere Lieferzeiten auf Basis der Methoden just-in-time und just-in-sequence hat die Zahl der Beschäftigten in den Früh- und Spätschichten in letzter Zeit signifikant erhöht.

Welche Regeln gelten im deutschen Arbeitsrecht?

Grundsätzlich muss zwischen zwei Schichten eine Ruhezeit von 11 Stunden liegen und für Sonntage sind sogenannte Ersatzruhetage einzuräumen. Die Höchstarbeitszeit am Stück darf 10 Stunden laut Arbeitszeitgesetz nicht überschreiten, dabei sind diverse Pausen einzubauen. Dauerhaft ist dies nicht erlaubt, im Durchschnitt sind 8 Stunden am Stück zuzüglich Pausen einzuhalten. Soweit die Regel. Mit Ausnahmegenehmigungen sind auch 12-Stunden-Schichten möglich, sofern die Arbeitnehmer dann auf eine Dreitagewoche kommen. Die Möglichkeit, ausreichend Erholungsphasen einzubauen, muss stets gegeben sein.

Auf dieser Basis erarbeiten viele Unternehmen individuelle Lösungen, die an ihre Bedürfnisse angepasst sind. Schichtpläne sind, wenn sie die beiderseitigen Interessen abbilden sollen, immer ein Kunststück. Dies gilt insbesondere dann, wenn sowohl Vollzeit-, als auch Teilzeitbeschäftigte in diese Pläne einzubauen sind. Dabei ist den Arbeitnehmern mit anteiliger Arbeitszeit insgesamt mehr Freizeit in Form von mehr arbeitsfreien Tagen zu gewähren.

Einflussmöglichkeiten der Beschäftigten auf ihren Dienstplan

Unabhängig davon, ob ein Betriebsrat existiert, haben die Mitarbeiter immer ein Recht auf Mitbestimmung Ein Betriebsrat ist zwingend in die Erstellung von Schichtplänen einzubeziehen. Die Arbeitnehmervertreter sollten im Normalfall die jeweiligen Bedürfnisse der Betroffenen kennen. Kindererziehung, Pflege Angehöriger, oder private Fortbildungsmaßnahmen schränken oft die Flexibilität ein. Hierbei müssen die Betriebsräte nicht abwarten, bis der Arbeitgeber auf sie zugeht, sie können auch selbst initiativ werden.

In anderen Fällen, vor allem bei kleineren Unternehmen, hat der Vorgesetzte bzw. der Schichtplaner mehr Spielraum. Aber auch hier müssen die betroffenen Beschäftigten zwingend angehört werden. Oftmals gibt es Möglichkeiten des gegenseitigen Interessenausgleichs. Ein junger lediger Mitarbeiter möchte vielleicht gerne nachts oder an den Wochenenden arbeiten und sich dadurch Zulagen oder einen Sonderurlaub verdienen.

Streitpunkt Nachtschicht

Der natürliche Biorhythmus des Menschen kommt bei vielen Nachtschichten erwiesenermaßen aus dem Gleichgewicht. Daher sind hier die Regelungen relativ streng. Maximal drei Nachtschichten hintereinander empfehlen Arbeitsmediziner. Längere Intervalle scheinen für die Gesundheit der Beschäftigten eine größere Belastung darzustellen. Nach mehreren Nachtschichten sollte mindestens ein kompletter Ruhetag eingebaut werden, damit sich die innere Uhr wieder erholen kann. Besser wären 48 Stunden Pause, was in der Praxis aber nicht immer realisierbar ist.

Als zweckmäßig haben sich sogenannte vorwärtsrotierende Schichtpläne erwiesen. Hierbei beginnt der Arbeitnehmer die erste Phase als Frühschicht, nach ca. einer Woche folgt der Wechsel in die Tagschicht, dann am Ende zwei oder drei Nachtschichten.

Zur Vorbeugung wird Schichtarbeitern gesetzlich das Recht auf regelmäßige Untersuchungen eingeräumt. Hier liegt der Fokus insbesondere auf […]

Weiterhin mehr als eine Million unbesetzte Stellen in Deutschland

Seit Jahren schon begleitet uns das Problem, dass trotz rund 2,5 Millionen Arbeitslosen auf der anderen Seite eine sechsstellige Zahl an Jobs in Deutschland unbesetzt bleibt. Im Sommer 2018 stieg diese Zahl auf 1,2 Millionen an, Tendenz steigend.

Trotz einiger Fragezeichen im Hinblick auf die Weltkonjunktur auf Grund mehrerer schwelender Konflikte wie etwa den Handelsstreitigkeiten zwischen den USA einerseits und den anderen großen Playern EU, China und Russland andererseits sowie dem wiederauflebenden Atomkonflikt mit dem Iran existieren derzeit keine Anzeichen einer signifikanten Abkühlung der deutschen Konjunktur. Die Nachfrage sowohl im Inland, als auch im EU-Binnenmarkt ist ungebrochen stark, sodass der Arbeitsmarkt insgesamt trotz einer insgesamt leichten Abkühlung noch nicht tangiert ist. Der Arbeitsplatzaufbau geht weiter, wenn auch etwas langsamer als in den letzten drei Jahren.

Was nun aber verstärkt zu Tage tritt, ist das bereits lange bekannte und gefürchtete Phänomen, dass geburtenstarke Jahrgänge des ersten Nachkriegsjahrzehnts sukzessive in den Ruhestand gehen und zu wenige jüngere Fach- und Führungskräfte nachrücken. Daher mangelt es schlicht an Bewerbern auf die Ausschreibungen. Im 2. Quartal 2018 stieg die absolute Zahl dieser nicht oder schwer zu schließenden Vakanzen um 25.000, im Vorjahresvergleich sogar um 115.000. Mittlerweile kommen auf 100.000 sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse fast 3 unbesetzte Stellen, somit knapp 3 %. Dies ist fast ein Prozent mehr als noch im Jahr 2012.

