Nun ist es bereits beinahe acht Jahre her, dass das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, kurz AGG in Kraft trat. Seitdem können Menschen bei Verdacht auf Diskriminierung u.a. auch auf dem Arbeitsmarkt den Rechtsweg gegen Arbeitgeber einschlagen. Das Gesetz und mehrere weitere Verordnungen und Richtlinien zielen darauf ab, verschiedene in der Gesellschaft latent benachteiligte Gruppen vor Diskriminierung zu schützen. Darunter zählen insbesondere in der Arbeitswelt damals wie heute Frauen, obwohl das zahlenmäßige Verhältnis zwischen beiden Geschlechtern sogar leicht zugunsten der Frauen tendiert.

In diesem Beitrag wollen wir den Fokus auf die Art der gängigen Formulierungen von Stellenanzeigen richten. Sozusagen auf den Beginn eines Bewerbungsprozesses, welcher im Erfolgsfall in ein Beschäftigungsverhältnis mündet. Man hat insbesondere bei technischen oder bei Führungspositionen nicht selten den Eindruck, dass spezifische Positionen gar nicht mit Frauen besetzt werden sollen und man daher bewusst abschreckende Formulierungen wählt.

Was sicherlich vielen zunächst eher unterschwellig auffällt, wurde vor kurzem von der TU München wissenschaftlich untersucht. Insgesamt 260 Studierende nahmen an dieser Studie teil. Im Zuge dessen wurden ihnen fiktive Stellenanzeigen vorgelegt. Dabei waren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bunt gemischt in zwei gleichgroße Gruppen aufgeteilt. Die eine Gruppe erhielt fingierte Stellenausschreibungen, welche mit eher „männlichen Begriffen wie beispielsweise „analytisch“ oder „durchsetzungsstark“ gespickt waren. Solche Begriffe wirken auf Frauen tendenziell oftmals abschreckend. Hintergrund ist, dass solche Eigenschaften von beiden Geschlechtern aus dem traditionellen Rollenbild heraus eher als männlich verortet werden. Dahingegen bekam die andere Gruppe eine Stellenanzeige zur Ansicht, welche eher typisch weibliche Eigenschaften wie z.B. „kontaktfreudig“ und „verantwortungsbewusst“ von den potentiellen Kandidaten (m/w) voraussetzt. Keine Überraschung mehr, dass sich die Frauen in der zweiten Gruppe von dieser Anzeige mehr angesprochen fühlten. Wohl aber fanden die Forscherinnen als Nebenergebnis heraus, dass den männlichen Probanden im Gegensatz zu ihren weiblichen Pendants die einen oder anderen Eigenschaften überwiegend egal waren.

Generell wurde am Ende festgestellt, dass sich Frauen im Hinblick auf Führungspositionen weitaus weniger selbst zutrauen, als Männer. Diese Selbsteinschätzung beruht aber nicht auf faktische Eigenschaften und erworbene Kenntnisse. Wenn man umgekehrt also Wert auf viele qualifizierte Bewerbungen von Frauen legt, ist sowohl die Formulierung, als auch ein ansprechendes Design der Stellenangebote das A und O! Grundsätzlich ist aber bei allen Stellenausschreibungen das gewisse Augenmaß nötig, wenn die gewünschten Kandidatinnen und Kandidaten erfolgreich angesprochen werden sollen. Ohne ausreichende Identifikation mit Aufmachung und Inhalten gleichermaßen wird die Personalabteilung eines Arbeitgebers womöglich nicht den gewünschten Besetzungserfolg erzielen können.

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