Das alte Westdeutschland weist erwartungsgemäß die meisten offenen Positionen auf, 940.000 Vakanzen waren es zu Ende Juni 2018. Im Osten können 270.000 Stellen nicht besetzt werden. Dies betrifft sowohl Nachbesetzungen, als auch neu geschaffene Stellen, letztere vor allem im boomenden Dienstleistungsbereich. Das Problem in den neuen Bundesländern ist weiterhin, dass die Unternehmen ein klar niedrigeres Lohnniveau anbieten, als im alten Westen. Damit sind viele interessante Arbeitgeber im bundesweiten Wettbewerb um Fachkräfte weniger konkurrenzfähig. Niedrigere Lebenshaltungskosten und eine schöne Lebensumgebung machen diesen Umstand nicht immer wett. Der stetige Wegzug junger Menschen aus dem Osten in den Westen, der seit der Wende mit unterschiedlicher Intensität anhält, tut sein Übriges zur teils prekären Lage. Insbesondere kleinere Betriebe mit bis zu 9 Beschäftigten ohne Rang und Namen in der Öffentlichkeit haben es sehr schwer. Darüber hinaus leidet die Gesundheitsbranche und das Baugewerbe überdurchschnittlich. Hinzu kommt eine große Zahl an nicht ausreichend qualifizierten Kandidaten. Hieraus ergibt sich eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, das vorhandene Arbeitskräftepotential durch fundierte Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen optimal auszuschöpfen.

Per Blue Card in die EU – Deutschland Nummer 1 für ausländische Fachkräfte

Schon seit einigen Jahren nimmt Deutschland beim EU-Programm „Blue Card“ den ersten Platz ein. Dies bedeutet nicht weniger, als dass hier für hochqualifizierte Spezialisten einerseits enorme Bedarfe auf Seiten der Arbeitgeber bestehen, andererseits dass die Bundesrepublik für diese Personengruppe einen attraktiven neuen Lebensmittelpunkt darstellt. Ca. 87 % aller Inhaber dieses speziellen Passes landen in Deutschland, die weiteren 13 % in den anderen derzeit noch 27 EU-Mitgliedsländern.

Wer nicht aus einem EU-Staat kommt, in Deutschland aber dauerhaft zum Zweck der Arbeitsaufnahme leben möchte, hat die Möglichkeit, sich im Rahmen des sogenannten Blue-Card-Programms um eine Arbeitserlaubnis hierzulande zu bewerben. Dabei stammen die meisten Fachkräfte über die letzten Jahre hinweg meist aus Indien, China und Russland. Gefragt sind im Hinblick auf die Qualifikation vor allem die MINT-Berufe. Das heißt mehrheitlich haben Spezialisten auf den Feldern der Informationstechnologien, der Ingenieurwissenschaften und des Maschinenbaus die besten Chancen auf eine dauerhafte Einwanderung. In den vergangenen 20 Jahren wurden vielfältige Voraussetzungen für die gegenseitige Anerkennung von Abschlüssen, vor allem universitärer Grade und Titel auf den Weg gebracht. Dies ist Grundvoraussetzung dafür, dass Arbeitgeber leicht erkennen können, ob ein Kandidat aus dem fernen Ausland die notwendigen Kenntnisse mitbringt. Als zweite Hürde, die aber in Deutschland angesichts des Lohnniveaus leicht genommen werden kann, ist die Gehaltsuntergrenze. So müssen Bewerber grundsätzlich mindestens 52.000 Euro pro Jahr verdienen, bei den schon erwähnten Mangelberufen in den Naturwissenschaften, Mathematik, Ingenieurwissenschaften, Humanmedizin und IT liegt die Mindestgrenze bei 40.560 Euro und damit bewusst etwas darunter. Die Blue Card, mit der natürlich auch eine Aufenthaltserlaubnis verbunden ist, gilt für ein bis vier Jahre, es besteht auch die Möglichkeit, nach 21 bis 33 Monaten einen dauerhaften Aufenthaltstitel zu beantragen und sich damit aus diesem spezifischen Programm zu entkoppeln.

Diese Angebote richten sich derzeit vor allem an Akademiker, die Hürden sind dementsprechend hoch. Das Ganze geht auf eine Idee des damaligen Bundeskanzlers Schröder um die Jahrtausendwende zurück. Man wollte einerseits mit Rücksicht auf damalige parlamentarische Mehrheitsverhältnisse ein generelles Einwanderungsgesetz umgehen, indem diese Möglichkeit erfunden wurde. Zu dieser Zeit warb die damals oppositionelle CDU mit dem Slogan „Kinder statt Inder“ um Stimmen. Mittlerweile hat sich bei allen im derzeitigen Bundestag vertretenen Fraktionen aber die Erkenntnis durchgesetzt, dass die zunehmende Überalterung verbunden mit einer stetigen Schrumpfung der Gesellschaft Einwanderung notwendig ist, damit das Lebensniveau und Deutschland dauerhaft gesichert werden kann. Daher hörte man in der parlamentarischen Sommerpause aus den unionsgeführten Ministerien für Inneres und Gesundheit, dass man solche Programm wie die Blue Card auch auf zahlreiche Berufe in der Pflege und im Handwerk ausdehnen müsste. Eine interessante Entwicklung innerhalb einer Generation, zumal vielfach noch dieselben Politiker an den Schalthebeln der Macht sitzen, die solche Ideen einst als gefährlich rigoros abgelehnt hatten. Die Misere bei der Besetzung der Ausbildungsplätze, die sich seit Längerem von Jahr zu Jahr wiederholt und über die wir kürzlich an dieser Stelle berichteten, spricht Bände. Darüber hinaus wächst auch der allgemeine Dienstleistungssektor rasant, es werden längst nicht nur akademische Spezialisten gesucht. Da immer mehr Unternehmen Aufträge mangels Personal ablehnen müssen, hat dies […]

Azubis händeringend gesucht: 17.000 Betriebe haben nicht eine einzige Bewerbung erhalten.

Zum Ausbildungsstart 2018/2019 führte der DIHK im Auftrag der Industrie- und Handelskammern eine Umfrage zur Situation im neuen Lehrjahr durch. Dier Ergebnisse sind ernüchternd, aber nicht überraschend. Während vor zwanzig Jahren durch die damals Bonner Politik noch über eine Zwangsabgabe für Unternehmen die nicht ausbilden, nachgedacht wurde und man sich an der Schwerbehindertenabgabe orientieren wollte, hat sich die Situation seitdem um 180 Grad gedreht. Aktuell konnten 34 % der Ausbildungsbetriebe ihre Stellen nicht besetzen. Damit wurde ein neuer Rekord gebrochen, die Tendenz ist auf Sicht leider steigend.

Der Präsident des DIHK Herr Eric Schweitzer stellte die Auswertung der Online-Umfrage aus diesem Sommer in Berlin vor. Konnten im Jahr 2017 bereits 31 % der Betriebe ihre Ausbildungsplätze nicht erfolgreich belegen, sind es in diesem Jahr 34%. In den neuen Bundesländern ist die Situation mit 46 % noch prekärer. Da das gros der Lehrstellen aber nach wie vor im Westen besetzt wird und dort 32 % der Betriebe keinen Erfolg vermelden konnten, relativiert sich die Sache im Bundesdurchschnitt. Der Vergleich mit dem Jahr 2007 zeigt aber die Dramatik gut auf: vor gut einem Jahrzehnt konnten noch 85 % aller Ausbildungsbetriebe ihre Stellen mit Schulabgängern oder Studienabbrechern besetzen.

Bei den Branchen gibt es signifikante Unterschiede. Im Baugewerbe suchten 45 % aller Unternehmen vergeblich nach (passenden) Azubis, im Bereich Verkehr waren es 40%, die verarbeitende Industrie beklagt 35 % Azubi-Vakanzen, im Banken- und Versicherungsgewerbe sind es 32%, gefolgt von den unternehmensnahen Dienstleistungen mit 31 %. Soweit die nackten Zahlen. Aber auch die Ursachen für diese Misere sind ganz unterschiedlich. Im Dienstleistungssektor inklusive Gastronomie und Verkehr gingen sehr oft gar keine Bewerbungen auf Ausschreibungen ein. Die stark auf kaufmännische Berufe ausgerichteten Branchen beklagen vor allem ein stetiges Gefälle bei der Ausbildungsfähigkeit nach unten. So beherrschen Kandidaten von den unteren Schularten oftmals weder guten Ausdruck in der deutschen Sprache, noch Grundrechenarten sicher. Von den heute notwendigen Fremdsprachenkenntnissen ganz zu schweigen. Dies ist mit Ausnahme der mathematischen Kenntnisse im gewerblichen bzw. handwerklichen Bereich weniger das Thema, aber auch die Handwerkskammern beklagen zunehmend eine Ausbildungsunreife bei vielen Anfängern, was auf mangelnde Schulkenntnisse zurückzuführen sei. Daher freut man sich vielfach über Bewerbungen seitens Studienabbrechern, die nach erfolglos eingeschlagener akademischer Laufbahn einen gehobenen Kaufmannsberuf ergreifen wollen. Insbesondere Banken, Versicherungen, Unternehmensdienstleistungen aber auch die Industrie greift auf diesen Pool zurück. Dies ist auch eine, wenn auch notgedrungene Möglichkeit, die Überakademisierung der Arbeitswelt etwas einzudämmen.

Wenn allerdings Ausbildungsplätze mit der Voraussetzung Abitur angeboten werden, ergibt sich oftmals ein neues Risiko. Entscheiden sich doch häufig die Gymnasialabsolventen kurzfristig gerne zu einem Studium und annullieren in der Folge ihren im Frühjahr abgeschlossenen Ausbildungsvertrag. Der Lehrbetrieb schaut dann in die Röhre, denn so kurzfristig ist kein Ersatz zu bekommen. Gerade kleine und mittlere Betriebe sehen in der Ausbildung junger Menschen nicht nur eine Möglichkeit des sozialen Engagements bzw. der langfristigen Sicherung der Arbeitskompetenz im Unternehmen, sondern wichtige Arbeitskräfte im Alltag, die bei Eignung schon während der Ausbildung begrenzt Verantwortung übernehmen können und sollen. Diese Lücken lassen sich dann weder schließen […]

So gehen Sie richtig mit Lücken im Lebenslauf um

Hartnäckig hält sich das Ideal vom geradlinigen und damit lückenlosen Lebenslauf. Von der Schule bis zum Rentenalter sollte eine Vita leicht nachvollziehbar sein und dabei obendrein eine Karrieresteigerung vorweisen. Längst hat das mit der Realität aber vielfach nichts mehr zu tun.

Zum einen hat es die Globalisierung bis zum Mittelstand mit sich gebracht, dass wegen Fusionen, Unternehmenssplittings oder auch Insolvenz wegen mangelnder Wettbewerbsfähigkeit die Zeiten der „aktiven Arbeitssuche“ bei vielen Kandidaten zugenommen haben. Zum anderen können die Absolventen der 2000er Jahre leider zu Recht als Generation Praktikum bezeichnet werden: von der Jahrhundertwende bis zum Beginn des gegenwärtigen Booms im Jahre 2010 hatten es viele Studienabgänger trotz guter Noten schwer, den Einstieg in reguläre Beschäftigung zu finden. Diese Situation hat sich zwar in den meisten Berufsbildern gedreht, was dauerhaft bleibt sind aber die entsprechenden Einträge in den Lebensläufen. Dies wird die betroffenen Beschäftigten bis zur Verrentung begleiten.

Obendrein kommt ein neues Thema hinzu: die Gesellschaft wird immer älter und damit steigt die Zahl der Pflegebedürftigen. Wer seine Eltern oder Großeltern nicht in einem Heim abgeben möchte, sondern in deren gewohnter Umgebung Unterstützung angedeihen lassen möchte, nimmt sich dazu eine berufliche Auszeit mittels durch die Pflegekasse ausgeglichenen Langzeiturlaub oder geht in befristet Teilzeit. Diese Angebote werden durch die Politik in diesen Tagen noch attraktiver gemacht und werden daher sicherlich in vielen Bewerberprofilen ihren Eintrag finden.

Zu guter Letzt warten viele Menschen mit einer Weltreise nicht bis zum Ruhestand, sondern wollen dieses Erlebnis, sofern finanzierbar, bereits in jüngeren und damit körperlich fitteren Jahren realisieren. Top-Manager sind oft so ausgebrannt, dass sie zwischen zwei Jobs einen sogenannten Sabbatical zur persönlichen Regeneration nutzen, dadurch wieder neue Kraft schöpfen. Unabhängig von der Frage, ob man sich das individuell leisten kann, wirft es oftmals Fragezeichen beim Bewerbungsprozess auf. Nun ist eine Auszeit nicht mehr automatisch ein Absagegrund für Arbeitgeber, dies vor allem in Zeiten des Fachkräftemangels und gesteigerter Sensibilität im Hinblick auf die sogenannte Work-Life-Balance, die man besser als Work-Private-Balance bezeichnen sollte, denn Arbeit gehört zum Leben schließlich dazu.

Welche Möglichkeiten aber gibt es um solche vermeintlichen Lücken stichhaltig zu erklären?

Ein positives Bild macht man vor allem dann bei Personalentscheidern, wenn die Auszeit sinnvoll verbracht wurde. Wer sich auf Weltreise begibt, schult damit automatisch seine interkulturelle und sprachliche Kompetenz. Zumindest der englischen Sprache sollte man mächtig sein, wenn man sich an ferne Ziele, weit ab von den pauschal buchbaren Hotelburgen begibt. Auch lernt man Land und Leute kennen, was man mit wenigen Worten beim entsprechenden Eintrag im Lebenslauf schlüssig beschreiben kann.

Abhängig vom eigenen Berufsbild können aber sogar Zeiten des Nichtstuns dem Menschen gut tun, vor allem wenn er in einem kreativen Beruf arbeitet. Grafiker, Programmierer oder Marketingspezialisten nutzen solche „schwarzen Löcher“ gerne um ihren Kopf freizubekommen und dann wieder richtig durchzustarten. Inspiration bekommt man nicht, wenn man sich fühlt wie der Hamster im Laufrad.

Auch beim Beispiel mit der häuslichen Pflege sollten Kandidaten kein Blatt vor den Mund nehmen. Dies gehört eben zum ganzheitlichen Lebenslauf dazu […]

Spendiert der Chef ein Pendlerticket, ist das ein geldwerter Vorteil!

Viele Arten der steuer- und abgabenoptimierten Leistungen neben dem eigentlichen Gehalt gibt es in Deutschland. Ob der Zuschuss zum Mittagessen oder aber auch die ganze oder teilweise Übernahme der Fahrtkosten mit öffentlichen Verkehrsmitteln im Rahmen von Monatskarten sind beliebt, denn zum einen kann der Arbeitgeber den Mitarbeiter so besser binden und motivieren, zum anderen sind diese Art der Benefits – anders als die klassische Bruttogehaltserhöhung – bis zu bestimmten Freigrenzen von Abgaben befreit.

Hier ist aber Vorsicht geboten, denn diese Freigrenzen sind schnell erreicht und dies schmälert dann zum Ärger vor allem des Mitarbeiters die tatsächliche Ersparnis. Wir erklären, was es zu beachten gilt, damit diese Zugaben ihren eigentlichen Zweck wirklich zufriedenstellend erfüllen.

Am einfachsten ist es, wenn der Arbeitgeber eine ganze Gruppe von Beschäftigten mit einem Jobticket versorgen will bzw. kann. Hier räumen Verkehrsverbünde meist einen Mengenrabatt ein. Gibt der Arbeitgeber nur diesen Rabatt an seine Angestellten weiter und zieht damit den Ist-Preis für die Fahrkarte 1:1 vom Nettolohn des Mitarbeiters ab, ist noch kein geldwerter Vorteil im steuer- und abgabenrechtlichen Sinne entstanden. Anders sieht es aus, wenn Zuschüsse bis hin zur vollen Übernahme des Fahrpreises gewährt werden. Dann gilt der gesamte, so bezuschusste Betrag als zu versteuernd. Es gilt hier, eine Freigrenze in Höhe von EUR 44,00 insgesamt für alle geldwerten Vorteile pro Monat zu beachten. Eventuelle Essensmarken müssten also ebenso addiert werden. Freigrenze bedeutet übrigens nicht, dass erst ab dem ersten Cent über EUR 44,00 versteuert werden muss, sondern bei Überschreitung ist dann der ganze Zuschuss bzw. alle Zuschüsse gesamt der Versteuerung zu unterziehen.

Hier gibt es nun zwei Lösungen, bleiben beim Jobticket:

Entweder, der Arbeitnehmer übernimmt die Mehrkosten für die Monatskarte über die EUR 44,00 hinausgehend mittels Abzug vom Nettogehalt. Dann ist die Ersparnis unter Umständen immer noch größer, als wenn der gesamte Ticketpreis wie normales Einkommen versteuert wird.

Oder der Arbeitgeber versteuert den Gesamtpreis bei Überschreiten der EUR 44,00 mit 15 % pauschal. Dann entfallen für den Arbeitnehmer immerhin die Steuern, nicht aber die Sozialversicherungsbeiträge auf den realen Ticketpreis. Und auch hier darf man nicht in eine Falle tappen, denn zum einen kann der Arbeitgeber die Pauschalsteuer wieder auf den Mitarbeiter abwälzen und diese Steuer darf zudem maximal so hoch sein wie die Werbungskosten, welche der Mitarbeiter für sein Berufspendeln in der Steuererklärung angeben kann. Alle geldwerten Vorteile rund um die Bezuschussung des Anfahrtsweges zur Arbeit müssen auf der Lohnsteuerbescheinigung ausgewiesen werden. Es erfolgt dann nämlich eine Aufrechnung mit der Entfernungspauschale. Sich das Pendeln also gewissermaßen doppelt vom Arbeitgeber und dem Fiskus bezahlen lassen, funktioniert nicht. Auf diese „findige“ Idee sind die Finanzbehörden schon lange gekommen und haben dem einen Riegel vorgeschoben.

Kein Ausweg ist übrigens der Kauf eines Jahrestickets über diesen Zuschussmodus. Dieses wird zwar oft günstiger angeboten als die Summe der 12 Monatstickets, wäre aber im Monat der Anschaffung voll zu versteuern.

Ist eine geschäftliche Abendveranstaltung nach „Feierabend“ Pflicht?

Bei den meisten Angestellten beginnt am späten Nachmittag die Vorfreude auf den meist verdienten Feierabend. Grillen mit Freunden, ein Fernsehabend oder im Winter gemütliches Beisammensein im Kreise der Familie sorgen für positive Energie. Was aber, wenn einem der Chef in die Parade fährt und spontan ein geschäftliches Abendessen ankündigt?

Grundsätzlich arbeitet die Masse der Beschäftigten zu festen Arbeitszeiten. Meist gibt es eine sogenannte Kernarbeitszeit, die zwischen 8 und 9 Uhr morgens beginnt und bei Vollzeitverträgen zwischen 16 Uhr und 18 Uhr endet. Allerdings ist es grundsätzlich möglich, dass man zu einer beruflich bedingten Verlängerung in die Abendstunden hinein verpflichtet werden kann. Dies muss einerseits aber im Rahmen der bezahlten Gesamtarbeitszeit geschehen und nur in Maßen auftreten. Wenn es nicht ohnehin eine vertragliche oder eine Betriebsvereinbarung gibt, die dies regelt, kommt es auf den Einzelfall an. Wichtig ist auch, wie kurzfristig dies verlangt wird. Hat der Arbeitnehmer private, nicht oder ad hoc nur schwer delegierbare Verpflichtungen wie eigene Kinder oder die Pflege von Angehörigen, wird ein entsprechender Einwand den Arbeitnehmer schützen. Eine Abmahnung oder gar eine Kündigung verstieße gegen das Maßregelungsverbot. Ein Arbeitnehmer darf durch den Arbeitgeber nicht für die Wahrnehmung seiner Rechte bestraft werden.

Allerdings muss bei dieser Frage auch die Position des betroffenen Arbeitnehmers im Unternehmen berücksichtigen. Je höher dessen Stellung in der Hierarchie, umso eher wird das Ansinnen auf Teilnahme an einer Abendveranstaltung nicht abzulehnen sein. Auch Mitarbeiter in Vertrieb und Marketing sollten eine große Flexibilität mitbringen. Wenn es zum Stellenprofil gehört, kann man sich nur mit sehr guten Gründen verweigern.

Dennoch sind Vorgesetzte angehalten, solchen Terminen einen gewissen Vorlauf zu geben, damit die Mitarbeiter den Termin einplanen können. Kinderbetreuung, oder auch lange schon gebuchte Opernbesuche etc. können dann ggf. anders organisiert werden.

Zu guter Letzt sollte auch geklärt werden, wie der Mitarbeiter einen Freizeitausgleich nehmen kann. Oftmals darf man nach einer Abendveranstaltung am Folgetag später ins Büro kommen oder früher gehen. Das ist in der Regel nicht vertraglich geregelt. Bei Betriebsvereinbarungen werden diese Stunden meist auf das normale Überstundenkonto gutgeschrieben. Man kann also auch zusammengefasst mal einen ganzen Tag bei vollem Lohnausgleich durch Nutzung dieses Guthabens abbummeln.

Ist Deutschland chronisch übermüdet? Forscher warnen vor Schlafmangel

Schon seit geraumer Zeit wurden Zusammenhänge zwischen dem sozial meist erzwungenen Arbeits- bzw. Schulrhythmus und dem Schlafverhalten festgestellt. Auch ist bekannt, dass es verschiedene „Schlaftypen“ gibt: die Frühaufsteher und die nachtaktiven Langschläfer. Seit dem Beginn der Industrialisierung vor knapp 200 Jahren ist der Mensch aber weitgehend durchgetaktet und hat sich an feste Zeiten zu halten. Das Leben nach der Uhr ist die Regel geworden. Daran hat auch der derzeitige Übergang von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft nichts geändert.

Aber nicht nur die Uhrzeiten, sondern auch die tatsächliche durchschnittliche Schlafdauer wird zunehmend zu einem gesellschaftlichen Problem. Es wäre zu kurz gegriffen, diesen Umstand nur auf die Arbeit oder die Schule respektive Universität zu schieben. Auch Freizeitaktivitäten, vor allem Fernsehen und vor dem PC oder dem Smartphone verbrachte Zeit verkürzen den Nachtschlaf erheblich. Dies auch schon bei Kindern und Jugendlichen.

Gerade wir Deutschen sind ein Volk, das in alter preußischer Pflichtmanier den Schlaf nicht schätzt. Dies hat sich chronisch über viele Generationen tradiert. Dies sieht man vor allem bei Vergleichen  mit unseren benachbarten Nationen. Es handelt sich also um kein generelles Problem der Industrienationen.

Es gilt die allgemeine Faustregel, dass ein Mensch, der innerhalb eines Monats an mindestens drei Nächten in der Woche kaum einschlafen oder durchschlafen kann, professionelle Hilfe braucht. Zumal mit diesem chronischen Phänomen meist negative Begleiterscheinungen in der Wachphase wie z.B. Aufmerksamkeitsdefizite, Konzentrationsschwäche, verminderte Gedächtnisleistung und aber auch schnelle Überreizung, Kopfschmerzen und Probleme beim Verdauungstrakt auftreten. Von solchen Themen sind knapp 5 Millionen Menschen in Deutschland, mithin 6 % betroffen.

Interessant ist die relativ neue Erkenntnis, dass unter anderem die Gene dafür verantwortlich sind, wie viel Zeit ein Mensch schlafend verbringt. Die Mehrheit benötigt für eine vollständige Erholungsphase zwischen 6 und 8 Stunden, manche aber mehr Schlaf. Nur eine Minderheit kommt dauerhaft mit weniger Schlaf aus. Ähnlich sieht es mit der natürlichen Aktivphase aus. Wer von Haus aus in der Frühe fit ist und gerne mit Sonnenaufgang den Tag beginnt, dafür aber Abend rasch müde wird, ist in unserer genormten Gesellschaft gewissermaßen privilegiert. Das kann man sich aber leider nicht antrainieren, ebenso wie man Schlaf nicht gewissermaßen auf Vorrat vorziehen oder später nachholen kann. Der individuelle Biorhythmus lässt sich nicht austricksen. Auch wird der Mittagsschlaf, neudeutsch Powernapping überschätzt. Dieser sollte kurz sein, nicht länger als eine halbe Stunde dauern. In Ländern mit heißem Klima, so etwa in Spanien hat sich die Siesta zur Mittagszeit durchgesetzt, weil Arbeiten in der Mittagssonne kaum möglich ist. Auch Fernfahrer nutzen einen Trick, indem sie eine Tasse Kaffee trinken und dann ein kurzes Nickerchen machen. Das Koffein wirkt nämlich zeitverzögert etwa eine halbe Stunde nach Genuss. Wer dazwischen schläft, hat wieder viel Konzentrationsfähigkeit gewonnen. Dies ist aber nur ein Behelf und kann in Büro- oder Fabrikberufen ohnehin nicht sinnvoll angewandt. Werden. Jedenfalls hat sich die japanische Art, dass Mitarbeiter Mittags in Zelten unter ihren Schreibtischen Erholung finden, hierzulande nicht durchgesetzt.

Ein erzwungenes Leben gegen die innere Uhr führt in der Regel meist zu dauerhafter Erschöpfung.

Es gibt […]

Mehrfache Befristung ohne Grund weiterhin nur für bis zu zwei Jahre möglich

Zeitlich befristete Anstellungsverträge stellen nach wie vor einen Zankapfel bis in höchstrichterliche Kreise dar. Vor etlichen Jahren wurde im Zuge der sogenannten Agendareformen die Möglichkeit zur sachgrundlosen Befristung ausgeweitet. Seither gilt die Regel, dass der Arbeitgeber mit einem Arbeitnehmer ein automatisches Ende der Zusammenarbeit mit einer Länge von bis 24 Monaten vereinbaren kann. Ist die Vertragslaufzeit kürzer, kann die Befristung bis zu zweimal verlängert werden, bis schlussendlich die 24 Monate ab Arbeitsaufnahme erreicht sind. Dann muss sich vor allem der Arbeitgeber entscheiden, ob er den Mitarbeiter behalten will und damit der Vertrag entfristet wird, oder ob sich die Wege dauerhaft trennen. Es handelt sich übrigens um ein Instrument, das überproportional im öffentlichen Dienst Anwendung findet. Erst vor kurzem kam das Thema im Zuge der sogenannten BAMF-Affäre (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) wieder an die breite Öffentlichkeit. Aber auch Universitäten, Rathäuser und andere Behörden befristen oftmals die Verträge mit Angestellten.

Grundsätzlich ist das Ziel der befristeten Beschäftigung, dass Arbeitnehmer, die nicht so leicht zu vermitteln sind, eher wieder eine Chance auf dem ersten Arbeitsmarkt erhalten und sich dementsprechend beweisen können. Sollte sich die Zusammenarbeit mit dem so eingestellten Kandidaten auf Sicht nicht sinnvoll gestalten lassen, drohen dem Arbeitgeber keine Kündigungsschutzklage nebst Abfindung und anderem mehr. Der Vertrag endet zeitnah, ohne dass es einer Kündigung bedarf. Versuchen seitens der Arbeitgeber, diese Erleichterungen über das hier geschildete Vorgehen hinaus großzügiger auszulegen, hat nun das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe einen Riegel vorgeschoben. Dabei wurde explizit in der Begründung festgehalten, dass die unbefristete Beschäftigung weiterhin der Normalzustand sein muss und sogenannte Kettenverträge über die zwei Jahre hinaus unzulässig sind. Der Arbeitnehmer als der schwächere Vertragspartner erhält hier also von der Justiz prominente Schützenhilfe. Schließlich ist es vor allem für jüngere Arbeitnehmer kaum machbar, die eigene Zukunft z.B. im Hinblick auf die Familienplanung, Immobilienerwerb und andere Themen langfristig zu planen, wenn das Damoklesschwert der Arbeitslosigkeit latent über einem schwebt.

Besonderes Augenmerk wurde beim konkret zu behandelnden Fall auf eine erneute Befristung nach einer Beschäftigungspause beim selben Arbeitgeber gelegt. Das Bundesarbeitsgericht war der Ansicht, dass nach einer Lücke von drei Jahren seit Auslaufen des letzten Beschäftigungsverhältnisses bei diesem Arbeitgeber ein erneut befristeter Vertrag wieder möglich sei. In Karlsruhe sah man dies anders und schränkte eine solche Möglichkeit auf Sonderfälle wie vorherige Praktika, Werkstudentenverträge oder Aushilfstätigkeiten ein. Der Fall geht nun zum Landesarbeitsgericht in Nordbayern zurück. Dieses Urteil des BVerfG hat auch Signalwirkung auf zahlreiche andere anhängende Fälle bei Arbeitsgerichten. Nun ist klar, dass Arbeitgeber bei Anwendung des Gesetzes nicht dem Willen des Gesetzgebers, wie oben geschildert, zuwiderhandeln dürfen. Andererseits wurden nun aber auch Ausnahmetatbestände genannt, die auf eine Art neue Unsicherheit geschaffen haben. Inwiefern das wirklich praxistauglich ist, wird man sehen. Mit Sicherheit werden aber findige Arbeitsrechtler vor allem auf der Arbeitgeberseite Schlupflöcher finden, die dann separat behandelt werden müssen.

Flugreisen im Schengenraum ohne Ausweis? Keine gute Idee!

Seit einer gefühlten Ewigkeit sind wir es im europäischen Schengen-Raum gewohnt, vor Betreten eines Flugzeugs nicht mehr auf unsere Identität kontrolliert zu werden. Daran hat auch der vor knapp 12 Jahren eingeführte strenge Sicherheitscheck vor dem Boarding nichts geändert. Dort interessiert man sich für Nagelscheren und Flüssigkeiten im Handgepäck, interessanterweise aber nicht für die Identität der Reisenden.

Daher wurde schon so Mancher auf Geschäfts- oder Urlaubsreisen in die Nachbarländer leichtsinnig und reiste ohne entsprechende Ausweisdokumente. Meistens geht das gut, aber man sollte es nicht riskieren.

Die Versuchung ist groß, zumal Flugreisende, vor allem mit den bekannten Low-Budget-Anbietern, ohnehin oftmals nur mit dem noch kostenlos beförderten Handgepäck reisen. Für die Teilnahme an einer Messe oder auch privat für einen Städtetrip an einem verlängerten Wochenende reicht der Trolley. Die Regelungen aus Brüssel sind in diesen Fällen sehr einfach: man lässt die Fluggesellschaften darüber entscheiden, ob sie eine Kontrolle am Gate durchführen oder nicht. Zur Vereinfachung der Fluggastabfertigung und auch aus Kostengründen verzichten die meisten Carrier auf diese Zusatzmaßnahme.

Dennoch kann man sich als Fluggast nicht sicher sein, dass man ohne Ausweisdokument durchkommt. Zum Beispiel mussten während des G20 Gipfels vor einem Jahr mehrere Passagiere am Boden bleiben, weil der Hamburger Flughafen zeitweilig verschärfte Kontrollen durchführte. Kein Wunder, nachdem nicht nur die 20 wichtigsten Staats- und Regierungschefs mit ihren Beratern, sondern leider neben friedlichen Gegendemonstranten auch zahlreiche Krawall-Chaoten in der Stadt waren. Auch kann eine sogenannte akute Terrorlage dazu führen, dass Vorschriften ad hoc verschärft werden. So geschehen in Paris 2015 und Barcelona 2017 nach schweren Anschlägen.

Grundsätzlich ist die Rechtslage in den meisten Staaten der EU so, dass man jederzeit seine Identität nachweisen muss. Dabei reichen Krankenversicherungskarten, Führerscheine oder Steuerkarten nicht aus. Der hier so genannte Personalausweis, oftmals auch Identitätskarte (Identity Card) genannt, ist als Minimum immer mitzuführen. In vielen südlichen Regionen empfiehlt es sich zwar, diese Dokumente im Hotelsafe zu lassen, dazu muss man sie aber zunächst überhaupt mitführen. Der Reisepass kann übrigens immer als Ersatz für einen Personalausweis mitgeführt werden, dieses Dokument ist „stärker“.

Ein Blick auf das Ablaufdatum des heutzutage nicht mehr oft benötigten Reisepasses empfiehlt sich dennoch deutlich vor einer Reise, denn oftmals müssen diese Dokumente eine Mindestgültigkeit von sechs Monaten ab geplantem Ausreisetermin im Zielland aufweisen. Dies gilt analog dazu auch für den Personalausweis. Falls man auch die beschleunigte Bestellung über die Bundesdruckerei nicht mehr vor Abreise durchführen kann, so stellen einem die Bundespolizisten vor Abflug einen Ersatzausweis für derzeit 8 Euro aus. Bedingung ist, dass man den abgelaufenen bzw. demnächst ablaufenden Ausweis oder Pass vorlegen kann. Allerdings ist dies je nach Zielland keine Garantie, dass man damit ein- bzw. wieder ausreisen kann. Dies gilt weniger für den europäischen Schengenraum, aber z.B. für die beliebten Reiseziele Türkei und Ägypten. Dann hilft – erfolgreiche Einreise vorausgesetzt – nur noch, sich in der eigenen Botschaft oder einem Konsulat ein Ersatzdokument zu beschaffen. Dies ist aber umständlich und vergleichsweise sehr teuer. Auf Geschäftsreisen hat man dazu ohnehin keine Zeit und während eines Urlaubs […]

Ab 2019 kommt wohl die Brückenteilzeit für alle

Einen Rechtsanspruch darauf, von Vollzeit auf Teilzeit beim selben Arbeitgeber zu wechseln, haben Arbeitnehmer schon seit einigen Jahren. Vor allem junge Mütter nutzen diese Möglichkeit, wenn sie ihre Kinder nicht nur morgens wecken und abends zu Bett bringen möchten. Aber auch andere Umstände wie etwa die Pflege Angehöriger oder ein eigener Schicksalsschlag können Veranlassungen dafür sein, im Job kürzer zu treten. Nur ist dies oftmals eine Einbahnstraße. Wenn der Arbeitgeber nicht möchte, gibt es keinen rechtlich durchsetzbaren Weg zurück in die Vollzeit. Diese Erfahrung müssen vor allem junge Eltern machen, wenn der Nachwuchs älter geworden ist und man entweder wieder gerne mehr arbeiten möchte oder angesichts der steigenden Lebenshaltungskosten muss. Lediglich im Rahmen der Gesetze zur Eltern- oder Familienpflegezeit ist es bisher schon möglich, als Arbeitnehmer die eigene Arbeitszeit auf 15 bis 30 Stunden pro Woche zu reduzieren und im Anschluss daran wieder zum vertraglich vereinbarten Modus zurückzukehren

Seit Ende der 1990er Jahre hat sich der Anteil derer, die in Teilzeit arbeiten, im Vergleich zur Gesamtarbeitnehmerzahl beinahe verdoppelt. Viele Menschen arbeiten nicht freiwillig weniger als 40 Stunden pro Woche. Schlecht sieht es weiterhin für jene aus, die von vorneherein einen Teilzeitarbeitsvertrag unterschrieben haben. Dies geschieht oftmals aus einem einfachen Grund heraus: der Arbeitgeber hat bei einer bestimmten Aufgabe keinen Bedarf an einer Vollzeitkraft. Vor allem in kleinen Unternehmen ist dies die Regel. Zwar gilt das aktuelle Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) erst bei Unternehmen mit mehr als 15 Mitarbeitern, aber Studien belegen, dass vor allem Unternehmen bis 100 Mitarbeiter Probleme haben, auf derartige Mitarbeiterwünsche flexibel einzugehen. All jene, die aber ursprünglich einen Vollzeitvertrag unterschrieben hatten, mehr als 45 Kollegen im Betrieb insgesamt haben und ab Januar 2019 ihren gesetzlichen Anspruch auf Umwandlung in eine Teilzeitstelle geltend machen, können sich nun Hoffnung machen. Das Bundesarbeitsministerium will noch in diesem Jahr durch die Schwarz-Rote Koalition ein Gesetz verabschieden lassen, welches die Rückkehrlücke schließt. Allerdings wird dieses Gesetz laut Arbeitsminister Hubertus Heil nicht rückwirkend gelten. Wer also vor Beginn des nächsten Jahres in Teilzeit wechselt, muss weiterhin auf die Kooperation seines oder ihres Arbeitgebers hoffen, wenn der Wunsch nach Rückkehr zur ursprünglichen Arbeitszeit besteht. Für die sogenannten Altfälle soll diese zeitlich begrenzte „Brückenteilzeit“ nicht gelten, denn auch die Arbeitgeber haben natürlich ein Recht auf Bestandsschutz. Vor allem der Mittelstand tut sich naturgemäß schwerer mit der Personalplanung als Konzerne. Daher wird auch die Mindestanzahl an Beschäftigten, ab der das Gesetz zur Brückenteilzeit greifen soll, von 15 auf 45 Personen erhöht. Arbeitgeber mit weniger als 100 Beschäftigten müssen nur jedem 15. Arbeitnehmer diese Möglichkeit gewähren. Es gibt aber auch weiterhin Gründe, das Begehren arbeitgeberseitig abzulehnen. So ist eine Ablehnung möglich, wenn die befristete Teilzeit ein Jahr unter- oder fünf Jahre überschreitet. Auch Themen rund um Arbeitsorganisation und –ablauf (Projektarbeiten, Schichtarbeit etc.) können die Gewährung zumindest verzögern. Rechtzeitige Antragstellung auch schon vor den gesetzlichen drei Monaten, bevor es mit der Teilzeit losgehen soll, ist also dringend angeraten, damit man mit seinem Arbeitgeber eine für beide Seiten einvernehmliche Lösung finden kann.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund […]

Wenn der Chef die private Mobilnummer verlangt. Eingriff in das Persönlichkeitsrecht?

Nicht seit Inkrafttreten der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) Ende Mai dieses Jahres sind private Daten besonders geschützt und jeder Bürger darf weitgehend darüber entscheiden, wer diese Daten überhaupt erhält. Dies gilt auch für eine Mobilfunknummer. Was aber, wenn der Arbeitgeber diese Nummer aus beruflichen Gründen abfragt? Diese Frage hatte jüngst das Thüringer Landesarbeitsgericht zu entscheiden. Wie so oft in rechtlichen Fragen gilt auch hier die Regel: es kommt darauf an, aber es gibt Gründe, die Herausgabenummer verweigern zu können.

Sofern der Arbeitgeber die Möglichkeit hat, seine Arbeitnehmer im Notfall auch anderweitig kontaktieren zu können, haben Arbeitnehmer grundsätzlich das Recht auf Verweigerung der Herausgabe ihrer privaten Mobilfunknummer. Dabei setzt das Gericht überraschend enge Grenzen zur Frage, wann eine Herausgabe notwendig sein könnte. Für das Gericht überwiegt nämlich der mit der Kundgabe der privaten Handynummer verbundene Umstand, dass dadurch der Arbeitnehmer theoretisch rund um die Uhr erreichbar wäre und somit ggf. gar nicht mehr zur Ruhe käme. Im konkreten Fall nannte eine Arbeitnehmerin im öffentlichen Dienst zwar ihre private Festnetz-, nicht aber ihre private Handynummer und erhielt wegen dieser Verweigerung eine Abmahnung. Bereits erstinstanzlich konnte die Arbeitnehmerin einen Sieg davontragen, der nun bestätigt wurde. Die Abmahnung muss nun zurückgenommen und aus ihrer Personalakte entfernt werden.

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass die Arbeitnehmerin im Rahmen ihrer Tätigkeiten auch Bereitschaftsdienste leistet. Das Gericht vertrat aber die Auffassung, dass zur Kommunikation außerhalb der Arbeitszeiten auch das Festnetztelefon ausreichend sei. Dabei wurde das Gewicht des Datenschutzes vor allem auch im Berufsleben durch Richter Michael Holthaus unterstrichen. Wenn der Arbeitnehmer grundsätzlich nicht mehr zur Ruhe kommen könne, wäre dies ein erheblicher Eingriff in dessen Persönlichkeitsrechte, so die Urteilsbegründung. Das Urteil ist rechtskräftig, da keine Revision zugelassen wurde.

Vor allem jüngere Arbeitnehmer, die keinen Festnetzanschluss haben, weil sie ausschließlich mit dem Mobilgerät kommunizieren, können sich freilich auf dieses Urteil nicht berufen, denn es wurde zudem festgestellt, dass der Arbeitgeber wenigstens eine Möglichkeit zur kurzfristigen Kontaktaufnahme mit seinen Arbeitnehmern haben müsse.

Reverse Mentoring: wenn der Chef von einem Lehrling gecoacht wird

Mit Reverse Mentoring werden die klassischen Rollenmuster umgekehrt. Erfahrene Manager werden hier von vermeintlichen Greenhorns beraten. Aber der Schein trügt oft, was die Fähigkeiten der jungen Mitarbeiter anbelangt, sodass große Konzerne wie die amerikanische IBM, aber auch die Lufthansa dieses Prinzip bereit erfolgreich anwenden. Entfalten können sich die Vorteile aber nur, wenn ein Unternehmen dies nicht als ein isoliertes Projekt betrachtet, sondern in den normalen Workflow einbettet.

Konkreter Ansatz war eine Untersuchung der Personalberatung Rochus Mummert, welche sich mit der Frage, wie fit Führungskräfte im Umgang mit digitaler Technik sind. Hier ist es sehr oft um die notwendige Kompetenz im postindustriellen Zeitalter noch nicht gut bestellt. Einer der wesentlichen Gründe für den daraus resultierenden Nachholbedarf ist der Umstand, als dass sich Führungskräfte in der Regel nur mit Kollegen auf derselben Ebene austauschen. Potential, vor allem von jungen Mitarbeitern, wird meist nicht angezapft. Dies ist einerseits besorgniserregend, eröffnet aber im Hinblick auf das Reverse Monitoring nützliche Aspekte. Hierbei geht es also nicht um eine Spielerei, sondern es bieten sich für beide Seiten interessante neue Eindrücke, einhergehend mit einer Wissensvermittlung, die keine Einbahnstraße ist. Coaching im weitesten Sinne meint meist, dass erfahrende Kollegen an die Jungen ihr Wissen weitergeben. Das steckt auch landläufig in den Köpfen der Entscheider. Sicherlich hat die zunehmend rasant werdende Digitalisierung der Arbeitswelten zu einem Umdenken beigetragen. So wird der Tabubruch zu einer Win-Win in den Unternehmen.

Zu Nutzen machen können sich altgediente Führungskräfte den Umstand, als dass nun sukzessive die ersten „Digital Natives“ in die Unternehmen als Auszubildende oder akademische Trainees vorstoßen. Junge Menschen zwischen 15 und 25 Jahren, die mit dem Internet und seinen stetig wachsenden Möglichkeiten von Kindesbeinen an groß geworden sind und der Umgang damit eine weitgehende Selbstverständlichkeit ist. Diese junge Generation interagiert im sozialen Umfeld daher ganz anders, als die „analogen“ Generationen vor ihnen. Dies macht sich auch innerhalb der Unternehmen bemerkbar. Bei allen vieldiskutierten Risiken überwiegt letztlich die Notwendigkeit einer Anpassung aller Alters- und Hierarchieebenen in den Unternehmen, unabhängig von der Branche und Größe. Hier können schon junge Kollegen mit wenig Berufserfahrung insgesamt einen großen Mehrwert generieren. Entscheidend ist letztlich, dass zum einen sich die Älteren auch wirklich mit der notwendigen Offenheit coachen lassen und zum anderen, dass der Junior-Coach Sensibilität dahingehend entwickelt, als dass Menschen mit wenig Erfahrung im WWW gewisse Hemmschwellen haben und auch die Fachsprache nicht beherrschen. Wenn diese Grundregeln eingehalten werden, kann im Sinne eines Wissensmanagements ein großer Mehrwert für alle Seiten entstehen.